37. die andere Seite einer Sucht

82 4 0
                                    


„Hier, Bitteschön." sagte der Mann und stellte ein Glas vor mich. „Ich war mal Barkeeper, weißt du. Aber dann wurde ich hier aufgenommen." erzählte er mir, ohne das ich gefragt hatte. „Danke, seit wann arbeitest du denn hier?" fragte ich, um ein Gespräch aufbauen zu können.

„Gute Frage, ich glaube mittlerweile seit 9 Jahren. Wie schnell die Zeit vergeht." seufzte der Mann weiter. Ich trank mein Getränk und fühlt mich direkt ein wenig wohler, als sei ich ein Stück weit Zuhause. „Was gefällt dir hier denn so sehr?" fragte ich vorsichtig. Konnte mich nicht irgendwer aus dieser Situation retten? Lieber wäre ich noch auf der Krankenstation oder bei Evelin, aber nicht hier.

Ich weiß nicht, ob es der fremde Ort, der fremde Mensch oder alles zusammen war, aber ich fühlte mich einfach unwohl. Ich fragte mich sowieso, warum der Mann mit mir redete.

„Ich genieße meine Freiheit, als ich noch ‚normal' gearbeitet habe, da musste ich immer genau das tun, was von mir verlangt wurde, ich hatte ständig Angst in meinem Job. Hier wirst du für deine guten Taten belohnt und man schenkt dir vertrauen und Freiraum. Ich sage dir ehrlich, ich habe mir das Leben hier anders vorgestellt. Viel schlimmer und härter. Aber ich will dir natürlich auch nicht zu viel verraten, noch weiß ich ja fast garnichts über dich." beendete der Mann schlussendlich seinen Monolog.

„Also, wer bist du?" fragte er mich und schaute mich erwartungsvoll an. „Ich heiße Marlon, ich bin 24 und-" „Das meine ich nicht, das weiß ich doch alles schon. Ich möchte wissen was genau deine Beziehung zu Ezra ist?" fragte er mich erneut. Deshalb wollte er also mit mir reden, das hätte ich mir wahrscheinlich auch vorher schon denken können.

In dem Moment platzte zur meiner Rettung die Tür auf und Ezra scannte mit angespanntem Blick den Raum, bis seine Augen uns beide fokussierten und anschließend mein Glas. „Was denkst du, was du hier tust?" fragte er den Mann wütend.

„Ich wollte ihn nur ein bisschen kennenlernen, keine Angst, ich steh nicht auf Schwänze." meinte der Mann belustigt und hob die Hände, um Ezras Aussage abzuwehren.

„Er geht dich einen Scheiss Dreck an." maulte Ezra, packte mich am Arm und zog mich mit nach draußen. Ohne ein weiteres Wort zog er mich bis nach draußen zurück ins Auto.

„Was soll das? Warum bist du so sauer?" fragte ich ihn entsetzt und rieb mir meinen Arm. Ezra schnallte sich an und fuhr direkt los. „Was sollte das!? Das gleiche könnte ich dich fragen! Ich dachte du versuchst nüchtern zu werden und nicht jede Möglichkeit zum trinken zu nutzen." Ezra rieb sich angespannt die Stirn.

Plötzlich bekam ich eine panische Angst, was wenn er jetzt durchdrehen würde. Und überhaupt, warum musste er mir direkt den Moment verderben. Endlich konnte ich mal wieder etwas trinken, ohne dafür verurteilt werden und jetzt will er ihn mir wegnehmen. Ich will das nicht, ich brauche was zu trinken und zwar so schnell wie möglich.

„Lass mich raus." sagte ich. „Wie bitte? Ich lasse dich in diesem Zustand ganz sicher nicht raus. Wir fahren Nachhause und dann erklärst du mir das." Ezra warf mir einen flüchtigen Blick zu. „Ich schulde dir gar keine Erklärung, du kannst mich zu nichts zwingen! Lass mich sofort raus, sonst springe ich einfach raus!" rief ich zurück.

„Was ist nur in dich gefahren? Bist du komplett durchgedreht!? Willst du sterben?" rief Ezra zurück und im nächsten Moment hörte ich, wie er die Autotüren von innen verriegelte. „Du kannst mich hier drin nicht gefangen halten! Mach sofort die Tür auf. Was soll das? Ich brauche das! Du verstehst das nicht!" rief ich panisch. Ich wusste nicht mal wo wir waren, dazu war es auch noch ein wenig dunkel geworden. Verzweifelt rüttelte ich an der Tür, aber sie ließ sich wie erwartet nicht öffnen.

„Warum weinst du denn jetzt?" fragte mich Ezra verwirrt. „Das stimmt doch garnicht!" schnell wischte ich mir die Tränen weg, die ich vorher garnicht bemerkt hatte. Ich merkte wie wir langsamer wurden, bis das Auto zum stehen kam. Durch den Blick nach draußen konnte ich nicht sagen, wo wir überhaupt waren.

„Warum stehen wir jetzt? Was soll das? Lass mich sofort raus!" flennte ich nur noch. Ezra schaute mich verzweifelt an „Was soll ich nur mit dir machen?" seufzte er. „Was meinst du?" fragte ich ihn und schaute ihn wohl ziemlich fertig an. Wollte er mich etwa umbringen?

„Ich habe nichts falsch gemacht und überhaupt war das auch garnicht meine Idee! Lass mich jetzt endlich gehen." rief ich verzweifelt.
Er seufzte „Hast du so eine Angst vor mir?" und im nächsten Moment öffnete er die Autotüren. Schnell flüchtete ich aus dem Wagen, jetzt konnte mich nichts mehr aufhalten.

Entgegen meiner Erwartungen stieg Ezra allerdings mit aus und folgte mir. „Was machst du?!" rief ich und wurde schneller, er daraufhin leider auch. „Ich lasse dich jetzt nicht alleine, ich weiß nicht was in dich gefahren ist, aber unter meiner Aufsicht, lasse ich nicht zu, dass du trinkst oder dir sonst etwas passiert!" rief er mir hinterher.

„Ich bin nicht dein Kind, weisst du? Ich bin ein erwachsener Mensch, ich kann trinken ob und so viel ich will. Ich halte das ohne einfach nicht mehr aus. Also hör auf mich dazu zu drängen!" rief ich zurück.

Als ich noch schneller werden wollte verlor ich plötzlich den Boden unter den Füßen und ich ehe ich mich versah, lag ich auf dem Rücken. Ezra saß auf mir und hielt mit einer Hand meine beiden Hände fest. „Lass mich sofort los! Ich brauche das, du verstehst das nicht! Ich sterbe ohne, warum verstehst du das nicht!" Ich versuchte mich zu wehren, vergeblich.

„Du wirst nicht sterben, wenn du nicht trinkst, du wirst sterben, wenn du trinkst! Red dir doch so einen Scheiß nicht ein!" mit seiner freien Hand versuchte Ezra mein Gesicht gerade zu halten, damit ich ihm endlich in die Augen schaute. „Lass mich los, ich brauch das, ich brauche das! Ich will das, ich will das, es ist meine Entscheidung, hörst du? Meine!" schrie ich.

Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt