Teil 2
Wie Jonas zurück zu Markus ins Auto gekommen war, wusste er nicht mehr. Was er allerdings wusste war, dass er soeben Matthias Herz gebrochen hatte und ein Teil seines eigenen gleich mit. Aber jedes seiner Worte hatte sich richtig angefühlt. Er konnte sich selbst nicht vergeben.
„Komm her, Schatz", sagte Markus, der neben ihm auf dem Beifahrersitz saß und nach seiner Hand griff. Ein wenig unbeholfen lehnte Jonas sich zu ihm hinüber, vergrub das Gesicht an seiner Brust und weinte. Markus legte seine Hand auf seinen Rücken und strich sanft darüber. Jonas konnte ihm nicht sagen, dass Matthias da gewesen war und er ihn geküsst hatte. Denn dann würde er sicherlich ausflippen.
„Lass mich fahren, okay? Holen wir uns auf dem Weg was zu essen und machen uns einen gemütlichen Abend im Hotel. Und dann reden wir, wie es weitergeht. Mit uns", sagte er und klang dabei so vernünftig, wie Jonas ihn schon seit Jahren nicht mehr gehört hatte. Er nickte an seiner Brust, löste sich von ihm und stieß die Fahrertür auf, bevor er eilig ums Auto herumlief.
Unwillkürlich warf er einen Blick zurück zum Haus, in der Erwartung Matthias noch einmal zu sehen, aber dort war niemand. Er war ihm nicht hinterhergelaufen. Aber warum auch? Er hatte ihm nur allzu deutlich gesagt, dass er das mit ihnen nicht mehr konnte und all seine Versuche zur Aussprache abgewiesen. Hoffentlich würde er das nicht bereuen.
Mühsam riss er den Blick los, setzte sich nun auf die Beifahrerseite und schnallte sich an. Markus startete den Motor, sah ihn aber fragend an.
„Wo muss ich lang fahren?", fragte er und erst in diesem Moment wurde ihm bewusst, dass Markus hier keinerlei Orientierung hatte. Jonas räusperte sich und zwang sich zurück ins Hier und Jetzt.
„Ehm... du musst erst einmal wenden und dann hinten am Ende der Straße nach links", sagte er und nach einem unbeholfenen Schulterblick setzte Markus an, um den Wagen zu wenden. Noch einmal räusperte Jonas sich, straffte die Schultern und sah auf die Straße. Erst da fiel ihm wieder ein, dass er noch das Foto in seiner Hosentasche hatte. Allerdings wagte er es nicht, in Markus Gegenwart herauszuholen, also musste es wohl noch eine ganze Weile darin bleiben.
„Es tut mir leid, dass ich dich heute Morgen und auch vorhin so angegangen habe. Mir war nicht klar, dass das Ganze für dich vielleicht nicht ganz so leicht ist, wie ich es gerne hätte. Immerhin warst du mit ihm lange zusammen", plapperte Markus drauf los, was in Jonas den unbändigen Wunsch auslöste, ihm endlich mal die Meinung sagen zu können. Ihm an den Kopf zu werfen, dass er verdammt noch mal nur für eine Stunde den Mund halten sollte. Aber natürlich wagte er es nicht, ihm das zu sagen, sondern er fühlte sich wieder klein, schüchtern und vollkommen verunsichert.
„Schon okay", brachte er nur hervor und spürte genau in diesem Moment Markus Hand auf seiner.
„Ich meine es ernst, ich werde mich bessern. Ich will nicht, dass du deine Entscheidung für mich bereust", sagte er so selbstsicher, dass Jonas übel wurde. Er hatte noch gar nicht endgültig gesagt, dass er sich selbst nicht verzeihen konnte und deswegen nicht mehr mit Matthias zusammen sein konnte. Markus ging einfach davon aus.
Für eine Sekunde fühlte es sich sehr verlockend an, Markus von dem Kuss zu erzählen, aber sicherlich wäre das beim Autofahren keine gute Idee. Also schwieg Jonas, lauschte Markus Geplapper, von seinen Zukunftsplänen und seinen Versprechungen, bis sie schließlich an einer Imbissbude hielten.
„Bleib ruhig sitzen, ich hole uns was", sagte Markus, stieß die Autotür auf und eilte das kurze Stück die Straße entlang zum Imbiss. Verwundert sah Jonas ihm im Rückspiegel nach, denn bisher hatte Markus für ihn noch keinen Cent ausgegeben. Abgesehen von diesen Ringen, die er mit Sicherheit schon eine ganze Weile lang bei sich zu Hause rumliegen hatte.
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Slice of Life - L'Affaire
De TodoJonas ist vollkommen gestresst von der Arbeit, worunter nicht nur er leidet, sondern auch sein langjähriger Freund Matthias und dessen Tochter Aaliyah. Bei all dem Stress kommt das bevorstehende Wochenende in Frankreich ganz recht. Ein alter Schulfr...