„Fips ... kann es sein, dass es Klaus gar nicht gibt?“ fragte ich vorsichtig und wählte meine Worte mit Bedacht.
Fips, der gerade dabei war, nervös mit seinen langen Ohren zu spielen, fuhr plötzlich zu mir herum. „Du fragst mich, den Osterhasen, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt? Merkst du selber, oder?“ Seine Stimme klang so empört, dass ich unwillkürlich einen Schritt zurücktrat.
„Ich meinte ja nur …“ Ich hob abwehrend die Hände, aber Fips war bereits in voller Empörung.
„Unglaublich. Ich opfere meine Zeit, nehme dich mit in dieses Abenteuer deines Lebens, und du wagst es, an Klaus zu zweifeln!“ Er verschränkte die Arme und schnaubte dramatisch.
Bevor ich etwas erwidern konnte, hellte sich sein Gesicht plötzlich auf. „Ich hab's! Ich ruf ihn an!“
Ich blinzelte ihn verwirrt an. „Anrufen?“
Er zog tatsächlich ein Handy hervor. Und nicht irgendein Handy – es war eingepackt in eine flauschige Plüschhülle mit Hasenohren. Ich starrte darauf und fragte mich, ob mein Verstand mir gerade einen Streich spielte.
„Du hättest ihn die ganze Zeit anrufen können?“ fragte ich langsam, meine Stimme triefend vor Unglauben. „Warum sind wir dann extra hierher gereist?“
Fips kratzte sich verlegen am Kopf. „Jetzt, wo du es so sagst …“ murmelte er, als hätte er den Gedanken zum ersten Mal in Betracht gezogen.
Ich legte mir eine Hand vors Gesicht und seufzte tief. „Ich fasse es nicht.“
Währenddessen tippte Fips mit beeindruckender Geschwindigkeit auf seinem Handy herum und hielt es sich schließlich ans Ohr. Seine Ohren zuckten nervös, während wir beide auf eine Antwort warteten. Doch die Sekunden verstrichen, und schließlich ließ er das Handy sinken.
„Geht niemand ran,“ brummte er und schüttelte den Kopf, bevor er das Handy wieder in den Gürtel schob. „Geschrieben hat mir auch keiner … pfff, und das nennt sich Familie.“
Er verschränkte die Arme und starrte mit gespielter Würde aus dem Fenster, während ich mich fragte, wie ich in diese absurde Situation geraten war.
„Wissen denn deine anderen Brüder vielleicht etwas?“ versuchte ich Fips auf die Sprünge zu helfen. Ich hatte mittlerweile das Gefühl, dass Organisation und Struktur nicht gerade zu seinen Stärken gehörten.
Fips schaute mich mit einem Gesichtsausdruck an, der irgendwo zwischen Unbehagen und Nachdenklichkeit lag. „Ruhn und Zeke? Ähm … naja … also, Ruhn macht halt mehr so sein eigenes Ding.“ Seine Ohren zuckten nervös. „Und Zeke …“ Er zögerte merklich. „Zeke mag mich nicht so.“
Die Art, wie er das sagte, ließ mich stutzen. Es klang nicht nur wie ein beiläufiger Konflikt, sondern als ob das wirklich an ihm nagte.
„Vielleicht wissen sie ja trotzdem, ob Klaus umgezogen ist oder so,“ schlug ich vor. „Sie werden doch sicher Kontakt zueinander haben, oder?“
Fips hob eine Augenbraue und sah mich an, als hätte ich gerade den absurdesten Vorschlag aller Zeiten gemacht. „Kontakt? Cassy, wir gehen uns so lange aus dem Weg, wie wir können. Das ist quasi die Grundlage unseres Familienmodells.“
Er lachte trocken, aber ich konnte sehen, wie ihn das insgeheim belastete. Seine Ohren begannen sich langsam hängen zu lassen.
„Ihr habt nicht das beste Verhältnis, was?“ fragte ich vorsichtig.
Fips schüttelte den Kopf. „Nicht mehr …“ Er atmete tief ein, und seine Stimme wurde leiser. „Das mit Eos hat damals alles verändert.“
Ich war neugierig, was genau mit diesem ominösen Bruder passiert war, aber ich merkte, dass Fips nicht darüber sprechen wollte – zumindest nicht jetzt. Stattdessen schien er sich wieder zusammenzureißen und versuchte ein gequältes Lächeln aufzusetzen.
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Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...