Kapitel 28: Das Heulen der Wölfe

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Das Heulen der Werwölfe hallte durch den Raum, tief und bedrohlich. Es schien den Boden unter mir vibrieren zu lassen. Für einen Moment stockte Aro, seine Augen weiteten sich leicht, als er die Quelle des Geräusches erkannte. Demetri und Marcus standen dicht vor mir, eine Schutzmauer, die Aro vorerst davon abhielt, seinen wahnsinnigen Plan fortzusetzen. Ich lag immer noch auf dem Stuhl, meine Handgelenke festgeschnallt, mein Körper erschöpft und der Schmerz hallte immer noch durch meine Glieder.

Aro richtete sich wieder auf, das Lächeln kehrte auf seine Lippen zurück, jedoch war es nun schärfer, gefährlicher. „Ah, das wird ja immer interessanter," murmelte er, als ein weiteres Heulen ertönte, gefolgt von schweren Schritten. Die Werwölfe waren hier. Sie hatten mich gefunden.

„Demetri, du wagst es, mich zu hintergehen?" Aros Stimme war kalt und schneidend. „Nach all den Jahren... nach all dem, was ich für dich getan habe."

Demetri wich keinen Zentimeter zurück, seine Augen fest auf Aro gerichtet. „Es gibt Grenzen, Aro. Und du hast sie längst überschritten." Seine Stimme war voller Entschlossenheit, und ich spürte die Spannung in der Luft. Es war, als stünde die Welt für einen Moment still, während Aro und Demetri sich anstarrten, die Stille zwischen ihnen nur durch das leise Knurren der Werwölfe unterbrochen.

Marcus, der bisher schweigend neben mir gestanden hatte, trat einen Schritt vor und sprach ruhig, aber fest. „Aro, genug." Seine Stimme hatte eine fast melancholische Schwere, als ob er das Gewicht der Jahrhunderte in jedem Wort trug. „Sie ist nicht das Werkzeug, das du suchst. Sie ist nicht deine Marionette."

Aro lachte leise, fast beiläufig. „Oh, Marcus... Du bist so schwach. Du verstehst nicht das Potenzial, das sie besitzt. Sie könnte unsere Macht ins Unermessliche steigern. Und du..." Er blickte verächtlich auf Marcus herab. „Du weigerst dich, es zu sehen."

Ich atmete flach und sah zwischen ihnen hin und her, während meine Gedanken rasten. Aro war von seinem Plan besessen, mich in ein Wesen seiner Kontrolle zu verwandeln, doch Marcus war meine einzige Hoffnung, ihn davon abzuhalten. „Marcus," begann ich zögernd und versuchte, meine Stimme ruhig und fest klingen zu lassen, obwohl mein Herz wie verrückt schlug, „du weißt, dass Aro Unrecht hat. Du weißt, dass das, was er vorhat, gegen alles verstößt, was ihr einst verteidigt habt. Ich bin kein Spielzeug. Ich bin kein Schachzug in einem Krieg."

Marcus' Augen, die zuvor so leer und distanziert gewirkt hatten, richteten sich auf mich. Ich wusste, dass ich seine Unterstützung brauchte, dass er der dass er der Schlüssel war, um Aro zu stoppen.

Es gibt Dinge, die keine Macht rechtfertigen kann," fuhr ich fort und zwang mich, den Blickkontakt zu halten. „Was du und dein Bruder einst aufgebaut habt, es ging nicht nur um Kontrolle oder Stärke. Es ging um Ordnung, um eine Balance, die mehr ist als nur Macht. Willst du das wirklich alles zerstören, nur weil Aro seine Gier nicht zügeln kann?"

