„Ausweichen!", schrie Kaz, als er mir einen Feuerball zu warf.
Sofort machte ich einen Schritt zur Seite. Der Ball hingegen flog weiter, gerade auf die Wand zu.
„Das war vielleicht nicht unsere beste Idee", sagte er, den Blick auf das schwarze Loch, das wir hinterlassen hatten.
„Davenport wird ganz schön sauer sein, wenn er das zu Gesicht bekommt", murmelte ich.
„Dann sollte er es nicht sehen."
Ich blickte Kaz hinterher, wie er ein Bild von der einen Stelle abhing und damit unser Kunstwerk überdeckte.
Plötzlich klingelte sein Handy.
Als er ran ging und zuhörte, wurde er ganz still.
Fragend schaute ich ihn an.
„Juna und ich machen uns auf den Weg", sagte er, bevor er auflegte.
„Auf geht's. Wir werden gebraucht."
Ich wusste zwar immer noch nicht, was los war, doch anhand von Kaz Gesichtsausdruck wusste ich, es war etwas Ernstes. Also gab es keine Zeit zu verlieren.
Bevor ich etwas sagen konnte, schnappte er mich, schlang seine Arme um mich und flog los.
„Kaz, du weißt doch, dass ich mich alleine fortbewegen kann?"
„Solange du Single bist, nutze ich diese Chance."
Sofort besuchten mich meine verdrängten Erinnerungen und meine Laune schlug um.
„Kaz, wie oft noch. Das mit uns beiden wird nichts", sagte ich, und klammerte täglich an ihm, da er der einzige war, mit dem ich noch großartig sprach.
Auch wenn er von meinen Gefühlen und ich von seinen wusste, so half er mir durch diese schwierige Zeit. Und auch wenn wir uns einig waren, aufgegeben hatte, er glaube ich, noch nicht.
„Ich habe dir versprochen, dass ich nichts versuchen werde. Und ich werde dieses Versprechen halten. Du brauchst dir also keine Gedanken darüber zu machen."
Da war sie wieder. Diese ungewohnte ernste Stimme.
„Außerdem wird Chase eh wieder angekrochen kommen."
Das bezweifelte ich tatsächlich.
„Wo geht es eigentlich hin?", wollte ich nach einiger Zeit wissen, in der Kaz nichts gesagt hatte.
„Ein Superheld braucht unsere Hilfe."
Mit großen Augen starrte ich ihn an.
Aufgeregt fragte ich: „Ein echter Superheld?"
„Hey!", lachte mein Transportmittel. „Ich bin auch ein Superheld."
„Na ja. Mehr oder weniger", schmunzelte ich, was er jedoch nicht sehen konnte.
„Wir sind da. Aber das kriegst du später noch zurück."
Kaz landete in einem öffentlichen Park. Es war kurz vor Mitternacht, weshalb sich niemand mehr darin befand. Es war ziemlich still, nur ein paar Tiere konnte man hören. Vielleicht war es sogar zu still. Immerhin musste es einen Grund geben, dass ein Superheld unsere Hilfe brauchte.
„Kaz, Juna", vernahmen wir eine Stimme. Skylars Stimme.
Sofort folgten wir dieser.
Angekommen, fanden wir Skylar vor, die neben einem Mann kniete. Dieser bewegte sich nicht.
Ich schaute von ihr, zu dem Superhelden, zu Kaz. Dieser hatte seinen Blick nur auf den Verletzten gerichtet.
„Was ist mit ihm?", wollte ich sogleich wissen.
„Roman", sagte Skylar nur.
Ich hätte es gleich wissen müssen. Diese Schurken waren überall. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie die Superhelden auf der Liste finden würden. Das hier war wohl einer von ihnen.
Kaz war sofort bei dem Mann und suchte ihn nach Wunden ab.
Etwas Abseits blieb ich stehen und beobachtete die Situation.
In meinen Gedanken tauchte der Kampf zwischen Chase und einem der bösen Brüder auf. Den Mann, den Chase und ich auf dem Gewissen hatten. Wir hatten nie wieder darüber gesprochen. Ich weiß nicht einmal, ob Chase es den anderen erzählt hatte.
Ich hatte einfach nur versucht es zu verdrängen. Auch wenn er uns umbringen wollte und es Notwehr war, so hatten wir ihn getötet. Das würde mich wohl nie ganz loslassen.
„Spotlight? Hörst du mich?"
Durch Kaz Stimme wurde ich zurück in die Realität geholt.
Ich schaute zu, wie er ihn untersuchte, dann zu Skylar
aufsah.
„Nein", flüsterte diese nur und senkte den Kopf.
Sofort wusste ich, was das zu bedeuten hatte.
„Wie es aussieht, können Roman und Riker einen Namen von ihrer Liste streichen", bestätigte Kaz meine Vermutung.
Wieder ein toter Superheld.
