Klaus?

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„Und jetzt komm endlich!“ Ohne weitere Diskussion griff ich nach Cassys Hand und zog sie mit mir aus der Wohnung, die nervigen Treppenstufen hinunter, bis wir endlich draußen waren.

„Und wie …?“ begann sie, doch ihr Satz blieb unvollendet, als ich ihre Hand fester umschloss und mit einem kräftigen Satz in die Luft sprang.

Die Welt um uns herum wurde zu einem Wirbel aus verschwommenen Linien, ein Kaleidoskop aus Farben und Formen, das sich mit einem Gefühl von schwereloser Geschwindigkeit mischte. Wie genau das alles funktionierte, bleibt an dieser Stelle mein gut gehütetes Geheimnis. Aber eines kann ich sagen: Es ist nichts für schwache Nerven.

Kurz darauf landeten wir sanft an unserem Ziel.

Ich grinste, während ich zu Cassy sah, die sich immer noch an mich klammerte. Ihre Augen waren fest zusammengepresst, und sie atmete hektisch, als hätte sie gerade einen Marathon gelaufen.

„Das Gefühl geht gleich vorbei,“ sagte ich verlegen und kratzte mich am Kopf. „Hab vergessen, dass dein Körper nicht so für diese Art von Reisen gemacht ist.“

„Geht's?“ fragte ich schließlich, als sie immer noch keine Anstalten machte, die Augen zu öffnen.

„Gleich … Schwindel,“ murmelte sie konzentriert und klang dabei, als hätte sie alle Hände voll zu tun, nicht umzukippen.

Danke Fips, an dieser Stelle übernehme besser ich wieder
Pov Cassy

Langsam öffnete ich die Augen und spürte, wie der Schwindel nachließ. Ich atmete tief durch, bevor ich mich endlich umsehen konnte. Wir standen inmitten eines Hofes, der von einem Hauch Vergangenheit umgeben war. Hühner pickten geschäftig im Boden, ihre Flügel gelegentlich aufgeregt schlagend. Ein Esel, nur wenige Meter entfernt angebunden, beobachtete uns mit neugierigen, wachen Augen. Alles wirkte … so anders, so alt.

„Wir müssen da lang, zur Stadt.“ Fips deutete auf einen Sandweg, der sich durch die Felder schlängelte. Noch zu überwältigt, um zu widersprechen, nickte ich nur stumm und machte meinen ersten Schritt – und sah dann an mir hinunter.

„Wo … ist meine Strumpfhose? Mein Rock? Meine Stiefel?“ fragte ich fassungslos. Statt meiner Kleidung trug ich etwas völlig anderes.

„Schick, oder?“ grinste Fips breit, stolz auf seinen kleinen Streich.

„Wie?!“ rief ich aus und funkelte ihn an.

„Damit du hier weniger auffällst. Immerhin kommst du jetzt aus der Zukunft für diese Menschen,“ erklärte er leichthin und zuckte die Schultern, als wäre das die offensichtlichste Sache der Welt.

Ich trug ein schlichtes, aber hübsches mittelalterliches Kleid. Es war aus grobem, cremefarbenem Leinen gefertigt, mit einer geschnürten Miederpartie, die meine Taille betonte, und weiten, langen Ärmeln, die an den Handgelenken mit einer Stickerei aus kleinen Blumen verziert waren. Der Rock fiel bis knapp über meine Knöchel, was bedeutete, dass meine Füße in schlichten Lederschuhen sichtbar waren. Kein Vergleich zu meinen Stiefeln, aber sie wirkten bequem. Über dem Kleid lag eine dünne braune Schürze, die den ländlichen Look perfekt abrundete.

„Das ist nicht euer Ernst …“ murmelte ich und zupfte an der Schürze, die mich irgendwie noch weiter in die Szenerie einfügte.

„Ich finde, das steht dir. Lass uns gehen!“ Fips marschierte los, als wäre alles geklärt.

Ich folgte ihm wortlos, immer noch versuchend, die Situation zu begreifen. Der Sandweg führte uns durch endlose Felder, die sich bis zum Horizont erstreckten. Hohe Halme wiegten sich im Wind, und die Sonne brannte warm auf meine Schultern. Es war friedlich – zumindest für einen Moment.

Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt