Als Fips nicht locker ließ

159 11 9
                                    

„Es ist Teil deines Jobs, Urlaube zu genehmigen?“ fragte ich skeptisch und verschränkte die Arme. „Ich dachte, du versteckst bunte Eier.“

Fips winkte ab, als hätte ich ihm gerade das übliche Klischee serviert. „Ach, alles Vorurteile. Als Osterhase bin ich viel mehr als das. Eier verstecken ist nur ein winziger Bruchteil meiner Aufgaben. Wir reden hier von Reisen durch die Zeit, magischen Abenteuern und jetzt eben auch … Urlaubsgenehmigungen.“ Er grinste mich breit an, und seine Augen funkelten schelmisch.

„Also kommst du jetzt mit?“ fragte er hoffnungsvoll. „Biiittteeee. Ich brauche unbedingt eine hübsche Begleitung. Sonst denken alle, ich wäre langweilig.“

Ich lachte und schüttelte den Kopf. „Du gibst echt nicht auf, oder?“

„Niemals,“ erwiderte er und sah mich an, als wüsste er ganz genau, dass er mich längst fast überzeugt hatte. „Aber hey, du willst doch nicht, dass der arme Osterhase allein durch die Zeitzonen stapft, oder? Das wäre wirklich herzlos von dir, Cassy.“

Und mit einem gespielt flehenden Blick setzte er noch nach: „Komm schon, das wird der beste Trip deines Lebens.“

„Zeitzonen oder Epochen? Das macht jetzt schon einen Unterschied, Fips,“ sagte ich und hob eine Augenbraue.

Er lachte und wedelte ab. „Mein Gott, Cassy, pack einfach ’ne Unterhose mehr ein, dann merkst du den Unterschied schon nicht!“

Ich verschränkte die Arme und schüttelte grinsend den Kopf. „So einfach stellst du dir das also vor?“

„Natürlich!“ Er grinste breit und klopfte sich auf die Brust. „Ein bisschen Flexibilität, das ist das Geheimnis! Außerdem – mit mir als Reiseführer verpasst du keine Sehenswürdigkeit, egal ob Mittelalter oder die ferne Zukunft.“

„Na, das beruhigt mich ja ungemein,“ sagte ich trocken, konnte mir aber ein Schmunzeln nicht verkneifen.

„Na dann komm!“ rief Fips plötzlich begeistert, als hätte ich ihm gerade das Ja-Wort für das Abenteuer gegeben. Bevor ich auch nur protestieren konnte, lief er los – und prallte prompt voll gegen die verschlossene Tür.

Ich seufzte, während er sich vom Boden aufrappelte und die Tür mit schiefem Blick betrachtete. „Ich sagte doch, dass die Bibliothek bereits geschlossen hat.“

Er rieb sich mit gespielter Empörung die Stirn. „Woher soll ich denn wissen, dass du das so … wortwörtlich meinst?“ Dann sah er mich an, als wäre ich die eigentliche Gefahr hier. „An deinen Qualitäten als hübsche Reisebegleitung müssen wir wirklich noch feilen. So beschützt du mich ja nicht gerade vor drohenden Gefahren.“

„Oh, Entschuldigung, dass ich dich nicht vor der Tür gerettet habe,“ sagte ich trocken.

Er deutete auf eine Stelle vor sich auf dem Fußboden und hob gespielt empört eine Augenbraue. „Außerdem – den Dreck da hast du wohl übersehen, Miss Sauberkeit.“

Ich starrte ihn an und konnte nicht anders, als loszulachen. „Unglaublich. Gerade noch in einer misslichen Lage, und schon kritisierst du meine Putzkünste.“

„Das Leben verlangt Standards,“ verkündete er theatralisch und fuhr sich mit den Fingern durch die Ohren, als müsste er sich von diesem Staubschock erholen.

„Du meinst es also wirklich ernst mit deiner Reise zum Weihnachtsmann?“ fragte ich und konnte mir ein Kopfschütteln nicht verkneifen.

„Ja doch,“ stöhnte er genervt und verschränkte die Arme wie ein trotziges Kind. „Befreie uns endlich aus diesem Haus voller Buchstaben, und dann ab zu Klaus. Sonst haben wir bald ganz andere Sorgen als ein bisschen Dreck auf dem Fußboden. Mein Bruder darf nicht befreit werden.“

„Der auf dem Mond? Warum nicht?“

Fips stockte, überlegte kurz und zuckte dann mit den Schultern. „Hat Zeke, also der Sandmann, glaube ich so gesagt. Wird schon stimmen.“

Ich runzelte die Stirn. „Du weißt also nicht, warum dein Bruder auf den Mond verbannt wurde?“ fragte ich verwirrt.

Fips seufzte und warf mir einen leicht genervten Blick zu. „Ach, Cassy, ich weiß vieles nicht. Ich glaube, das liegt immer noch daran, weil ich sie damals alle im Heim verpetzt hatte … obwohl ich es eigentlich nicht sagen durfte.“

Ich schüttelte langsam den Kopf und musste unwillkürlich grinsen. „Du hast also die gesamte Weltordnung auf den Kopf gestellt, nur weil du mal als kleiner Hase deine Brüder verpetzt hast?“

„Na ja,“ sagte er und kratzte sich verlegen hinter einem der langen Ohren. „Vielleicht ein bisschen. Aber hey, was passiert ist, ist passiert. Also … machen wir uns jetzt auf den Weg oder willst du hier über mein Schicksal philosophieren?“

„Ich weiß nicht, wie du dir das vorstellst, Fips. Meine Mitbewohner würden doch gar nicht …“ Ich brach ab, als er mir plötzlich grinsend einen Zettel unter die Nase hielt. In großen, geschwungenen Buchstaben stand darauf „Abschiedsbrief.“

„Zu theatralisch?“ fragte er nachdenklich und legte den Kopf schief.

Ich schloss die Augen, atmete tief ein und wieder aus. Dieser Typ machte mich wahnsinnig. „Fips, das ist ein Abschiedsbrief in schönster Drama-Manier. Denkst du, ich kann einfach spurlos mit einem Kaninchen–“

„Bitte, ich bin ein Hase,“ unterbrach er mich mit einer ernsten Miene, als hätte ich ihn zutiefst beleidigt.

„– mit einem *Hasen* verschwinden und niemandem etwas erklären?“ Ich sah ihn an, aber er schien mein Dilemma überhaupt nicht ernst zu nehmen.

„Ach komm schon, Cassy, das hier ist eine Reise, wie man sie nur einmal im Leben bekommt! Deine Mitbewohner werden das schon verstehen.“ Seine Ohren wippten aufgeregt, und er grinste schief. „Außerdem – ich kann auch ein paar Abschiedsblumen organisieren. Dann sieht alles ganz … äh … durchdacht aus.“

Ich schüttelte nur den Kopf und versuchte, nicht zu lachen. „Also wirklich, Abschiedsblumen. Das ist jetzt auch noch Teil deines Jobs als Osterhase?“

Er grinste. „Es ist ein vielseitiger Beruf.“

Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt