Pov.Grayna
"Ah hier steckst du also."
Überrascht sah ich von dem Buch auf, das ich gerade gelesen hatte und erkannte Lucindas neckisches grinsen.
"Ich wusste gar nicht das du so vernarrt in Bücher bist", meinte sie, während sie zu mir in die Bibliothek kam.
"Bin ich auch nicht. Ich versuche lediglich antworten zu finden", antwortete ich seufzend.
"Und hast du schon was gefunden?", fragte sie mich neugierig.
Still schüttelte ich nur mit dem Kopf und legte das Buch zur Seite.
"Sind die anderen endlich da?"
"Soweit ich weiß noch nicht. Ich bin sofort hergekommen als du mich kontaktiert hast.
Aber was genau ist denn jetzt eigentlich passiert? Du sagtest nur du hast neue Informationen. Und als ich gestern Abend angekommen bin hab ich dich so gut wie gar nicht gesehen. Und Beyal meinte nur das du von niemandem gestört werden willst."
Man hörte etwas Besorgnis in ihrer Stimme. Das war nicht wirklich überraschend, schließlich kennen wir uns schon seit einer halben Ewigkeit, aber sie hat mich wahrscheinlich noch nie so besorgt gesehen.
Ich erhob mich von meinem Sessel und fuhr mir mit der Hand durch die Haare.
"Es gibt einen Überlebenden", antwortete ich knapp.
Kurz sah mich Lucinda so an als würden mir Würmer aus den Augen kriechen, doch sie hatte sich schnell wieder gefangen, um mich mit ihrem Redeschwall zu befeuern.
"Was?! Wen? Von welchem Rudel ist er? Wie hat er es geschafft zu Überleben? Und wer genau steckt jetzt hinter den Angriffen?", fragte sie aufgeregt und auch etwas fassungslos.
"Das kannst du ihn später selbst fragen. Lass uns erst mal zum Konferenzraum gehen und auf die anderen warten."
Ich lief aus der Bibliothek und machte mich auf den Weg.
Etwas beleidigt weil sie nicht sofort ihre Antworten bekam folgte Lucinda mir schweigend.Kurz vor dem Konferenzraum gesellten sich auch mein Beta und Toni zu uns, der soeben eingetroffen war. Wir begrüßten uns schnell, bevor wir endlich in den Konferenzraum gingen, um an dem großen Tisch platz zu nehmen.
"Also jetzt sag schon wer ist es?"
Lucinda sah mich neugierig an, während Toni nur fragend eine Augenbraue hob.
Nachdem sich alle an ihren Platz gesetzt hatten fing ich an zu erzählen.
"Letzte Woche haben wir einen verletzten Wolf in unserem Revier gefunden. Wir haben ihn hergebracht und versorgt, und als er wieder bei Kräften war hat er uns erzählt, dass er von einer merkwürdigen Kreatur angegriffen worden sind. Aber er wird seine Geschichte später noch erzählen wenn alle da sind."
"Also, werden wir nicht von den Jägern angegriffen", schlussfolgerte Toni.
"Und von welchem Rudel kommt er jetzt genau?", fragte Lucinda.
"Das ist es ja. Er kommt von keinem Rudel. Er wurde von Jägern in einem unterirdischen Bunker gefangen gehalten. Wenn ich es richtig verstanden habe, war es so etwas wie ein Schwarzmarkt."
"Was? Und das in unseren Wäldern? Das ist ja schrecklich", Lucinda sah besorgt in die Runde, während von Toni nur ein leises Knurren zu hören war.
"So etwas können wir in unserem Territorium nicht dulden. Wann sollen wir diesen Schwarzmarkt am besten angreifen?", wollte Toni wissen.
"Ich schätze das wird nicht nötig sein. Dieses, Ding hat alles zerstört als es dort gewütet hat."
Gestresst fuhr ich mir wieder durch die Haare.
