𝙺𝚊𝚙𝚒𝚝𝚎𝚕 17

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Ja, Dag kannte Lisa.

Sie war damals zwei Stufen über ihnen gewesen, als er sie durch Zufall traf. Er hatte gerade die Bildungsstätte gewechselt und Vincent kennengelernt, als Lisa sich bei einer privaten Party an ihn rangemacht hatte.

Genaugenommen hatte sie ihm damals im Partykeller eines Bekannten die Unschuld geraubt. Erst oral, und dann ... hatte er sie kurz danach schon auf seinem Arm gegen die Wand gepresst gevögelt.

Es war ein muffiger Keller gewesen. Daran erinnerte er sich heute noch. Und wie ... cool er sich vorgekommen war, eine Ältere gepoppt und trotz seines ersten Males nicht versagt zu haben.

Élaine hatte er nie etwas davon erzählt. Wozu auch?

Aber ... schon ein seltsames Gefühl, das sie sich damals Gedanken darüber gemacht hatte.

Dag hob das Buch wieder an und las weiter.


Die Tische waren rund und die Stühle davor drehbar. Ich saß neben Yvonne, die ich nämlich mitgezogen hatte, als Veit seinen Platz rechts von Dain eingenommen hatte, damit diese neben ihrem Schwarm sitzen konnte. Zu meiner Rechten saß Martin und daneben Theresa.

Die Dunkelhaarige kam an unseren Tisch. »Was wollt ihr denn trinken?«

Jeder nannte ein alkoholisches Getränk und ich druckste herum. »Ehm ... ein Wasser mit ...«

Sie lachte auf. »Oh, wie brav du doch bist.«

»Lass sie doch.« , meinte Dain unerwartet.

Ihr Blick fiel kurz abwechselnd von mir auf ihn. »Gut. Was möchtest du denn haben kleine Lady?«

Was hatte sie gegen mich. Ich verstand es einfach nicht.


Dag wusste es jedoch genau. Er erinnerte sich tatsächlich noch gut an diesem Abend. Er war mehr als verwundert gewesen, nachdem sie ihn und Vincent gebeten hatte, mit an deren Tisch zu sitzen. Eigentlich hatten sie in der Tat nur vorgehabt, mal reinzuschnuppern, weil der Laden neu aufgemacht hatte.

Das Yanamaria, oder wie sie im Buche hieß Yvonne, einen Crush auf seinen besten Freund hatte, davon wusste niemand etwas.

Sie hatte nie sowas gesagt und auch keinerlei Annäherung gestartet. Dag bezweifelte, dass Vincent darüber im Bilde war.

Aber das Lisa so gehässig gegenüber Élaine gewesen war, hatte einen Hintergrund, den er erst später erfahren hatte, als er kurz auf Toilette gegangen war.

Er war gerade von dem Männerklo gekommen, als sie auf ihn zuging und ihn fragte, ob er mit Élaine zusammen wäre. Selbstverständlich verneinte er es. Lisa hatte daraufhin gemeint, dass sie sich schon gewundert hätte, ob er mittlerweile auf so junge Mädchen stehen würde, obwohl Élaine nur ein Jahr jünger war als er.

Seine Unschuldsräuberin beließ es jedoch nicht dabei und merkte an, sie würde die Blicke doch registrieren, die beide sich heimlich immer wieder zuwarfen.

Dag hatte es damals nicht für ernst genommen. Hatte er sie je beobachtet, oder sonst etwas? Also klar, fand er sie ein Hingucker und hatte Élaine mit Sicherheit sogar schon mehrmals angesehen ... aber da waren doch keine Hintergedanken dabei gewesen.

Um sich selbst und auch Lisa einen zu beweisen, hatte er damals dämliche Anmachsprüche von sich gegeben und war ohne zu zögern danach mit ihr in einem Vorratsraum verschwunden, wo es in einfachen Worten rasch zu einem Quickie gekommen war. Im weiteren Verlauf war er wieder zur Gruppe gestoßen, als wäre rein gar nichts geschehen.

Davon wusste Élaine ebenfalls nicht mal ansatzweise etwas.

Wozu auch? Es war eine unnötige Information. Der Fick hatte ihm nichts bedeutet und hatte sich schließlich im Übrigen vor ihrer Beziehung abgespielt.

Dag überflog dennoch dieses Kapitel, um herauszulesen, ob Élaine nicht doch etwas bemerkt hatte. Allerdings war dem nicht so. Wohl aber war ihr da bewusst geworden, dass er schöne Lippen hatte. Sie hatte ihn allen Anschein nach beobachtet, wenn er mit seinem Strohhalm zugange war.

Dag schmunzelte, denn als Lisa auf die Knie gegangen war, um ihn hart zu machen, hatte er selbst kurz an Élaines Lippen gedacht.

An dem Abend hatten sie auch viel gelacht. Das Konzept der Karaoke-Bar war so ausgelegt, das jeder Tisch nach der Reihe dran war und jedes Mal ein zufällig Ausgewählter auf die Bühne musste. Jeder hatte eine kleine Glühbirne vor sich und derjenige, bei dem es am Ende als Einziger leuchtete, sollte dann einen Song vortragen.

Élaine hatte sich richtig geschämt, als sie an der Reihe gewesen war.

Dag musste schmunzeln, als er daran zurückdachte. Sie war bis über beide Ohren rot geworden und hatte immer wieder versucht, ihr Gesicht zu verdecken.

An Lisas Blick, die ihn beobachtet hatte, hatte er erst registriert, dass er die Augen tatsächlich nicht so gänzlich von Élaine lassen konnte.

Trotzdem versuchte er, da es weiterhin zu verdrängen.

Er hatte sie halt angesehen, weil er sie attraktiv fand. Mehr war da nicht.

Zumindest ... wusste er es da noch nicht.

Obwohl kurz danach die ersten Treffen alleine geschahen. Aber auch das hatte einen anderen Hintergrund, da es keine Dates gewesen waren.

Es klingelte unerwartet bei ihm und er legte das Buch beiseite, eh er aufstand.

Wer war das denn jetzt?

Er drückte auf und blieb jedoch an der Türe stehen. Die Person kam die Stufen hinauf und er sah ein wenig verwirrt auf die Blondine, die dort zu sehen war.

»Was willst du denn hier?« , fragte er.

»Nette Begrüßung.« , sprach Katharina.

Mein Leben ist nicht wie ein Film, es ist wie ein BuchWo Geschichten leben. Entdecke jetzt