Überraschender Weise war in den letzten zwei Wochen nicht viel passiert. Außer das ich meine Wohnung endgültig gekündigt hatte. Es hatte mich viel Überwindung gekostet und ich war mir auch nicht sicher, ob ich es nicht irgendwann bereuen würde, aber momentan blieb mir nicht wirklich was anderes übrig.Des Weiteren war ich endlich meine Pflaster los, ich hatte zwar immer noch Macken, aber sie heilten gut und waren auch wieder stärker belastbar. Auf meine Bewegung achtete ich jetzt selber, Bruno hatte mir viele Ideen und Vorschläge mitgegeben.
Ich hatte es mir zu Aufgabe gemacht mich um den Haushalt zu kümmern und Mittagessen zu kochen, dass Ezra nach der Arbeit schneller und hoffentlich leichter entspannen konnte.
Auch zwischen uns beiden ist irgendwie nichts Neues passiert, aber ich schob es auf Ezras Arbeit, denn er war in letzter Zeit häufig früh weg und kam auch erst spät wieder.
Ich hatte also viel Zeit für mich, was sowohl gute Dinge mit sich brachte, als auch schlechte. Zum einen war ich in letzter Zeit viel in Gedanken, aber auf der anderen Seite gab es mir die Chance wieder Struktur in meinen Alltag zu bringen, was ich sehr genoss.
Trotzdem vermisste ich Ezra, denn selbst wenn er da war, war er geistig manchmal garnicht anwesend. So wirklich sagen, was gerade auf der Arbeit los war, konnte er auch nicht und so kam es, dass wir uns häufig einfach anschwiegen.
Ich fragte mich, wie lange es so noch weitergehen würde? Ich hatte das Gefühl, dass ich es langsam nicht mehr aushielt. Er ging, wenn ich schlief und kam manchmal auch erst wieder, wenn ich schlief. Wie es ihm wohl ging? Ich hoffte er würde mit mir reden, wenn ihn etwas belastete.
Morgen würde ich mich mit Daniel treffen, Ezra und ich hatten uns aber geeinigt, dass ich mit den Öffis fahren würde, damit er nicht zu spät zur Arbeit kommen würde.
Gerade saß ich alleine auf dem Sofa, es war schon spät. 23:37 Uhr um genau zu sein. Ich hatte versucht zu schlafen, aber die momentane Situation mit Ezra ließ mir keine Ruhe, des Weiteren war ich aufgeregt Daniel bald wiederzusehen.
Ich guckte also Fernsehen und träumte vor mich hin. Wann Ezra wohl wiederkommen würde? Was machte er gerade? Hoffentlich war er schon auf dem Weg Nachhause.
Irgendwann schien ich doch eingeschlafen zu sein, Ezra weckte mich nämlich und ich schaute ihn verwirrt an. „Da bist du ja endlich." flüsterte ich, wahrscheinlich klang ich glücklicher, als ich es sollte. „Tut mir leid, ich hoffe, dass es nächste Woche endlich weniger wird. Denk bitte nicht, dass ich glücklich damit bin, wie es momentan läuft." flüsterte Ezra mir zu.
Ich nickte nur noch erschöpft, es tat gut es zu hören, ändern tat es an der Situation aber erstmal nichts. Ezra half mir auf, führte mich langsam in sein Schlafzimmer und legte mich ins Bett. Kurz darauf legte er sich zu mir und zog mich fest in den Arm. Wenn es doch öfter so sein könnte...
Am nächsten Morgen war Ezra schon wieder weg. Was es wohl so wichtiges gab? Ich hatte jetzt aber keine Zeit mehr mich damit zu beschäftigen, in zwei Stunden war es nämlich endlich soweit, ich würde Daniel wieder treffen.
Ich stand auf und ging ins Bad, ich hatte so schlecht geschlafen, am liebsten wäre ich noch liegen geblieben. Als Nächstes ging ich frühstücken, ich konzentrierte mich garnicht auf mein Tun und war in Gedanken ganz woanders.
Ezra hatte starke Augenringe bekommen und sprach kaum noch. Wer im Luxus leben wollte, der musste dafür auch was tun. Oder warum auch immer Ezra sonst dort arbeitete. Da viel mir ein, dass mir doch irgendwer erzählt hatte, dass Ezra in die Organisation ‚hineingeboren' wurde.
Hm, er kannte es also vielleicht garnicht anders. Ich verurteilte ihn auch nicht deswegen, ich machte mir einfach nur Sorgen. Hoffentlich würde es bald wirklich besser werden. Ich vermisste ihn. Ich vermisste es, wie er mich ärgerte, provozierte und wie er mich liebte. Es war das schönste Gefühl, was mir die Welt hätte schenken können und ich bekam Angst bei dem Gedanken, dass ich es irgendwann verlieren könnte.
Als ich mich umgezogen hatte, machte ich mich auf den Weg zur Straßenbahn, ein wenig aufgeregt war ich schon, wir hatten uns lange nicht mehr gesehen. Des Weiteren hatte ich ein immer größer werdendes Geheimnis, ich musste also auch immer vorsichtiger werden, dass ich nichts verriet.
Während der Fahrt überlegte ich mir einige Antworten, auf Fragen die höchstwahrscheinlich fallen würden. Auch wie ich Dinge genau erzählen konnte ohne, dass man merkte, dass ich etwas ausgelassen hatte.
Nun war ich da und was würde ich mit Daniel machen? Richtig, chinesische Nudeln essen. Ich wusste zwar nicht was ihm daran lag, aber wenn er glücklich war, dann war ich das auch.
Als ich auf das Restaurant zuging, winkte Daniel mir glücklich entgegen. „Hallo Marlon!" rief er und umarmte mich leicht zur Begrüßung. Wir gingen ins Restaurant und setzten uns.
„Hau raus, wie geht es dir?" fragte er mich und musterte meinen Körper. „Hast abgenommen." stellte er fest. „Ja, ich konnte mich auch lange nicht viel bewegen." lachte ich verlegen. Es war nicht böse gemeint von ihm, eher besorgt, trotzdem fühlte ich mich ein wenig schlecht.
„Wie geht es dir denn? Für dich muss das auch nicht leicht gewesen sein." fragte ich ihn. „Ja, hast schon recht. Aber so leicht lass ich mich nicht unterkriegen." lachte er verlegen. Ich schaute ihn erwartungsvoll an.
„Ich hab mich wirklich schrecklich gefühlt, nach all dem. Ich wünschte ich hätte dich besser beschützen können. Es tut mir leid." gab er zu und seufzte.
„Du musst dich nicht dafür entschuldigen, dass jemand anderes mich angeschossen hat. Das hätte jeden treffen können. Mir geht es gut, ja? Außerdem warst du nicht einmal da." Daniel nickte.
„Es tut gut dich zu sehen. Meine Frau hat sich auch sorgen gemacht, sie wird sich freuen, wenn ich ihr erzähle, wie gut du wieder aussiehst." verlegen stocherte er in seinen Nudeln rum.
„Ich hab gehört du hast gekündigt?" Platze es dann irgendwann mehr oder weniger aus ihm heraus. Ich nickte vorsichtig. „Tut mir leid." „War ja nur eine Frage der Zeit." nickte Daniel. „Schade, dass deine Arbeit so enden musste. Ich werde dich sehr vermissen." redete er weiter. Man merkte, dass ihm sehr viel auf der Seele brannte und dass ihm dieses Treffen gut tat.
„Du könntest in der Notrufzentrale arbeiten, da suchen sie gerade jemanden, falls dich sowas interessiert. Aber die Bezahlung ist da auch nicht wirklich gut. Oder wie wär's mit der Feuerwehr? Dann würden wir uns vielleicht doch nochmal sehen." quasselte er weiter und weiter.
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Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)
Proză scurtăMarlon ist Polizist und gerät eines Tages zufällig in eine Geiselübergabe. Dort trifft er auf einen gesuchten Schwerverbrecher, welcher ein gewisses Interesse an ihm pflegt. Gleichzeitig ist er einer der wenigen Menschen, die ihn selber nicht nur al...