Kapitel 21: Zwischen zwei Welten

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Es war kalt auf dem Dach, und ich konnte kaum glauben, was ich gerade durchgemacht hatte. Meine Gedanken waren ein einziges Chaos. Die Worte von Aro, Caius und Marcus hallten in meinem Kopf wider. Ich fühlte mich gefangen, eingeengt, ohne Ausweg.

Plötzlich hörte ich ein Geräusch hinter mir. Ich drehte mich um und sah Alice, Jasper und Carlisle. Alice' Augen funkelten vor Entschlossenheit, während Carlisle direkt auf mich zustürmte. Jasper blieb etwas weiter hinten, seine Augen aufmerksam, aber vorsichtig.

Ich war mir nicht sicher, ob ich tatsächlich gerettet war oder ob ich einfach zu erschöpft war, um meine Situation zu begreifen. Als Carlisle mich erreichte, legte er seine Hände sanft auf meine Schultern und sah mich intensiv an. „Fjella", sagte er, seine Stimme ruhig, aber voller Sorge. „Wir sind hier. Du bist in Sicherheit."

Diese Worte lösten etwas in mir aus. Die Anspannung, die sich die letzten Stunden über in meinem Körper aufgestaut hatte, brach wie ein Damm, und Tränen stiegen mir in die Augen. „Sie... sie wollen, dass ich mich ihnen anschließe... Sie sagen, ich bin wichtig... Ich weiß nicht, was ich tun soll..."

Carlisle zog mich sofort in eine enge Umarmung, während Alice neben uns stand, ihre Hand auf meinen Rücken legte und mich beruhigend streichelte. „Es ist vorbei, Fjella", flüsterte Alice. „Wir haben dich."

Doch ich konnte nicht aufhören zu weinen. Meine Knie gaben nach, und ich brach endgültig zusammen. Jasper trat näher und nutzte seine Fähigkeit, mir einen Hauch von Ruhe zu geben, aber ich war zu erschüttert, um es wirklich zu spüren. „Es war zu viel... Es war einfach zu viel..." schluchzte ich, meine Stimme kaum noch mehr als ein Flüstern.

„Ich hätte es nicht zulassen dürfen", murmelte Carlisle, während er mich sanft in seine Arme hob. Ich fühlte mich klein und zerbrechlich, fast wie ein Kind in den Armen eines Vaters. „Es tut mir leid", fügte er leise hinzu.

„Sie haben mir gesagt, dass ich... eine Bedrohung für alle bin... dass ich mich entscheiden muss, ob ich gegen euch kämpfe oder für sie... Ich weiß nicht, was ich tun soll, Carlisle..." Meine Stimme war kaum zu verstehen, und ich klammerte mich an ihn, als würde ich sonst auseinanderfallen.

„Du musst nichts entscheiden", beruhigte Carlisle mich, während er mich sicher in seinen Armen hielt. „Wir werden zusammen eine Lösung finden."

Ich konnte nicht antworten. Ich war einfach zu erschöpft, zu durcheinander, um weiter darüber nachzudenken. Während Carlisle mich zurück nach Hause trug, sank ich in einen unruhigen Schlaf, immer noch von Tränen und Schmerz überwältigt. Ich fühlte mich geborgen in seinen Armen, aber das Zittern meines Körpers wollte nicht aufhören.

Carlisle brachte mich ins Haus, wo er sich liebevoll um mich kümmerte. Er legte mich auf das Bett, deckte mich sorgfältig zu und setzte sich neben mich, während ich schlief. Er streichelte mein Haar und blieb die ganze Nacht an meiner Seite, bis ich mich beruhigte.

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Am nächsten Morgen fühlte ich mich seltsam leer. Die Erschöpfung lag noch immer in meinen Gliedern, doch ich zwang mich aufzustehen. Carlisle hatte mir Frühstück gemacht, aber ich hatte keinen Appetit. Alles, was ich wollte, war etwas frische Luft.

Während ich durch die Wälder wanderte, gingen mir die Worte der Volturi wieder und wieder durch den Kopf. Ich fühlte mich gefangen zwischen zwei Welten - der meiner Familie bei den Cullens und der drohenden Gefahr, die von den Volturi ausging.

Ohne es wirklich zu bemerken, hatte ich erneut die Grenze des Wolfsgebietes überschritten. Plötzlich hörte ich ein Knurren hinter mir. Ich drehte mich um und sah Sam und Leah, beide in ihrer menschlichen Gestalt, die mich aufmerksam musterten.

„Du bist schon wieder hier", sagte Sam mit rauer Stimme, ohne jegliche Begrüßung. Es war keine Feindseligkeit in seiner Stimme, nur eine kalte Feststellung.

Leah trat neben ihn und verschränkte die Arme. „Wir wissen, was passiert ist", sagte sie ohne Umschweife.

Ich starrte sie an. „Ihr wisst... von den Volturi?"

Sam nickte ernst. „Es gibt nicht viel, was wir nicht mitbekommen, wenn es um unsere Feinde geht."

Leah machte einen Schritt auf mich zu, ihre Miene ungewohnt sanft. „Du bist in Gefahr, Fjella. Die Volturi spielen ein Spiel, bei dem niemand wirklich gewinnen kann."

„Warum erzählt ihr mir das?" fragte ich verwirrt. „Ihr hasst doch die Vampire. Warum interessiert es euch, was mit mir passiert?"

Leah seufzte und schüttelte den Kopf. „Es geht nicht darum, dass wir euch alle mögen oder nicht. Es geht darum, dass die Volturi sich einmischen. Sie bedrohen das Gleichgewicht, und das betrifft uns alle."

Sam trat nun auch näher. „Du bist ein Teil von etwas Größerem geworden, Fjella. Das bedeutet, dass du dich nicht nur auf die Cullens verlassen kannst. Wir..." Er zögerte kurz, als ob es ihm schwerfiel, die nächsten Worte auszusprechen. „Wir bieten dir unsere Hilfe an. Aber das bedeutet auch, dass du Verantwortung übernehmen musst. Du bist in etwas verwickelt, das weit über dich hinausgeht."

Ich sah die beiden an, immer noch überwältigt von der ganzen Situation. „Ich weiß nicht, ob ich das kann", gab ich schließlich zu. „Ich bin nur... ich. Ein Mensch."

„Vielleicht", sagte Leah leise. „Aber das bedeutet nicht, dass du schwach bist. Die Frage ist, ob du bereit bist, dich dem zu stellen, was vor dir liegt."

Ich schwieg und dachte über ihre Worte nach. Sam und Leah sahen mich weiterhin aufmerksam an, als würden sie jede meiner Reaktionen genau beobachten.

„Denke darüber nach", sagte Sam schließlich und wandte sich ab, um zu gehen. „Du weißt, wo du uns finden kannst, wenn du unsere Hilfe brauchst."

Leah blieb einen Moment länger stehen, bevor sie mir einen letzten Blick zuwarf. „Pass auf dich auf, Fjella", sagte sie, bevor sie Sam folgte und beide im Wald verschwanden.

Ich blieb allein zurück, mein Herz schwer von all den Entscheidungen, die vor mir lagen.

Bis(s) in die Ewigkeit Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt