Ich ergriff die mir helfende Hand und ließ mich zurück auf das Dach ziehen.
„Danke", gab ich von mir, als ich einmal tief durchgeatmet hatte.
Ich beachtete meinen Retter nicht weiter und sah mich nach Kaz um, der noch immer in der Ecke lag. Schnell rannte ich zu ihm und kniete mich daneben.
„Kaz?"
Vorsichtig rüttelte ich an seinen Schultern. Zum Glück schien das auszureichen, um ihn wieder zu Bewusstsein zu bekommen.
„Was ist passiert?"
Noch ganz benommen, schaute er mich an.
„Um..."
Ich schaute hinter mich. Der junge Mann stand noch immer dort und schaute uns zu. Leicht nickte ich in dessen Richtung.
„Der da hat dich umgehauen."
Sobald Kaz zu realisieren schien, sprang er auf. Sofort stand er den fremden gegenüber, bereit alles zu geben. Dieser schaute etwas verwirrt drein.
„Sollte ich... gehen?", fragte der Fremde und deutete hinter sich.
„Was hast du mit der Superheldin gemacht?"
Anklagend schaute Kaz den Typen an. Dieser begann zu lachen.
„Was? Die da? Eine Superheldin? Klar, wer's glaubt."
„Wenn sie also die Schurkin war, dann bist du der Held?"
Kurz stockte sein Lachen, dann grinste er breit.
„Ja, das bin ich. Ein Superheld."
Klang nicht sonderlich überzeugend, aber okay.
„Jedenfalls danke, dass du mich gerettet hast."
Verlegen lächelte ich unser Gegenüber an. Diese Situation war mehr als merkwürdig.
„Gerettet?" Kaz sah verwundert zu mir.
„Naja... Womöglich wäre ich fast vom Hochhaus gefallen.
„Chase bringt mich um, wenn er das erfährt."
„Dann sag es ihm nicht?", mischte sich der Fremde wieder ein.
„Wer bist du eigentlich?"
„Jake... son. Mein Name ist Jackson."
Ein breites Grinsen bildete sich auf seinem Gesicht.
„Kaz, ich denke wir sollten nach Hause gehen..."
„Wollten wir nicht ins Kino?"
Manchmal zweifelte ich an seiner Intelligenz.
„Ja, der Film fängt bald an."
Ich rückte näher an ihn und legte meinen Arm um ihn.
Wie gewohnt packte er mich und wollte gerade abheben, da packte der unbekannte Kaz Fuß.
„Warte, warte."
Zu meinem Bedauern landete er erneut.
„Du hast Feuerkräfte und kannst fliegen? Wie ist das möglich?"
Kaz schaute kurz zu mir, dann zu unserem Gegenüber.
„Was meinst du?"
„Du hast zwei unterschiedliche Kräfte. Nur der Auserwählte kann das."
Auserwählte? Hatte der Typ sich den Kopf gestoßen?
Kaz schien auch ziemlich verwirrt über diese Aussage zu sein. Ich spürte, wie seine Hand sich um meinen Oberarm klammerte und er mich leicht nach hinten schob. Seine andere, freie Hand begann zu glühen.
„Wärst du ein Superheld, wärst du Stufe 6. Und die Voraussetzung sind mindestens zwei Fähigkeiten zu haben."
Ich hatte absolut keine Ahnung, wovon Kaz sprach.
„Wer bist du wirklich?"
„Ich will wirklich keine Probleme machen."
Der Fremde hob die Hände.
„Ich suche meine Familie!"
„Brauchst du Hilfe?", wandte ich mich das erste Mal an ihn.
Leicht verzweifelt schaute er zu mir.
„Kaz, vielleicht sollten wir ihn ins Mighty Med bringen."
Mein Blick fiel auf meinen besten Freund. Dieser überlegte eine Weile.
„Okay, aber ich lasse ihn nicht aus den Augen!"
Ich nickte. Das war sicher auch besser so. Er war mir nicht ganz geheuer. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er uns anlügt.
„Kannst du folgen?"
Jackson nickte.
Erneut schnappte Kaz mich und flog los. Von oben aus konnte ich beobachten, wie der Superheld zum Sprung ansetzte.
„Wow", sagte ich erstaunt, als ich sah, wie hoch er von Haus zu Haus sprang. Vor allem mit einer riesigen Distanz. Manche Häuser ließ er aus.
„Was?"
„Er ist schnell", antwortete ich Kaz.
„Fast schneller als du."
„Ja klar."
Kaz lachte und legte einen Zahn zu.
An der Insel angekommen, stiegen wir aus dem Hydraloop.
Kaz und ich hätten dort landen können, doch unser Gast hätte nicht folgen können. Dafür lag die Insel zu weit auf dem Meer draußen.
Kaz seufzte plötzlich, als wir den Fremden durch den ersten Bereich führten.
„Was ist?"
„Ich hatte mich auf das Popcorn gefreut."
Er brachte mich auch immer wieder zum Lachen.
„Keine Sorge. Weder Starling, noch das Popcorn, läuft uns davon."
„Ihr kennt Starling? Könnt ihr mich zu ihr bringen? Wisst ihr wo sie sich befindet."
Augenblicklich blieb Kaz stehen und drehte sich zu Jackson um.
„Starling existiert nicht."
Verwirrt schauten sich die beiden in die Augen.
„Natürlich tut sie das."
„Starling ist ein ausgedachter Superheld. Wenn sie existieren würde, wüsste ich das."
Zwar hatte ich keine Ahnung von Superhelden in der realen Welt, aber Kaz vertraute ich da. Immerhin war er einer. Und durch seinen Job in Mighty Med, kannte er sich da auch gut aus.
„Wer ist das denn?"
Bree tauchte plötzlich bei uns auf und schaute fragend zu dem jungen Mann.
„Das wüsste ich auch gerne", sagte Kaz mit einer Ernsthaftigkeit, die ich selten gesehen hatte.
„Och komm, so unbekannt kann ich gar nicht sein."
Dieser Junge verwirrte mich einfach nur.
„Ich hab da eine Idee."
Eine Sekunde später war Bree verschwunden. Doch genauso schnell wieder da, mit Chase im Schlepptau.
„Was soll das? Ich war gerade dabei-"
„Scanne ihn", fiel Bree meinen Freund ins Wort, was diesen kurz verstummen ließ.
„Wieso?"
„Gute Idee, Bree. Wenn er wirklich ein Superheld ist, steht er auch in der Datenbank."
„Datenbank?", lächelte Jackson unsicher.
Er ging einen Schritt zurück.
„Ich denke, ich sollte besser gehen."
Bevor er einen Abgang machen konnte, war Bree neben ihm und hielt ihn fest.
„Pass auf, Bree. Superstärke," warnte ich sie vor.
„Versuch erst gar nicht, dich zu wehren. Wir sind dir weit überlegen."
Chase näherte sich ihm und scannte ihn mit seinem bionischen Auge.
Gespannt warteten wir drei auf das Ergebnis. Doch wir bekamen keines.
Chase schnappte sich Jacksons Hand und scannte seine Finger. Doch schnell wurde ihm die Hand entzogen.
„Nimm deine Griffel von mir."
Auf einmal klang er gar nicht mehr so höflich.
„Merkwürdig. Weder sein Gesicht, noch seine Fingerabdrücke sind im System zu finden. Selbst unter den Insassen vom Mighty Max gibt es keine Übereinstimmung. Er ist weder ein registrierter Superheld, noch Superschurke."
„Bin ich nicht?"
Jackson begann zu grinsen.
„Ich sollte trotzdem gehen."
Erneut versuchte er zu entwischen, doch dieses Mal hinderte Chase ihn daran. Mithilfe seiner Magnetismusapp zog er Jackson zurück zu sich. Ungünstig für diesen, dass er Armschienen trug.
„Du bleibst hier, bis wir wissen, wer du bist."
„Denkst du, er ist gefährlich?", wandte ich mich an Chase.
„Wir wissen nicht, was Roman alles für Tricks auf Lager hat. Und wenn ich mir bei einem sicher bin, dann, dass er alles tun wird, um seinen Bruder zu befreien."
Bree wollte gerade etwas sagen, da bebte die Erde. Schnell hielt ich mich an Kaz fest, der noch immer neben mir stand.
„Was passiert hier?"
„Das ist Er!", antwortete Kaz auf Brees Frage.
„Haltet ihn fest!", befahl Chase.
Doch anstatt er den anderen dabei half, zog er mich aus dem Gefecht.
„Du nicht."
Seufzend stellte ich mich an die Seite. Natürlich wollte er mich da heraushalten. Doch ich konnte es ihm auch nicht wirklich verübeln. Die Sicherheit meines Kindes war nun das wichtigste von allem.
Obwohl sie zu dritt waren, hatten sie ziemlich Schwierigkeiten, Jackson festzuhalten.
„Bree, hol mir Adam und Oliver her!", murrte mein Freund, ehe er mit der Wand Bekanntschaft machen durfte.
Als ich begriff, wie stark er war, machte ich noch weitere Schritte zurück.
Ganze drei Sekunden war Bree verschwunden. Dann stand sie mit Adam und Oliver da.
Beide schienen zunächst verwirrt darüber, was gerade passierte, ehe sie sich dann bereit machten, zu helfen.
„Fixiert ihn!"
Adam sprintete los und packte sich den Jungen. Dieser war zwar groß, doch nicht so groß wie Adam. Doch auch das war kein Vorteil. Adam hatte wenig Chance.
Jackson befreite sich und schubste Adam so fest zur Seite, dass dieser zu taumeln begann.
Oliver krempelte sich die Ärmel hoch.
„Superkräfte sind stärker als Bionik", sagte er, während er bedrohlich langsam auf unsern Gast zukam.
„Na dann zeig doch, was du draufhast!", konterte unser neuer Feind darauf.
Der Kampf begann.
Gespannt schaute ich zu. Ich wusste ja, dass Ollie eine enorme Superstärke hatte, aber in diesem Ausmaß hatte ich es noch nie gesehen. Er gab wirklich alles. Genau wie sein Gegner.
Auch dieser hatte etwas Schwierigkeiten, gegen Oliver anzukommen. Doch er schaffte es. Er war ihm überlegen. Allerdings nicht gegen beide mit Superstärke. Adam griff wieder an und zusammen konnten sie ihn schließlich stilllegen.
„Bringen wir ihn ins Mighty Max. Das wird ihn lange genug still halten, bis wir mehr wissen."
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Zwischen Bionic und Superkräften
FanfictionJuna ist neu in Centium City. Da sie von nun an im Daventower wohnt, lernt sie direkt auch ihre neuen Nachbarn kennen. Eine Bande junger Menschen mit ungewöhnlichen Fähigkeiten. Kaum hatte sie sich mit Kaz angefreundet, hatte sie es mit Superschurke...