Marcus schwieg einen Moment, und ich konnte sehen, dass er nachdachte, dass meine Worte ihn erreichten. Doch bevor er antworten konnte, spürte ich, wie sich die Atmosphäre im Raum veränderte. Aro hatte genug gehört. Mit einem verächtlichen Schnauben drehte er sich um, seine Augen glühten vor Zorn. „Du hast deine Chance verspielt, Fjella. Es ist bedauerlich, dass du die Tragweite meiner Großzügigkeit nicht erkennst." Seine Stimme wurde tiefer, gefährlicher. „Aber keine Sorge, wir werden das auf die harte Tour regeln."
In diesem Moment wusste ich, dass er zu allem bereit war. Aro hatte seine Geduld verloren, und es gab nichts mehr, was ihn aufhalten konnte. Mit einer schnellen Bewegung, die ich kaum registrieren konnte, packte er mich an den Haaren und zerrte mich von dem Stuhl. Ich schrie auf vor Schmerz, während er mich durch den Raum schleifte, direkt auf eine Tür zu, die ich bisher nicht bemerkt hatte.

„Aro, lass sie los!" Demetri machte einen Schritt nach vorne, doch Aro wirbelte herum und warf ihm einen stechenden Blick zu. „Wage es nicht, mich zu unterbrechen, Demetri. Deine Loyalität ist ohnehin schon fraglich."

Mit einem heftigen Stoß schob er mich durch die Tür, die in einen dunklen, feuchten Korridor führte. Ich stolperte, konnte mich kaum auf den Beinen halten, während Aro mich gnadenlos vor sich hertrieb. Die Kälte des Bodens kroch durch meine Kleidung, und die Luft war schwer und stickig. Ich wusste, dass etwas Schreckliches auf mich wartete.

Schließlich erreichten wir das Ende des Korridors, wo eine massive Metalltür in die Wand eingelassen war. Aro öffnete sie mit einem leichten Druck, als ob sie aus Papier bestünde, und stieß mich hinein. Der Raum dahinter war dunkel, die Luft noch dicker als zuvor. Ich konnte nichts sehen, doch ich hörte ein leises, unheilvolles Summen, das mir die Nackenhaare aufstellte.

„Hier wirst du lernen, Fjella," sagte Aro leise, während er die Tür hinter sich schloss. „Hier wirst du begreifen, was es bedeutet, sich mir zu widersetzen."

Ich spürte Panik in mir aufsteigen, während ich versuchte, mich zu orientieren. Doch bevor ich einen klaren Gedanken fassen konnte, spürte ich, wie etwas Kaltes, Metallisches um meine Handgelenke und Knöchel schnappte. Fesseln. Ich war gefangen.

„Das ist erst der Anfang," sagte Aro mit einer dunklen Zufriedenheit in seiner Stimme, bevor er den Raum verließ und die Tür mit einem ohrenbetäubenden Krachen zuschlug. Ich schrie, versuchte mich zu befreien, doch die Fesseln waren unerbittlich. Mein Herz schlug wild, Panik griff nach mir, als das Summen lauter wurde. Es war, als würde der Raum selbst lebendig werden, als ob er mich verschlingen wollte.

Und dann spürte ich es: Ein Schmerz, so tief und allumfassend, dass ich glaubte, in tausend Stücke zu zerbrechen. Es war, als würde mein gesamter Körper in Flammen stehen, während meine Gedanken von einer alles verschlingenden Dunkelheit übermannt wurden. Der Schmerz war unerträglich, und ich konnte nichts tun, um ihm zu entkommen.

Gerade als ich glaubte, dass ich den Verstand verlieren würde, hörte ich plötzlich Stimmen. Weit entfernt, aber vertraut. Demetri. Marcus. Und dann, das Heulen der Werwölfe, diesmal noch lauter, noch bedrohlicher. Hoffnung flackerte in mir auf, als ich versuchte, die Dunkelheit zu bekämpfen.

Die Tür flog auf, und ich sah verschwommen die Gestalten, die in den Raum stürmten. Demetri und Marcus kämpften gegen Aro, der seine Hände in Verteidigung erhoben hatte, während die Werwölfe in den Raum drängten. Carlisle war da, sein Blick voller Entschlossenheit und Verzweiflung.

„Fjella!" Seine Stimme war wie ein Anker, der mich zurück in die Realität zog.

Bis(s) in die Ewigkeit Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt