Zaghaft klopfte ich an die Tür und wartete auf das Zeichen eintreten zu können.
Ein kurzes Moment der Stille folgte, dann hörte ich eine Stimme von drinnen: „Herein!"Ich öffnete die Tür und trat ein. „Ich wollte Ihnen nur die Berichte bringen und dann Feierabend machen", erklärte ich hastig, während mein Blick unwillkürlich nach Mona suchte. Es war mir wichtig, ihr aus dem Weg zu gehen, doch das gestaltete sich als schwieriger als gedacht.
Heute stand ich erneut direkt vor ihr, und die Spannung in der Luft war greifbar. Mona saß an ihrem Schreibtisch, umgeben von Akten und Notizen, die ihren Arbeitsplatz in ein kreatives Chaos verwandelten.„Hm, danke", murmelte sie und während sie aufstand, fiel mein Blick auf ihr Gesicht. Es war ein faszinierender Anblick: Ihre Augen funkelten neugierig und ich spürte einen Anflug von Nervosität, als sie auf mich zukam.
Mit einer fließenden Bewegung nahm sie mir die Mappe aus der Hand. Ihre Finger berührten die meinen für einen flüchtigen Moment und sofort durchlief mich ein elektrisierender Schauer. Gänsehaut breitete sich über meinen Arm aus, als ich die Wärme ihrer Berührung spürte.
Sie warf die Mappe mit einem leisen Klatschen auf ihren Schreibtisch und ich konnte nicht anders, als den intensiven Blick ihrer braunen Augen zu erwidern. Der Raum schien sich um uns herum zu verkleinern und ich fühlte, wie mein Herz schneller schlug.
„Hast du alles erledigt?", fragte sie mit einem leicht neugierigen Ton, der mir das Gefühl gab, dass sie mehr wollte als nur einen kurzen Austausch. Ich versuchte, meine Gedanken zu sammeln, während ich ihren Blick hielt.
„Ja, soweit. Ist alles erledigt ", stotterte ich und merkte, wie meine Stimme leicht zitterte.
„Das ist gut zu hören", sagte sie schließlich und lehnte sich etwas näher zu mir, als sie einen Blick auf die Mappe warf. „Ich schätze deine Arbeit wirklich. Du machst das gut Ella."
Ella. Meinen Namen wieder aus ihren Mund zu hören ließ mein Herz doch tatsächlich höherschlagen. Wie sehr ich das vermisst hatte. Wie sehr ich sie vermisst hatte.Ihre Hand wanderte sanft zu meiner Wange und mit einer zarten Geste strich sie mir eine lose Haarsträhne hinter das Ohr. Der Augenblick schien in die Länge gezogen, während ich ihren warmen Blick spürte, der tief in meine Seele zu dringen schien.
„Es freut mich, dass du wieder hier bist", sagte sie leise und ich musste schwer schlucken. Ihre Stimme war weich und die Worte schienen in der Luft zu hängen, während mein Herz schneller schlug.
Ich konnte nicht anders, als den Kontakt zwischen uns zu spüren, als wäre die Berührung ihrer Hand ein unsichtbares Band, das uns näher zusammenbrachte. Ein warmer Schauer lief mir über den Rücken und ich war mir nicht sicher, wie ich auf diese unerwartete Intimität reagieren sollte.
„Danke", murmelte ich schließlich, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Ich... ich habe dich auch vermisst." Flüsterte ich als ich mich an ihrer Worte in der Bar erinnerte.
Die Ehrlichkeit meiner eigenen Worte überraschte mich, ich hatte keine Ahnung warum ich das sagte und hätte mir am liebst auf meine Zunge gebissen. Auf ihren Lippen bildete sich ein Lächeln, nur kurz, aber es war sichtbar.Monas Hand lag immer noch sanft an meiner Wange, ihre Finger streichelten leicht meine Haut. Ich spürte die Wärme ihrer Handfläche und konnte mich kaum rühren. Mein Herz hämmerte in meiner Brust, als ich bemerkte, wie ihre Lippen sich mir näherten – eine Bewegung, langsam, als hätte sie alle Zeit der Welt. In mir tobte ein innerer Widerstand, ein leiser Protest, doch ich konnte ihn nicht in die Tat umsetzen. Meine Gedanken zersplitterten, meine Vernunft verflüchtigte sich in dem Moment, als ihre Lippen schließlich meine berührten.
Es war ein Kuss, leicht und flüchtig, als würde sie testen, ob ich ihn erwiderte oder nicht. Doch trotz seiner Zartheit durchströmte mich ein prickelndes Gefühl, das von meinen Lippen bis in jede Faser meines Körpers zog. Die Sekunden dehnten sich, und ich verlor mich in diesem Augenblick, in der Wärme, die sie ausstrahlte, in dem ungewollten Verlangen, das plötzlich in mir aufloderte.
Dann – fast wie ein Reflex – zuckte ich zurück, als hätte ich mich verbrannt. Mein Atem ging schneller, mein Herz raste, und für einen Moment wusste ich nicht, was ich sagen oder tun sollte. Ich räusperte mich und wich einen Schritt zurück, den Blick gesenkt, um die Verwirrung und Unsicherheit zu verbergen, die sich in meinen Augen spiegelte. Ohne ein weiteres Wort drehte ich mich abrupt um und verließ das Büro, das sich plötzlich viel zu eng und drückend anfühlte.
Kaum hatte ich die Tür hinter mir geschlossen, lehnte ich mich an die kühle Wand des Flurs, als könnte ich dort wieder klar denken. Meine Finger fuhren unbewusst über meine Lippen, auf denen noch ein Hauch des Kusses brannte. Was, um alles in der Welt, hatte ich da gerade getan?

DU LIEST GERADE
Die Professorin- Grenze Der Macht
Short StoryDies ist die Fortsetzung von dem ersten Teil ,,Die Professorin - Das Machtspiel", es empfiehlt sich also diesen Teil zuerst zu lesen. Ich wagte es nicht, die Augen zu öffnen, aus Angst, den Moment zu zerstören. Ihre Berührungen waren vertraut, aber...