Kapitel 8: Eiskalte Rückkehr

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In der Dunkelheit taumelte ich zurück, der kalte Wind pfiff mir ins Gesicht und ließ meinen Körper frösteln, als wäre ich nackt in die Nacht gestürzt. Meine Zähne klapperten, und das Gefühl, dass die Kälte nicht nur meine Haut, sondern auch mein Inneres ergriff, war unerträglich. Die durchnässten Socken klebten an meinen Füßen, als ich über den feuchten Gehweg schlich, der sich unter meinen Schritten wellte. Der Dreck des Fußwegs haftete an meiner Haut, schien sich mit meiner Verzweiflung zu vermischen und ließ mich noch mehr in meinem Versagen versinken. Es war, als ob jeder Schritt mich tiefer in eine Grube der Selbstverachtung führte, aus der ich nie wieder herausfinden würde.

Passanten schoben sich an mir vorbei, mit hastigen Schritten und abgewandten Blicken. Sie bemerkten mich nicht wirklich, aber ich hörte ihre leisen Worte, die wie scharfe Klingen in mein Ohr drangen: „Immer diese Junkys." Es war eine Beleidigung, die mir vertraut war, eine, die wie ein Stachel in meine Seele bohrte. Ich saugte ihre Worte in mich auf, als wären sie bitterste Tabletten, die ich hinunterschlucken musste, um die Realität ertragen zu können. Der Schmerz, den diese Worte in mir hervorriefen, war wie ein schwerer Stein, der auf meinem Herzen lastete und mich erdrückte. In meinem Inneren flammte eine Wut auf, aber sie war genauso schnell wieder erloschen wie sie gekommen war. Ich war zu erschöpft, zu gebrochen, um mich noch zu wehren.

Die Kälte schnitt tief in meine Knochen, und ich wusste, dass ich mich schneller bewegen musste, um der Finsternis der Nacht zu entkommen. Die Zeit schien in der Kälte unbarmherzig langsamer zu vergehen, als ob der Moment dehnbar wäre und mich in diesem endlosen Zustand gefangen hielt. Ich versuchte, mich zu konzentrieren, aber die Gedanken in meinem Kopf waren wie ein wild gewordener Sturm, der alles mit sich riss. Ich wollte einfach nur in Sicherheit sein, wollte nur irgendwie meine Wohnung erreichen, auch wenn ich wusste, dass sie nichts mehr war als ein trostloser Ort, der genauso leer war wie ich mich fühlte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte ich schließlich meine Wohnung. Der Blick auf das Gebäude, das mir einst ein gewisses Gefühl von Heimat vermittelt hatte, war nun ein schmerzhafter Anblick. Die Fassaden bröckelten, das Treppenhaus war düster und verstaubt, und der Lärm der Straße drang in die verwinkelten Flure. Es war ein kleines Wunder, dass ich in dieser verkommenen Gegend nicht überfallen oder verängstigt worden war. Aber in diesem Moment schien der Gedanke an Gewalt nichts anderes zu sein als ein weiteres leeres Geräusch in der Symphonie meiner eigenen Zerstörung.

Ich stieg die Stufen zum dritten Stock hinauf, meine Beine fühlten sich an, als wären sie aus Blei, und der Schweiß lief mir den Rücken hinunter. Als ich den letzten Schritt auf die oberste Treppe machte, sprang Merle plötzlich um die Ecke. Sie biss mir spielerisch, aber knurrend in die Wade, als wollte sie mir vorwerfen, ich sei ein Idiot, der einfach abgehauen war. Sie sah mich mit ihren großen, treuen Augen an, und für einen Moment spürte ich eine winzige Wärme, die mir durch die Kälte half. Ihr besorgter Blick war wie ein leises Zwiegespräch, das ich nie führen konnte, als ich sie vor so langer Zeit einfach vernachlässigte. Ich fragte mich, wie lange ich eigentlich weg gewesen war. Es kam mir vor, als wäre ich Tage fort gewesen, aber die Uhr im Flur zeigte nur vier Stunden an. Es war kaum zu fassen, wie sich die Zeit dehnen konnte, wenn man im inneren Chaos gefangen war.

Drinnen angekommen, schloss ich die Tür hinter mir und ließ mich sofort unter die heiße Dusche fallen. Das Wasser prasselte auf meinen Körper, und ich schloss die Augen, um die Erinnerungen an die Kälte und den Hass, den ich in mir trug, abzuwaschen. Der heiße Dampf umhüllte mich, doch es war nicht genug, um die Last in mir zu verringern. Ich wischte mir die getrockneten Tränen aus dem Gesicht, aber die Traurigkeit blieb, ein hartnäckiger Schatten, der mir folgte. Der Schmerz in meinem Inneren war wie ein Wunden, die nie richtig heilen konnten. In den wenigen Momenten, in denen der Regen mich nicht überrollte, versuchte ich, das ganze Chaos in meinem Kopf zu verarbeiten, während das Wasser die Hitze meiner Haut durchdrang und mich für einen kurzen Moment von den qualvollen Gedanken befreite.

Ich drehte den Wasserhahn ab und stieg aus der Dusche. Das Badezimmer war dampfig, und ich sah mich im Spiegel an, versuchte, meine Züge zu erkennen, die von den letzten Jahren gezeichnet waren. Doch es war wie immer – ich erkannte mich nicht mehr. Der Mann, der mich anstarrte, war ein Fremder, ein Schatten dessen, was ich einmal war. Ich trocknete mich ab, nahm mir dann einen Moment, um innezuhalten, um nicht vor der Unausweichlichkeit meiner eigenen Verlorenheit davonzulaufen.

Nachdem ich mich abgetrocknet hatte, setzte ich mich auf das alte, abgenutzte Sofa in der Mitte meines kleinen Wohnzimmers. Es knarrte unter meinem Gewicht, als ich versuchte, durchzuatmen und die Gedanken zu ordnen, die wie ein Sturm in meinem Kopf tobten. Die Stille der Wohnung umgab mich, doch sie war erdrückend, als ob sie alles in mir ersticken wollte. In diesem Moment fiel mein Blick auf mein Handy, das auf dem Tisch lag, als hätte es in meiner Abwesenheit darauf gewartet, dass ich es wieder in die Hand nahm. Eine Nachricht von Emma blinkte auf dem Bildschirm. Wann hatte ich ihr eigentlich meine Nummer gegeben? Der Gedanke ließ mich kurz stocken. Plötzlich schien alles verschwommen, als ob ich in einen dichten Nebel eingetaucht wäre. Ein stechender Schmerz durchfuhr meinen Kopf, als versuchte jemand, in meinem Schädel eine Tür aufzubrechen. Es war der Versuch meines Unterbewusstseins, mich mit der Gegenwart zu konfrontieren, doch ich war zu schwach, zu erschöpft, um mich den Konsequenzen zu stellen.

Völlig benebelt von den übermäßigen Emotionen, kroch ich in die Küche, auf der Suche nach etwas, das den Schmerz dämpfen könnte. Es war kaum zu fassen, wie mein Leben sich verändert hatte. Vor Jahren hätte ich nicht einmal daran gedacht, mich so zu verhalten, doch hier war ich. Ich wusste, dass ich Schmerzmittel nur in dringendsten Notfällen nehmen sollte, besonders nachdem ich so viele Jahre gegen meine Sucht gekämpft hatte. Aber in diesem Moment schien alles anders. Der Druck in meinem Kopf war unerträglich, und ich fühlte mich, als könnte ich jeden Augenblick explodieren.

Ich durchsuchte die Schränke hastig, meine Hände zitterten vor Anspannung. Endlich fand ich die kleine Flasche mit den weißen Pillen. Der Anblick war sowohl eine Erleichterung als auch ein weiterer Stich ins Herz. Ich wusste, dass ich den schmalen Grat zwischen Hilfe und Selbstzerstörung überschritt. Aber die Qual war übermächtig. Ich öffnete die Flasche und schüttete einige der kleinen, weißen Pillen in meine Handfläche. Ich zählte sie hastig - drei - bevor ich sie ohne zu zögern mit einem Schluck Wasser hinunterspülte.

Die Minuten zogen sich in die Länge, und ich fühlte, wie die Wirkung langsam einsetzte. Der Schmerz in meinem Kopf ließ nach, und die Kälte in meinem Körper begann zu schwinden. Doch statt der erwarteten Erleichterung überkam mich ein Gefühl der Leere. Es war, als würde ich mich immer weiter von mir selbst entfernen. Ich konnte die Distanziertheit in meinem eigenen Körper spüren, als würde ich nicht mehr vollständig dazugehören. In der Dunkelheit, allein mit meinen Gedanken, kam der Drang, mich in den Erinnerungen an Tiffany und meine Mutter zu verlieren. Ihre Gesichter tauchten in meinem Kopf auf, als ob sie immer noch irgendwo im Hintergrund auf mich warteten, als wollten sie mir Vergebung schenken, doch ich wusste, dass es zu spät war.

Ich dachte an das Versprechen, das ich mir selbst gegeben hatte, nie wieder in die alten Muster zurückzufallen, und doch fühlte ich mich, als hätte ich gerade das Letzte aufgegeben, was mich davon abhielt, mich völlig zu verlieren. Das Gewicht meiner Vergangenheit drückte mich weiter nach unten, und ich hatte das Gefühl, dass ich in der Dunkelheit, in der ich mich befand, ertrinken würde. Ich war ein Schatten meiner selbst, unfähig, die Lichter zu finden, die mir einst Halt gegeben hatten.

Ich saß auf dem Sofa, umgeben von der Dunkelheit meiner Wohnung, und starrte ins Nichts. Die Nachricht von Emma verblasste in meiner Erinnerung, während die Gedanken an das, was verloren war, alles überfluteten. War ich wirklich bereit, das Licht zu suchen, oder war ich dazu verflucht in der kalten Einsamkeit zu leben

Mein Name ist Sam...Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt