𝕂𝕒𝕡𝕚𝕥𝕖𝕝 12

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Dag stieg aus dem Taxi aus, welches ihn sofort zu Carlas Wohnhaus gebracht hatte.

Als er an diesem Abend alleine in seinem Hotelzimmer gesessen hatte, kam er sich vor, wie ein Eremit. Einsamer ging es irgendwie nicht mehr.

Vincent hatte ihn zum Kommen aufgefordert, aber er nahm diese Einladung nicht an. Er wusste, dass Katja ihn im Grunde nicht da haben wollte.

Bereitwillig bot Vincent im Folgenden an, dass er bei ihm auftauchen würde. Doch selbst das wollte Dag nicht.

Er log, das er lieber alleine wäre. Dabei benötigte er so dringend Ablenkung ... nein, Normalität. 

Nach Hause kommen. Mit der Familie essen. Sich unterhalten.

Auch wenn das alles nicht mehr so der Fall gewesen war, fehlte ihm genau jenes mehr als vorher.

Er benötigte seine Familie.

Familie ...

Der Gedanke, dass er im Grunde bald zwei Familien haben würde, die er eventuell in zeitlichen Abständen besuchen müsste, wie ein Fremder, der gar nicht wirklich dazu gehörte, ängstigte ihn.

Das war keineswegs normal und würde ihn mit Sicherheit zusätzlich an seine Grenzen bringen. Er spürte diese Last, die wieder auf ihn draufgeschleudert wurde. Noch war sie nicht immens schwer, aber das würde sie bestimmt mit der Zeit werden.

Seine Familie war kaputt.

Was für eine schlimme Last, die auf ihm haftete. Denn die Worte seiner Frau, das er der Schuldige sei, klebte ebenso an ihm.

Eine einsame Zukunft stand ihm bevor.

Nia wäre die Einzige, die ihm komplett bleiben würde. Isabelle müsste zu keinem Besuch anwesend sein. Nia war alt genug. Er würde seine Frau vollständig verlieren. So wie sie gesprochen hatte, wollte sie wohl jeglichen Kontakt zu ihm abbrechen.

Andererseits gab es jedoch auch noch Carla und das Kind, was sie bekommen würde in seinem Leben. Sie hegte keinen Groll gegen ihn.

Dag hatte somit nicht lange gefackelt und ihr sofort geschrieben gehabt. Eine Freundschaft mit ihr aufzubauen würde mit Sicherheit hinhauen. So würde wenigstens dieses Kind nicht der Belastung ausgesetzt sein, die Eltern als streitsüchtige Person zu charakterisieren. Dort könnte alles lockerer und harmonischer ablaufen und er hätte eine minimale Sorge weniger.

Er ging die Stufen nach oben und bemerkte, dass er doch geringfügig nervös war.

Das musste er ablegen. Dag konnte ihr so nicht gegenübertreten. Wie sollte er sonst eine Freundschaft mit ihr aufbauen, wenn ihre Anwesenheit ihm in der Tat ... emotional zusetzte?

Er sah keinen anderen Weg, als dringend damit anfangen zu müssen, sie anders zu sehen.

In dem Moment musste er daran denken, als er es mit Carla beendet hatte. Diese nervliche Anspannung, die er danach hatte, und es an Nia und Robin herausgelassen hatte, nachdem er beide ... zu intim erwischt hatte.

Was wahrlich kein schöner Anblick für ihn gewesen war, aber das er zu dem Zeitpunkt so ausgerastet war, lag ... irgendwie doch an etwas anderem.

Er atmete tief ein. Er würde es schaffen, sich total normal zu geben. Warum auch nicht?! Bei ihr hatte er sich eigentlich immer wohlgefühlt.

Dag drückte auf die Klingel. Als das surrende Geräusch erklang, trat er ein. Carla stand bereits an der Türe und lächelte. »Erster. Herzlichen Glückwunsch.« , sagte sie.

Wow, sie sah toll aus. Sie trug eine helle Jogginghose und ein Top mit einem Glücksbärchi darauf. Im Grunde etwas Stinknormales, um zu Hause auf dem Sofa zu lümmeln, aber ... sie strahlte. Und irgendwie fühlte er sich momentan so, als wäre er der Anlass dafür.

Ich brauch dir nicht zu erklären wie schön das wär' so für immer BAND 3Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt