𝙺𝚊𝚙𝚒𝚝𝚎𝚕 1

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2017


»Du bist schon weg?« , hörte Dag Katharina rufen, als er gerade aus ihrer Wohnung verschwinden wollte.

»Ja hab noch Termine.« , meinte er, da erschien ihr dunkelblonder Wuschelschopf bereits und sie blickte ihn nur mit einer roten Panties bekleidet und oben rum nackt an.

»Ach Mensch. Ich dachte, du bleibst noch etwas.« Sie lächelte ihn breit an.

Dag benetzte seine Lippen. Auch wenn das Angebot verlockend war, hatte er in der Tat keine Zeit. »Ich muss wirklich los.«

»Kommst du denn heut' Abend?«

Er schüttelte den Kopf. »Nein. Sorry. Ich meld' mich einfach okay.«

»Ja. Wie immer.« Sie rollte ein wenig mit den Augen, bis sie abermals zu ihm sprach. »In letzter Zeit hast du echt viel zu tun.«

»Na ja ist halt so.« Rechtfertigen musste er sich ja nicht. Sie führten schließlich keine Beziehung.

»Nächste Woche kann ich nicht. Damit du Bescheid weißt.« , sagte sie. »Ich zieh' um und muss hier einiges zusammenpacken.«

»Ach so ja. Ich meld' mich einfach.« Er lächelte ihr zu und verließ ihre Wohnung dann auch direkt.

Eigentlich blieb er selten die komplette Nacht, nur dieses Mal kam er echt spät bei ihr an. Irgendwie hatte er zu nächtlicher Stunde das Bedürfnis auf ein wenig Zweisamkeit gehabt und sich somit auch bei ihr gemeldet.

Katharina hatte sofort zugesagt, weshalb er dann obendrein direkt hingeradelt war. Nun schwang er sich erneut auf seinen Drahtesel und fuhr zu allererst zum Bäcker. Er benötigte einen Kaffee und etwas zu essen, eh er seine weitere Fahrt hin zum Studio auf sich nehmen wollte.

Das Heißgetränk nippte er unterwegs, während er einarmig fuhr und dabei die Tüte festhielt. Er summte einen Text und nahm eine Abkürzung. Bestimmt wartete Vincent bereits auf ihn, obwohl er noch gar nicht zu spät dran war.

Er wich einem Ball aus und hielt dann doch an, als dieser auf die Fahrbahn rollte und zwei Kinder von einem Spielplatz angelaufen kamen. »Stehenbleiben.« , meinte er und wies einem kleinen blonden Jungen an sein Rad kurz festzuhalten, eh er nach rechts und links schaute und bis zur Mitte hechtete und den Ball zurückschoss. »Passt ein bisschen auf.« , meinte er, als er sein Rad wieder in Beschlag nahm.

»Wir hätten schon geguckt.« , sprach der andere mit einer dunklen verschwitzten Locke auf der Stirn klebend.

Dag lächelte und fuhr anschließend wieder los.

Er musste kurz an sich und Vincent denken, wie sie in jungen Jahren in ihrer Jugend abgehangen hatten. Schade, dass sie sich nicht bereits früher begegnet waren, aber ... so oder so, die Freundschaft war heute noch mehr denn je beständig.

Das gab es selten. Umso mehr war Dag glücklich, dass er mit so einem besten Freund gesegnet war.

Und er war sich sicher, dass die Verbundenheit sogar angehalten hätte, wenn sie sich bereits im Kindergarten über den Weg gelaufen wären. Da war halt irgendwas zwischen ihnen, was sie verband. Etwas, was man tatsächlich nur selten antraf.

Mit den Frauen sah das bei Dag anders aus.

Vincent war seit sechs Jahren liiert. Es passte. Nita und er das war ... perfekt, wie Dag es ausdrücken würde.

Für ihn selbst gab es kein perfekt.

Mit der Liebe hatte er es mal versucht und war so dermaßen auf die Schnauze gefallen, dass ihm der Appetit danach vergangen war.

Vielleicht war er ja in einfachen Worten so konstruiert, dass es kein passendes Puzzlestück gab. Im Grunde machte er sich darüber auch gar keine Gedanken mehr. So war halt sein Leben.

Es gab Schlimmeres.

Dag hielt vor dem Studio, als Vincent gerade die Türe öffnete. »Wohin?« , fragte er und dackelte ihm auf Anhieb hinterher, als er zu seinem Wagen ging.

»Hab' mein Handy hier drin vergessen.« , meinte er und präsentierte es anschließend.

»Wow. Vincent Stein ohne Handy. Ein Weltwunder. Wann ist es dir aufgefallen?« , witzelte er.

»Gerade. Bin gerade erst angekommen.« , kommentierte er und watschelte mit Blick aufs Display zurück.

Auch dieses Mal folgte Dag wie ein kleines Küken und schloss anschließend mit seiner Hacke die Türe, als sie im Inneren waren. Dag pflanzte sich auf die Couch und holte seine Schrippe mit Käse belegt hervor.

»Hast du mir nichts mitgebracht?« , fragte Vincent und setzte sich ebenfalls hin.

»Sorry. Soll'n wir teilen?«

»Nee nee. Lass ma'. Hab' ja auch schon gefrühstückt.«

»War bei Kati gewesen und ... hatte halt noch nichts gegessen.« , sprach er und biss ab.

»Ja. Wie kann sie nur?! Wenn du sie schon beglückst, sollte sie dir auch Frühstück parat stellen.«

»Witzig. Hab' mich doch gar nicht beschwert.«

»Ich weiß.« Er lehnte sich mehr zurück. »Nita ist ... schwanger.«

»Wooh. Ehm ... ja ... Gratulation, oder ... nicht?«

»Doch. Doch. Ja ... danke. Es ist nur ... überraschend.«

»Na ja, wenn du ohne Verhüterli Schmackes gibst, brauchst du dich nicht wundern.«

Vincent warf ihm einen eindeutigen Blick zu. »Danke Herr Kopplin für diese Biologie Stunde.« , sprach er. »Nein. Also. Wir haben's schon geplant. Wir sind jetzt ... lange zusammen, und ... trotzdem ging's jetzt echt schnell.«

»Ich wusste gar nicht, das du in Planung bist.« , sagte Dag und trank an seinem Kaffee.

»Ja, was sollte ich da auch großartig sagen? Nita und ich sind bei der nächsten Stufe angelangt?«

»Wäre ein Ansatz gewesen.«

»Ja. Schon. Aber wie gesagt, haben wir auch nicht damit gerechnet, das es direkt ... fruchtet.«

»Wenn's für euch passt is' doch alles gut.« Er lächelte ihm zu.

»Ja. Wir ... wir haben echt lange darüber diskutiert, und ... irgendwie habe ich jetzt aber trotz alledem Panik. Was ist, wenn ich das nicht so ... gebacken bekomme?!«

»Wieso nicht? Wird schon.« Er lächelte weiterhin, obwohl er diesen Schritt nicht so sehr verstand.

Schließlich hatte so gut wie alles ein Verfallsdatum. Erst Recht die Liebe.

Mein Leben ist nicht wie ein Film, es ist wie ein BuchWo Geschichten leben. Entdecke jetzt