"Es ist zum verrückt werden. Wir haben in den letzten Tagen nichts anderes getan als die komplette Bibliothek auf den Kopf zu stellen, um herauszufinden was dieses Ding war, dass den Bunker angegriffen hat. Aber wir haben nichts gefunden. Keine Beschreibungen, keine Aufzeichnungen, nichts. Es scheint fast so als wäre dieses Ding aus dem nichts aufgetaucht. Noch nicht einmal die Dorfältesten wissen was dahinter steckt."
"Also versteh ich das richtig? Ein Wesen welches uns nicht bekannt ist streift durch unsere Wälder, tötet alles was sieht und wissen weder was es ist, noch wie wir es aufhalten können", sagte Toni nüchtern.
"So in etwa könnte man es ausdrücken. Ja", antwortete Beyal.
"Na toll. Das sind ja wirklich rosige Aussichten", grummelte Toni.
Gerade wollte Lucinda zum reden ansetzen, als plötzlich die Tür aufsprang und dreiundzwanzig völlig außer Atem in den Raum stolperte. Jeder im Raum war ruhig und sah in seine Richtung.
Er stand leicht nach vorne gebeugt da und hatte seine Hände stützend auf seine Knie gelegt.
Sein ganzer Körper zitterte, und als er schließlich den Kopf hob konnte man die bloße Angst in seinen Augen erkennen.
Bevor auch nur irgendjemand etwas sagen konnte ergriff er das Wort.
"Wir... Wir müssen weg, Sofort!", schrie er fast schon panisch.
Ich und Beyal wechselten kurz unsere Blicke bevor ich aufstand und auf ihn zulief.
"Beruhige dich. Was ist den passiert?", wollte ich von ihm wissen.
Die anderen waren auch aufgestanden und kamen zu uns.
"Im.. Wald. Ich hab sie .... sie gesehen. Sie kommen. Wir müssen.... hier verschwinden.
Auf der Stelle", er rang immer noch nach Atem und schien völlig aufgelöst zu sein.
Vorsichtig legte ich meine Hände auf seine Schultern und sah ihn besorgt an.
"Wer kommt?",
"Das.. Das Monster. Ich hab die Wölfe gesehen. Tote Wölfe, aber sie sind trotzdem noch gelaufen. Es kommt, und es wird uns alle töten wenn wir hier nicht verschwinden!"
Alle sahen ihn allarmiert an.
Schnell schob ich ihn zu dem Tisch auf dem immer noch die Karte lag.
"Kannst du mir sagen wo genau du sie gesehen hast?"
"Ich weis nicht genau. Es war am Fluss, sie sind den Fluss entlanggelaufen."
"Wahrscheinlich suchen sie nach einer Furt um den Fluss zu überqueren", meinte Beyal nachdenklich.
Der Fluss zog sich Östlich von unserem Territorium entlang und bildete zugleich unsere östliche Grenze. Um diese Zeit war die Strömung des Flusses recht stark, weshalb es eigentlich nur zwei passierbare Stellen gab. Eine Furt und eine seichte Stelle bei der sich der Fluss etwas ausdehnte und das Wasser gerade einmal bis zu den Knien reichte. Wobei die Zweite Option sehr weit Flussabwärts lag, daher war es wahrscheinlicher dass sie die Furt suchen würden.
"Wartet mal. Rokal und Agares kommen doch auch da durch. Wir müssen sie warnen, sonst laufen sie direkt in die Arme dieses Monsters", stellte Lucinda erschrocken fest.
Ich fluchte leise als ich erkannte das sie recht hatte.
"In Ordnung, Beyal und ich kümmern uns um die Evakuierung des Dorfes. Lucinda, Toni, lauft so schnell ihr könnt den anderen entgegen um sie zu warnen, falls es noch nicht zu späht ist", befahl ich ernst. Alle angesprochenen nickten stumm mit dem Kopf und verließen zügig den Raum ohne Wiederrede.

DU LIEST GERADE
Getötet, Besessen und Befreit
WerewolfNach dem plötzlichen verschwinden mehrerer Werwolfsrudel versuchen Grayna und seine Gefährten herauszufinden was passiert war. Währenddessen werden auch andere auf die Situation aufmerksam, die ein weit aus größeres Problem darstellt wie irrtümlich...