Kapitel 41: Prinzipien und Gespräche

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Der Wald war wieder still, die unheimliche Kälte, die Jane und Alex mitgebracht hatten, war verschwunden, doch die Nachwirkungen des Geschehens lagen schwer in der Luft. Carlisle hatte mich sanft in den Arm genommen und mit ruhigen Schritten zurück zu unserer Lichtung geführt. Der Weg war vertraut, doch nichts fühlte sich so an wie zuvor. Meine Gedanken kreisten immer noch um die Schmerzen, die Janes Gabe mir zugefügt hatte, und um die angsteinflößende Macht, die Alex über meine Sinne ausgeübt hatte.

Wir saßen nebeneinander auf dem weichen Moosboden, schweigend. Carlisle hatte mich nie losgelassen, seine Hand hielt meine fest, als wolle er sicherstellen, dass ich nicht wieder in die Dunkelheit gezogen wurde. Ich konnte den Schmerz in seinen Augen sehen - nicht wegen der Konfrontation mit den Volturi, sondern wegen dessen, was dies für uns bedeutete.

Schließlich war es Carlisle, der das Schweigen brach. „Fjella," begann er leise, seine Stimme warm, aber angespannt, „was gerade passiert ist... das war nicht das erste Mal, dass sie es versucht haben, und es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Aro will dich, und er wird nicht aufgeben, bis er dich entweder in seiner Gewalt hat - oder wir etwas dagegen tun."

Ich sah ihn an, noch immer erschöpft von der Begegnung, aber seine Worte trafen mich tief. „Ich weiß," flüsterte ich, meine Stimme schwach. „Aber ich werde mich ihnen niemals anschließen. Egal, was sie mir antun."

Carlisle nickte leicht, seine Augen suchten die meinen. „Ich weiß, dass du stark bist. Aber das ist es nicht, was mich besorgt. Was mir Sorgen macht, ist, was noch auf uns zukommen könnte. Sie werden immer rücksichtsloser, und irgendwann..." Seine Stimme brach ab, als er den Blick von mir abwandte, als könne er nicht ertragen, weiterzusprechen.

Ich spürte die Schwere seiner Gedanken. Carlisle war stets derjenige gewesen, der an seinen Überzeugungen festgehalten hatte, der nie auch nur in Erwägung gezogen hatte, jemanden ohne Not zu verwandeln. Es war einer der Gründe, warum ich ihn so sehr bewunderte. Doch jetzt... jetzt sah ich den Kampf in ihm, den inneren Konflikt, der ihm so sehr zusetzte.

„Carlisle," sagte ich sanft und drückte seine Hand, „du denkst über etwas nach. Ich sehe es in deinen Augen. Was ist es?"

Er schloss kurz die Augen, atmete tief durch und schien sich zu sammeln, bevor er weitersprach. „Fjella... ich habe in den letzten Tagen und Wochen viel nachgedacht. Über uns, über dich... und über das, was heute passiert ist." Seine Stimme war leise, beinahe geflüstert. „Ich habe immer an meinen Prinzipien festgehalten, an meinem Versprechen, niemanden zu verwandeln, es sei denn, es wäre absolut notwendig. Aber nach dem, was heute passiert ist, bin ich mir nicht mehr sicher."

Seine Worte trafen mich wie ein Schlag in die Magengrube. Ich starrte ihn an, unfähig, sofort zu antworten, während sich sein Geständnis langsam in mein Bewusstsein brannte. „Was meinst du?" fragte ich schließlich, obwohl ich die Antwort schon ahnte.

Carlisle sah mich an, seine Augen voller Schmerz und Unsicherheit. „Ich habe darüber nachgedacht, was passieren könnte, wenn du weiterhin in Gefahr bleibst, wenn die Volturi dich nicht in Ruhe lassen. Ich habe überlegt, ob ich... ob ich meine Prinzipien über Bord werfen sollte. Dich verwandeln sollte, um dich zu schützen."

Die Stille zwischen uns war überwältigend. Ich konnte spüren, wie schwer ihm diese Worte fielen, wie sehr er mit sich rang. Der Gedanke, dass Carlisle - der stets seine Moral und Ethik über alles gestellt hatte - bereit war, seine tiefsten Überzeugungen für mich aufzugeben, schmerzte mich mehr, als ich ausdrücken konnte.

„Carlisle..." begann ich vorsichtig, „du darfst das nicht tun. Nicht wegen mir."

Er schüttelte den Kopf, sein Gesicht von Emotionen gezeichnet. „Es ist nicht nur wegen dir, Fjella. Es ist auch wegen uns. Ich will nicht, dass du leidest, ich will nicht, dass sie dich verletzen oder dich in etwas zwingen, was du nicht willst. Aber ich weiß auch, dass ich dich nicht ewig beschützen kann, nicht so, wie du es vielleicht brauchst. Und wenn es der einzige Weg ist, dich zu retten..."

„Nein!" unterbrach ich ihn, meine Stimme fester, als ich erwartet hatte. Ich sah ihm direkt in die Augen, suchte den richtigen Ton, um ihn zu erreichen. „Carlisle, du darfst deine Prinzipien nicht aufgeben. Nicht für mich. Ich will nicht, dass du etwas tust, was du dein ganzes Leben lang vermieden hast, nur weil du mich beschützen willst. Das würde dich zerstören, und das könnte ich niemals ertragen."

Er sah mich an, seine Augen voller Unsicherheit. „Aber was ist, wenn das der einzige Weg ist, dich zu retten?"

Ich legte meine Hand an seine Wange, berührte ihn sanft, um ihm die Ernsthaftigkeit meiner Worte zu zeigen. „Es gibt immer einen anderen Weg, Carlisle. Du hast mich gelehrt, dass es immer eine Wahl gibt. Und ich wähle dich - so wie du bist. Mit all deinen Überzeugungen und Prinzipien. Ich will nicht, dass du sie wegen mir aufgibst."

Er atmete tief ein, seine Augen schlossen sich für einen Moment, als er meine Worte in sich aufnahm. „Fjella, ich..."

„Ich liebe dich," sagte ich leise, aber bestimmt. „Und ich weiß, dass du mich liebst. Aber wir dürfen uns nicht von der Angst beherrschen lassen. Wir werden einen Weg finden, das verspreche ich dir. Aber du darfst nicht zulassen, dass diese Monster dich zu etwas zwingen, das du niemals sein wolltest."

Carlisle öffnete seine Augen wieder und sah mich an, seine Augen voller Liebe und gleichzeitig Schmerz. „Ich wünschte, es wäre so einfach."

„Es ist nicht einfach," gab ich zu. „Aber wir schaffen das. Gemeinsam."

Eine lange, erdrückende Stille folgte, in der wir beide die Schwere der Situation auf uns wirken ließen. Ich spürte, wie sich die Anspannung langsam in Carlisles Körper löste, als er meine Worte akzeptierte, auch wenn die Zweifel noch tief in ihm vergraben waren.

Schließlich nickte er, seine Stirn berührte meine, und er schloss kurz die Augen, als wolle er sich an meiner Nähe festhalten. „Du hast recht," flüsterte er. „Ich darf nicht zulassen, dass sie mich verändern."

Ich lächelte schwach und küsste ihn sanft auf die Stirn. „Nein, das darfst du nicht. Und wir werden gemeinsam kämpfen, egal was kommt."

Bis(s) in die Ewigkeit Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt