Die Luft im Wald war frisch und kühl, als Jasper und ich das Training fortsetzten. Ich konnte die Müdigkeit in meinen Muskeln spüren, doch ich biss die Zähne zusammen und machte weiter. Die letzten Wochen hatten mich stärker gemacht, körperlich und mental. Jaspers Training war hart, aber er verstand, wie er mich an meine Grenzen bringen konnte, ohne mich zu überfordern.
„Gut, Fjella", lobte er, nachdem ich einen schnellen Schlag gegen seinen Arm abgewehrt hatte. „Du wirst schneller."
Ich nickte, das Adrenalin pumpte durch meine Adern. Doch obwohl mein Körper Fortschritte machte, war da immer noch diese Leere, dieses Gefühl, dass ich nie genug sein würde. Mein Atem ging schwer, und Jasper merkte, dass etwas in mir arbeitete.
„Was ist los?" fragte er leise, während er einen Schritt zurücktrat. „Du bist nicht ganz bei der Sache."
Ich atmete tief ein und hielt den Blick auf den Boden gerichtet. „Es ist nicht das Training", begann ich, meine Stimme leise. „Es ist das, was mir fehlt."
Jasper runzelte die Stirn. „Was meinst du?"
Ich hob den Kopf und sah ihm in die Augen. „Ich kann das nicht schaffen, Jasper. Nicht wirklich. Ich bin immer noch ein Mensch. Egal, wie hart ich trainiere, ich werde nie so stark, so schnell sein wie ihr. Und das... das ist es, was mir wirklich fehlt. Ich bin kein Vampir."
Jasper schwieg einen Moment, dann nickte er langsam, als würde er meine Worte abwägen. „Es ist wahr, dass wir Vorteile haben, die du nicht hast. Aber das bedeutet nicht, dass du schwach bist. Du hast Fähigkeiten, Fjella, die wir nicht haben."
„Aber es reicht nicht", murmelte ich, die Frustration stieg in mir auf. „Es fühlt sich an, als würde ich immer nur hinterherlaufen."
Jasper trat näher zu mir und legte eine Hand auf meine Schulter. „Es gibt Dinge, die du ändern kannst, und Dinge, die du nicht ändern kannst. Aber Stärke kommt nicht nur von körperlichen Fähigkeiten. Sie kommt von deinem Willen, von deinem Mut, weiterzumachen, auch wenn es schwer ist."
Seine Worte trösteten mich ein wenig, doch tief in mir wusste ich, dass das nicht genug war. Ich wollte mehr, brauchte mehr. Und ich wusste, dass Carlisle das verstehen würde.
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Später an diesem Abend, als das Haus still war, suchte ich Carlisle auf. Er saß in seinem Sessel und las, doch als ich eintrat, legte er das Buch zur Seite und sah mich erwartungsvoll an.
„Fjella", begrüßte er mich mit einem sanften Lächeln, doch ich konnte die Sorge in seinen Augen sehen. „Was ist los?"
Ich trat näher, setzte mich ihm gegenüber und versuchte, die richtigen Worte zu finden. „Ich muss dir etwas beichten", begann ich. „Seit einigen Wochen trainiere ich heimlich mit Jasper. Er hat mir geholfen, stärker zu werden... aber es ist nicht genug."
Carlisles Augen verengten sich leicht, nicht aus Ärger, sondern aus Besorgnis. „Du hast mit Jasper trainiert? Warum hast du mir das nicht erzählt?"
Ich senkte den Blick. „Weil ich wusste, dass du es vielleicht nicht gutheißen würdest. Aber ich musste es tun. Ich fühle mich so nutzlos, Carlisle. Ich bin nur ein Mensch. Und wenn die Volturi kommen... was kann ich tun?"
Carlisle seufzte tief und lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Ich verstehe deine Frustration, Fjella. Es ist schwer, sich schwach zu fühlen, besonders wenn die Gefahr so groß ist. Aber du bist nicht nutzlos. Du bist stark, auch wenn du das vielleicht nicht siehst."
„Ich will dir glauben", sagte ich leise. „Aber ich fühle mich, als würde ich immer nur hinterherhinken. Egal, wie sehr ich es versuche, ich werde niemals so stark sein wie ihr. Und das bringt mich dazu, über... andere Möglichkeiten nachzudenken."
„Andere Möglichkeiten?" Carlisle sah mich aufmerksam an, seine Stirn leicht gerunzelt. „Fjella, du meinst...?"
Ich nickte, und mein Herz schlug schneller. „Ich denke darüber nach, ein Vampir zu werden. Ich weiß, dass das eine große Entscheidung ist, aber... ich fühle mich, als wäre das der einzige Weg, wie ich wirklich helfen kann."
Carlisle schwieg, und ich konnte sehen, dass er mit den Worten kämpfte. Schließlich sprach er leise: „Fjella, das ist eine Entscheidung, die nicht leichtfertig getroffen werden sollte. Es verändert alles. Und es bringt Opfer mit sich, die du vielleicht noch nicht vollständig verstehst."
„Ich weiß", antwortete ich, meine Stimme fest. „Aber ich liebe dich, Carlisle. Ich will bei dir sein, will Teil dieser Familie sein. Und wenn das bedeutet, ein Vampir zu werden, dann... dann bin ich bereit."
Carlisle sah mich lange an, seine Augen voller Schmerz und Zuneigung zugleich. „Wir müssen das mit allen besprechen", sagte er schließlich. „Es ist keine Entscheidung, die wir alleine treffen können."
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Wenig später saßen wir wieder im Wohnzimmer, alle um den großen Tisch versammelt. Die Atmosphäre war angespannt, während ich meine Gedanken darlegte. Ich erzählte ihnen von meinem Training mit Jasper, von meiner Frustration und meinen Überlegungen, ein Vampir zu werden.
„Das ist eine ernste Entscheidung", sagte Rosalie, ihre Arme vor der Brust verschränkt. „Bist du sicher, dass du das willst, Fjella? Es gibt kein Zurück."
„Ich weiß, dass es keine leichte Entscheidung ist", antwortete ich. „Aber ich fühle mich, als wäre das der einzige Weg, wie ich wirklich helfen kann."
„Es gibt andere Wege", warf Emmett ein. „Wir könnten dich schützen. Du musst nicht kämpfen."
„Aber ich will kämpfen", sagte ich fest. „Ich will nicht mehr nur das schwache Glied in der Kette sein. Ich will stark sein, für mich, für uns alle."
Alice, die bisher geschwiegen hatte, sprach leise: „Ich sehe viele Möglichkeiten, Fjella. Aber die Zukunft ist unsicher, besonders wenn es um Entscheidungen wie diese geht."
Schließlich ergriff Carlisle das Wort. „Es gibt keine einfache Lösung. Aber wir werden einen Plan erstellen. Plan A wird sein, Fjella so gut wie möglich auf alles vorzubereiten, ohne dass sie verwandelt wird. Sollte es jedoch wirklich nötig sein, und nur dann, werden wir über eine Transformation nachdenken. Das ist Plan B."
Alle nickten langsam, die Schwere der Entscheidung lastete auf uns allen. Aber wenigstens hatten wir einen Weg nach vorne.
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Bis(s) in die Ewigkeit
FanfictionFjella Holm gerät in den Bann des mysteriösen Vampirs Carlisle Cullen und entdeckt eine gefährliche, übernatürliche Welt. Ihre aufkeimende Liebe wird von düsteren Visionen und inneren Konflikten bedroht, während sie sich immer tiefer in das Geheimni...