Erneut schreckte ich hoch.
"Da war es doch wieder!" gab ich mir selbst zu bestätigen. Jetzt war ich sicher!- bum -
"DA!" wäre es mir fast aus dem Mund gerutscht. Es klang wie eine Trommel. Eine ganz gewöhnliche Trommel, die man mit einem Schlägel anschlug. Doch sie war fern.
- bum -
ertönte es erneut.
"Es ist zwar nicht hier, aber dennoch da..." dachte ich ängstlich liegend im Bett.
Meine Augen waren weit aufgerissen und mein Herz pochte jetzt noch lauter als zuvor. Diese Stille. Diese beunruhigende zwischenzeitliche Stille, die, von der man weiß, jeden Moment von etwas zerrissen werden könnte.
"Wo zum Teufel kam dieses Trommeln her und vor allem...wer oder was verursachte dieses Trommeln?".
Wie erstarrt ans Bett gefesselt, klebte ich an der Matratze. Mein Schweiß lief mir die Stirn herunten. Mein Herz schlug wie wild und ich atmete flach.
"Diese beängstigende..."- bum -
"...Stille", war ich eben kurz davor in Gedanken zu sprechen, doch da war es wieder. Orientierungslos versuchte ich herauszufinden, aus welcher Richtung das Trommeln kam, doch vergebens. Verängstigt wartete ich konzentriert auf ein erneutes Zeichen. "10, 11,12,13,14.."
- bum -
da war es wieder. Es kam aus Richtung meines Ganges. Zögernd stand ich von meinem Bett auf. Mit langsamen Schritten näherte ich mich meiner Zimmertüre und öffnete diese. Vor mir lag die erschütternde Schwärze des Ganges, welche mich, je länger ich meinen Blick gezielt auf diese richtete, zu umhüllen drohte. Mit langsamer Bewegung meiner Hand tasteten sich meine Finger entlang des Türrahmens bis hin zum Lichtschalter, welcher das Licht im Gang anschaltete.
- blink -
Das Licht ging an. Das monotone Surren der Deckenlampe, gepaart mit meinem ohnehin schon kränklichen Zustand, verstärkten die bereits seit Stunden anhaltenden Kopfschmerzen meinerseits.
- bum -
Ich erschrak erneut. Nun erklang das Geräusch näher. Mit fokussiertem Blick auf das Eck des Ganges gerichtet, trat ich Schritt für Schritt auf dieses zu. Nervös drehte ich meinen Kopf sachte um das Eck, welches den weiteren Weg des langen Ganges offenbarte, in der Hoffnung, dort Antwort auf den bizarren, trommelähnlichen Laut zu finden.
Nichts. Mischgefühle von Erleichterung und dennoch Beklommenheit machten sich in meinen Gedanken breit."Das kann doch nicht sein, träume ich?"
Gab ich mir selbst die Frage, unsicher dessen, nicht vielleicht einfach verrückt geworden zu sein.
- bum -
Mit aufgerissenen Augen Richtung des vom Licht nur schwach beleuchteten Ganges richtete sich mein Blick auf die am Ende befindliche Schwärze. Nun war es deutlich näher zu vernehmen.
- bum, bum -
ertönte es erneut, diesmal allerdings zweimal, unmittelbar hintereinander.
- bum, bum -
Gab es sich wieder zu erkennen.
Wie angewurzelt stand ich da, beiden Augen stetig konzentriert auf das Ende des Ganges gerichtet. Schweiß lief meinem mittlerweile noch wärmer gewordenen Kopf hinunter. Er glühte förmlich.
Mit drückendem Blick und schmerzenden Gliedern trat ich voran, um hoffentlich endlich Klarheit über die Situation und meiner Zweifel des Verrücktwerdens zu erhalten.Wie im Schneckentempo setzte ich einen Fuß vor den anderen, ohne den Fokus auf den Gang zu unterbrechen. Mit jedem Meter erklang das Trommeln näher und näher, jedoch immer noch unwissend, woher genau dieses kommen mag.
Mein Körper gab mir mittlerweile das Signal, gänzlich von Kräften verlassen worden zu sein. Beine, Arme, alle Gliedmaßen schmerzten bei jeder einzelnen Bewegung. In meinem Kopf ging es mittlerweile so verschwommen und schwummrig vor, sodass ich mich am liebsten einfach hinlegen wollen würde, doch das Trommeln und dessen Herkunft lies mich nicht los. Angst und Unwohlsein zeichneten mittlerweile meinen körperlichen als auch geistigen Zustand.Vorsichtig trat ich dem Ende des Ganges zu, an dessen rechter Wandseite eine Tür in die Küche führte. Das Trommeln war nun lauter als jemals zuvor und mein Körper steif wie noch nie.
- BUM, BUM, BUM, BUM... -
gab der Rhythmus des Trommelns inzwischen vor. Mein Angst war nun so groß, sodass ich am liebsten all meinen Mut fallen gelassen hätte und zurück ins Schlafzimmer geflüchtet wäre. Doch ich wollte Antwort! Antwort auf dessen, was es mit diesem Geräusch auf sich hat und vor allem, "warum" und "wodurch" dies erzeugt wird.
Ich stand nun direkt vor der Küchentür am Ende des Ganges. Mein Herz schlug wie wild. Langsam und mit zögerndem Griff, langte ich an die Türklinge und drückte diese nach unten. Ein Spalt tat sich auf und ich öffnete die Tür...
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