Panisch ließ Jonas sein Handy unter dem Kissen verschwinden, als er hörte, dass Markus die Badezimmertür öffnete. Er lag im Wohnzimmer auf dem Sofa, setzte sich aber in diesem Moment auf. Sein Herz hämmerte und er spürte noch den Nachhall der Erregung, die Matthias Nachricht in ihm ausgelöst hatte.
„Hey", sagte Markus, als sei er überrascht, ihn hier zu sehen. Er kam nur mit einem Handtuch um die Hüften und feuchten Haaren auf ihn zu. Seine Blicke waren eindeutig und als er sich auch noch verführerisch mit den Fingern durchs Haar fuhr, wandte Jonas sich ab. Matthias hatte schon recht, er musste nichts tun, was er nicht wollte.
„Kommst du?", fragte Markus und als Jonas den Blick hob, stand er mit vor der Brust verschränkten Armen im Türrahmen zum Schlafzimmer, das genau wie in Matthias Wohnung direkt ans Wohnzimmer angrenzte.
„Ich...", setzte Jonas an, aber Markus fiel ihm ins Wort.
„Aber deine Massage willst du noch, oder?", fragte er mit hochgezogener Augenbraue und eindeutig vorwurfsvoll. Schuldbewusst nickte Jonas. Wieder einmal wurde ihm klar, dass das hier alles so was von falsch war. Er sollte sich endlich entscheiden und sich dann voll und ganz auf denjenigen einlassen. Allerdings wurde ihm auch klar, dass er bis Sonntagabend hier zusammen mit Markus sein würde. Denn mit Sicherheit würde Markus ihm keine Gelegenheit geben, sich aus dem Staub zu machen.
„Ach, wir müssten morgen noch mein Auto holen. Das steht ja noch bei Antoine", warf Markus ein und Jonas musste zugeben, dass er das ganz vergessen hatte. Er nickte, aber seine Gedanken wanderten zu Antoine und seinem vorwurfsvollen Ton, als er ihm von dieser Chose hier erzählt hatte.
Ganz offensichtlich war Antoine der Meinung, dass Jonas schnellstmöglich zurück zu Matthias sollte, allerdings war er sich nicht sicher, ob Antoine überhaupt etwas dazu sagen konnte. Immerhin hatte auch er seine Frau betrogen.
Markus Seufzen riss ihn aus seinen Gedanken und erst da wurde ihm bewusst, dass er ihn schon viel zu lange warten ließ. Mühsam erhob er sich und wankte wie auf Eiern zu ihm. Erst als er nur noch wenige Zentimeter von ihm entfernt war, löste Markus die Arme aus seiner verkrampften Haltung und breitete sie aus. Gehorsam befolgte Jonas seine stumme Anweisung und umarmte ihn. Tatsächlich roch er ziemlich gut, nach Seife und seinem typischen, leicht herben Duft. Markus verschränkte seinen Hände hinter seinem Rücken und hielt ihn so in seiner Umklammerung gefangen.
„Sieh mich mal an", forderte Markus leise, aber bestimmt. Jonas hob den Kopf und als er in Markus graue Augen sah, erkannte er so etwas wie Sorge.
„Willst du auch wirklich hier mit mir sein? Weil ich dich wirklich liebe", sagte er und klang dabei so unschuldig, als hätte nicht er vor Jahren diese Chance schon einmal gehabt und sie vergeigt. Jonas schluckte.
„Doch, ich...", setzte er an, schaffte es aber nicht, den Satz zu Ende zu bringen. Jonas presste ihn durch sanften Druck seiner Hände an seinem Rücken noch enger an ihn.
„Gut, denn... ich mache mir ein wenig Sorgen, dass du auch wirklich hier sein willst. Du wirkst nicht glücklich", sagte Markus und auch wenn seine Worte der Wahrheit entsprachen, schüttelte Jonas den Kopf.
„Nein, ich... ich muss mich nur noch an die Situation gewöhnen", erwiderte er, hätte sich aber in diesem Moment am liebsten selbst eine reingehauen. Denn in was für einer Situation war er eigentlich in diesem Moment? Er fuhr zweigleisig, denn obwohl er mit Matthias Schluss gemacht hatte, schrieb er noch Nachrichten mit ihm hin und her. Und diese Nachrichten waren wirklich alles andere als unverfänglich. Gleichzeitig stand er hier, in den Armen eines anderen.
„Na komm, legen wir uns hin. Es war ein anstrengender Tag", sagte Markus nach einer Weile, löste sich von ihm und betrat das Schlafzimmer. Jonas folgte ihm und betrachtete skeptisch das Bett. Es war ein typisch französisches Bett, ungewohnt schmal für zwei Personen und es gab nur eine Decke.
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Slice of Life - L'Affaire
RastgeleJonas ist vollkommen gestresst von der Arbeit, worunter nicht nur er leidet, sondern auch sein langjähriger Freund Matthias und dessen Tochter Aaliyah. Bei all dem Stress kommt das bevorstehende Wochenende in Frankreich ganz recht. Ein alter Schulfr...