Dag hatte Jona all sein Wissen mitgeteilt, über die er im Bilde war.
Die Sache mit dem Buch verschwieg er ihr jedoch. Irgendwie fand er es nicht wichtig und auch ein wenig kitschig, wenn er gesagt hätte, dass er aufgrund dessen auf der Suche nach ihr war.
Zudem stand ja nichts an Informationen drin, die er ihr gemeinhin genannt nicht persönlich sagen konnte. Und die Sache mit Johanna Wild hatte er ja selbst schon in Angriff genommen.
Wozu also unnötig aufhalten?
»Und sie sieht echt gut aus.« , meinte Dag am Ende noch zu erwähnen, als er Vincent von all dem anderen einige Tage später berichtet hatte, nachdem sie sich mal wieder im Studio trafen.
»Ja dann lass sie erst ihren Job verrichten, eh du ...«
»Ich bin nicht dumm. Ich hab' nichts in der Hinsicht vor.«
»Deswegen musstest du auch erwähnen, dass sie gut aussieht.«
»Na ja ... wieso nicht?!« Dag zog an seinem Joint.
»Wenn du Élaine finden willst, solltest du es wirklich trennen.«
»Ist es doch. Sie arbeitet für mich. Mehr nicht.«
Vincent blickte ihm mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Na ja. Du kommst dann nicht weiter, wenn sie einen Groll gegen dich hegt, weil du meintest ...«
»Ich hab' nichts vor. Ich hab's nur erwähnt.« , unterbrach er ihn.
»Und bei Élaine wird es dich auch nicht ... voranbringen.« , fügte Vincent seinem Gesagten noch bei.
Dag runzelte die Stirn. »Ich will das mit ihr nicht wieder ... aufleben lassen.«
»Du suchst sie. Du hast sie geliebt, und ...«
»Ja genau. Vergangenheitsform.«
»Aber ... du suchst sie jetzt. Gegenwart.«
»Vinne, ich will nur eine Antwort haben. Das habe ich dir doch schon gesagt.«
»Und was dann?«
»Was meinst du?« , stellte Dag als Gegenfrage.
»Ja, was ist ... danach.«
»Kann ich hellsehen? Woher soll ich das denn wissen?!«
»Ich meine, ... machst du danach lockerflockig weiter, oder ...?!«
»Ich weiß es nicht.« Dag wurde ungewollt lauter. »Ich weiß doch noch gar nicht, was dabei herauskommt.«
»Und wenn sie sagt, sie hat dich immer geliebt? Sie liebt dich heute noch? Was dann?«
Dag runzelte die Stirn. »Wenn dem so wäre, hätte sie mich nicht verlassen.«
»Aber ... stell' es dir einfach mal vor.«
»Warum? Wieso fragst du mich so etwas?«
»Weil ich ganz selbstverständlich Angst um dich habe. Ich will nicht, dass du dich nochmal so scheiße fühlst wie damals.« , sagte er. »Ja, ich will dir helfen sie zu finden, wenn du meine Hilfe benötigst, aber ... du solltest wissen, was du willst, bevor du sie ...«
»Ich ... ich weiß nicht, was ich will.« , sprach er. »Möglicherweise ... keine Ahnung. Eventuell erhoffe ich mir ja ... doch irgendwas. Sie war die Einzige, wo ich Gefühle ... in der Hinsicht hatte, und ... ich weiß es auch nicht.«
»Dag, sie ... ich mochte sie. Wirklich. Aber ... sie ist gegangen. Und das, ohne dir eine genaue Erklärung abzuliefern. Das war ichbefangen. Warum auch immer, aber an dich hat sie da anscheinend kein bisschen gedacht.«
»Das Buch ...«
»Hast du mal weitergelesen? Eventuell steht da ja etwas drin, das Genaueres erklärt.«
»Du findest meinen Schritt mit der Detektivin zu drastisch?«
»Unter Umständen.« , gab er zu. »Vielleicht benötigst du einen Abschluss, aber ... das war ... ich weiß nicht, ob du nach all den Jahren die Wahrheit wissen solltest, wenn sie möglicherweise nicht gerade positiv sein wird.«
»Du denkst, ich verrenne mich in etwas.«
»Ich ... kann ich ehrlich sein?« Dag nickte, und Vincent sprach demzufolge weiter. »Ich hab eher Panik, da sind noch Gefühle deinerseits, und ... deswegen jetzt diese Suche.«
Dag befeuchtete seine Lippen. Selbstverständlich hatte er in letzter Zeit viel über sie nachgedacht, aber ... war da eventuell doch etwas dran? Waren es alte Gefühle, die ihn dazu brachten Élaine wiedersehen zu wollen, und nicht nur eine Rückäußerung, die er haben wollte? »Ich will nur eine Antwort.« , meinte er im Endeffekt, weil er tatsächlich nicht vorhatte tiefer in sein Inneres zu bohren.
Weiter gelesen hatte er nicht, da ihn die Sache mit Sebastian, die dort in der Geschichte vorgekommen war, schon daran erinnert hatte, wie sehr er Élaine damals beschützen wollte.
Ja. Er hätte sogar alles für sie getan.
Aber Vincent hatte Recht. Was war, wenn er sich darin verlieren würde? Wenn seine Gefühle wieder anklopfen würden?
»Vielleicht ...« , begann Dag seinen Satz, um seinem besten Freund mitzuteilen, dass er eventuell doch die Suche nach Élaine aufgeben sollte, als sein Handy unerwartet ging. »Ja?« , kam fragend aus seinem Mund, weil es eine nicht gespeicherte Nummer war.
»Hallo Herr Kopplin. Hier ist Jona Naumeier.«
»Oh Frau ... Naumeier.« Er stand auf und begab sich fast schon stolpernd woanders hin, um in Ruhe telefonieren zu können.
»Hätten Sie eventuell heute Zeit?« , fragte sie.
»Für?«
»Wegen ihres Auftrages.« , lachte Jona.
»Ach so ... ehm klar. Natürlich.« , sagte er und kam sich im selben Moment blöd vor. Weshalb sollte sie ihn sonst kontaktieren?!
»Gut. Ab wann könnten Sie denn?«
Dag linste zu Vincent. »Ehm ... sofort?«
»Oh ... ehm ... wissen Sie, ich wollte gerade Mittagspause machen, und eine Kleinigkeit ...«
»Okay. Dann ... leiste ich Ihnen Gesellschaft.« War das aufdringlich?
»Ich merke, Sie wollen tatsächlich schnell die Informationen haben.« Sie lachte erneut. »Ehm ... ich bin dann in ein paar Minuten ... Sie wissen ja, wo mein Büro ist. Eine Straße weiter ist ein kleines Café. Draußen stehen pinke und grüne Stühle.«
»Okay. Ich beeile mich.«
»Dann bis gleich.«
»Ja. Bis ... gleich.«
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Mein Leben ist nicht wie ein Film, es ist wie ein Buch
FanfictionDags Leben verläuft im Grunde normal. Er ist Mitte dreißig, Musiker mit Leib und Seele und die Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts stehen auf ihn. Privat führt er jedoch eine kleine Liebelei mit einer jungen Frau namens Katharina. Etwas Ernste...