„Das ist alles meine Schuld", flüsterte Skylar.
Als ihr die Tränen kamen, wollte ich zu ihr gehen, doch sie verschwand einfach.
„Ich gebe Davenport Bescheid", seufzte Kaz und zückte sein Handy.
Dann stand er auf und kam zu mir.
„Sie werden aggressiver. Wir können nicht mehr lange warten. Wir müssen sie endlich kriegen."
Ich bemerkte, wie angespannt er war. Das Ganze ging ihm wirklich nahe.
Schnell zog ich ihn in meine Arme.
„Wir finden sie. Wir müssen uns nur noch mehr anstrengen."
Zwar wusste ich nicht, wie wir das anstellen sollten, doch irgendwie würden wir es schaffen.
„Ich muss noch etwas erledigen. Sehen wir uns heute Abend?"
Kaz löste die Umarmung. Nickend schaute ich ihn an.
„Lass einfach das Fenster offen", grinste er kurz, dann wandte er sich ganz ab und flog los.
Allein stand ich nun in dem dunklen Park neben einer Leiche. Ich wusste nicht, ob ich sie einfach so liegen lassen konnte, also wartete ich, bis Davenport vorbeikam und sie mitnahm.
Nun gab es also einen Superhelden weniger auf der Welt. Die dunkle Seite hatte wieder mehr an Stärke zugenommen. Wo sollte all das noch hinführen.
Hier ging es nicht mehr nur um Rache. Dies war ein Krieg. Und wir waren gerade dabei ihn zu verlieren.
Nachdem im Park alles geregelt war, machte ich mich auf den Weg nach Hause.
Sofort legte ich mich ins Bett und versuchte etwas Schlaf zu bekommen. Doch, wie jedes Mal, wenn ich alleine war, brannte sich eine bestimmte Person in meine Gedanken.
Es war sicher nicht meine erste Trennung, doch mit Sicherheit die schlimmste.
Noch schlimmer ist, dass ich Chase jeden Tag sehen würde. Zwar zog ich mich soweit es ging in meine Wohnung zurück, doch ganz aus dem Weg gehen konnte ich ihm nicht.
Hin und wieder kam mir der Gedanke, einfach alles hinter mir zu lassen und weg zu laufen. Vielleicht zurück nach England, in meine alte Heimat. Doch ich würde die Menschen hier unglaublich vermissen.
Bevor ich mich in die Kissen kuschelte, öffnete ich das Fenster, welches Kaz persönliche Eingangstür wurde. Wir hatten abgemacht, so lange das Fenster offen sein würde, hatte er Zugang zu meiner Wohnung.
Mittlerweile hatte er sich auch die Couch unter den Nagel gerissen. Somit musste er nicht sein Zimmer mit Chase und Oliver teilen. Auch er nahm Abstand von den Beiden. Die meiste Zeit verbrachten wir zusammen.
Dennoch war ich mir nicht sicher, ob das gut für das Team war. Ich hatte das Gefühl, dass ich etwas im Weg stand.
Das Team musste funktionieren, damit anderen geholfen werden konnte. Und ich hatte Angst, dass es das dank mir nicht mehr tat.
Womöglich wäre es doch besser, aus der ganzen Sache auszusteigen. Dann könnten die Fünf genauso weitermachen wie vor meiner Zeit.
-
„Du bist dir da auch ganz sicher?"
Douglas schaute mich fragend an. Ich nickte. Es war das Richtige. Es war schön, so lange es
andauerte, doch es war ein Fehler.
„Doni bringt mich um, wenn er es erfährt."
Douglas schnappte sich das Skalpell vom Tisch und begann mit seiner Arbeit.
„Es ist besser so," flüsterte ich, während ich mein Gesicht vor Schmerzen verzog.
„Du weißt, ich kann es nur ausschalten. Ich kann es nicht entfernen."
„Ja", murmelte ich.
Das wusste ich. Der Chip würde für immer in meinen Körper bleiben. Ein Überbleibsel, dass mich für immer an diese Zeit erinnern würde.
Bei den plötzlichen Stichen in meinen Nacken presste ich meine Augen zusammen.
Daraufhin nähte mich Douglas wieder zusammen.
„Denk daran den Verband zu wechseln. Du heilst ab jetzt nicht mehr schneller. Also wird es
eine Weile dauern."
Ich drehte mich zu ihm um und nickte, schwach lächelnd.
„Danke."
Das war also der Tag, an dem ich meine Bionik verlor.
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Zwischen Bionic und Superkräften
FanfictionJuna ist neu in Centium City. Da sie von nun an im Daventower wohnt, lernt sie direkt auch ihre neuen Nachbarn kennen. Eine Bande junger Menschen mit ungewöhnlichen Fähigkeiten. Kaum hatte sie sich mit Kaz angefreundet, hatte sie es mit Superschurke...