Nachdem Fips sich erneut erfolglos von einem Tischler hatte abwimmeln lassen – „Ich brauche keinen Hasen, ich brauche Nägel!“ hatte der Mann gebrummt – seufzte ich tief. Vielleicht lag es ja nicht an den Leuten, sondern an Fips’ seltsamen Methoden.
„Lass mich mal versuchen,“ sagte ich, als er wieder Anlauf auf die nächste ahnungslose Person nehmen wollte.
„Na gut,“ meinte Fips und trat gönnerhaft einen Schritt zurück. „Zeig’s mir, Menschenflüsterin.“
Ich ignorierte seinen spöttischen Ton und wandte mich an eine ältere Frau, die gerade einen Korb mit Äpfeln trug. „Entschuldigung,“ begann ich freundlich, „ich suche jemanden, vielleicht könnt Ihr mir helfen?“
Die Frau hielt inne und musterte mich mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis. „Was sucht Ihr denn?“
„Einen Mann, älter, mit einem langen weißen Bart und einer Vorliebe für rote Kleidung. Vielleicht habt Ihr ihn mal gesehen?“
Die Frau zog die Augenbrauen zusammen. „Älter? Weißer Bart? Meint Ihr den Abt? Der trägt zwar kein Rot, aber er ist ein gottesfürchtiger Mann.“
„Nein, kein Abt,“ sagte ich schnell und versuchte, ein Lächeln aufzusetzen. „Er ist eher so… ein Wohltäter. Jemand, der Freude bringt.“
Die Frau lachte trocken. „Freude bringt mir höchstens, wenn die Ernte gut ausfällt. Euer Wohltäter klingt wie ein Märchen.“
Ich bedankte mich höflich und ging weiter, während Fips mir mit einem süffisanten Grinsen folgte. „Na, läuft bei dir?“ fragte er.
Ich ignorierte ihn und sprach den nächsten Mann an, einen Fischer, der gerade seinen Fang anbot. „Verzeiht,“ begann ich, „habt Ihr in letzter Zeit jemanden gesehen, der nicht aus der Gegend stammt? Ein Mann mit einem weißen Bart vielleicht?“
Der Fischer runzelte die Stirn. „Nicht aus der Gegend? Meint Ihr die Kaufleute, die letzte Woche hier waren? Die hatten kein Weiß, aber einer von denen hat meinen besten Hering geklaut!“
„Äh, nein, ich meine…“ Ich seufzte. „Vielen Dank für die Information.“
Fips prustete vor Lachen. „Der Weihnachtsmann als Fischdieb! Das wär was.“
„Halt den Mund, Fips,“ murmelte ich und richtete meine Aufmerksamkeit auf einen jungen Mann, der Gemüse auf einem Karren anbot. „Entschuldigt, könnt Ihr mir vielleicht helfen? Ich suche jemanden…“
„Wenn Ihr Möhren sucht, die sind frisch!“ unterbrach er mich und hielt mir eine beeindruckend große Karotte hin.
„Nein, ich suche keinen…“ Ich brach ab, als Fips plötzlich neben mir auftauchte, die Möhre an sich riss und begann, daran zu knabbern.
„Ausgezeichnete Qualität!“ lobte er und klopfte dem verdatterten Verkäufer auf die Schulter.
„Fips!“ zischte ich. „Das hilft uns nicht!“
„Hast recht,“ murmelte er, wobei er genüsslich kaute. „Aber die Möhre ist fantastisch.“
Nach einer Stunde weiterer Fragen – die alle zu Geschichten über Müller, wandernde Händler oder ein verlorenes Schaf führten – lehnte ich mich erschöpft gegen eine Wand.
„Und?“ fragte Fips, die Ohren leicht schief gelegt.
„Nichts,“ stöhnte ich. „Entweder gibt es Klaus wirklich nicht mehr, oder er ist der am besten versteckte Mann der Welt.“
„Sag ich doch,“ meinte Fips und wedelte mit der Möhre. „Man muss sich nicht so anstrengen. Es bringt nichts.“
„Ich will es nur nicht aufgeben,“ murmelte ich. „Wenn er wirklich noch da ist, dann muss es doch jemanden geben, der etwas weiß.“
„Tja, Cassy,“ sagte Fips mit einem Grinsen. „Vielleicht bist du doch nicht so die Menschenflüsterin, wie du dachtest.“
Ich funkelte ihn an, aber ich konnte nichts darauf erwidern. Es war einfach zu frustrierend.
Nach einer weiteren Stunde saßen wir letztlich beide auf einem Strohballen und waren ratlos. Fips hatte ein gut schmeckendes Brot organisiert von dem ich mir ein weiteres Stück abbrach, um es zu essen.
"Vielleicht ist er wirklich nicht hier " gab Fips schließlich zu.
"Und jetzt?" fragte ich.
"Naja, bringe ich dich zurück oder..." er sah mich an "wir reisen zu einem meiner anderen Brüder"
"Du sagtest doch das sei gefährlich"
"Ja aber das stinkt hier doch alles gegen den Wind. Klaus würde nie einfach so verschwinden und das keiner was schreibt ist auch untypisch. Denen muss doch aufgefallen sein, dass ich weg war"
"Und zu wem willst du?"
"Ruhn ... definitiv Ruhn. Zeke ist die letzte Option... weil zeke immer die letzte Option ist" sagte er eifrig
"Was habt ihr gegen einander?" fragte ich schließlich.
"Er hat Entscheidungen in seinem Leben getroffen mit denen er selber nicht klar kommt und ich habe es ihm damals vor gehalten das es falsch war ... was er bis heute leugnet" Fips klang auf einmal auffallend ernst.Ich kaute langsam auf meinem Stück Brot herum, während ich Fips musterte. Es war das erste Mal, dass er nicht mit einem schiefen Grinsen oder einem albernen Spruch antwortete. Seine Ohren, die sonst lebhaft zuckten, hingen leicht schlaff.
„Das klingt… kompliziert,“ sagte ich vorsichtig.
„Ist es auch,“ antwortete er nach einer Weile und starrte auf den Boden. „Zeke war immer der Starke, der Mutige. Der, zu dem wir alle aufgeschaut haben. Aber irgendwann hat er angefangen, Entscheidungen zu treffen, die uns alle in Gefahr gebracht haben. Und statt es zuzugeben, hat er…“ Fips unterbrach sich, seine Nase zuckte. „Er hat uns den Rücken gekehrt. Einfach so. Als ob wir ihm nichts bedeuten.“
„Das klingt wirklich hart,“ sagte ich.
Er zuckte mit den Schultern. „Es war hart. Für alle. Vor allem für Klaus. Der war damals der Einzige, der noch an Zeke geglaubt hat. Der hat ihm immer wieder die Hand gereicht. Aber weißt du, was Zeke gemacht hat? Nichts. Kein Dankeschön, keine Entschuldigung, gar nichts. Er hat sich einfach zurückgezogen und sein Ding gemacht.“
Ich biss mir auf die Lippe. „Vielleicht war es seine Art, mit der Situation umzugehen?“
Fips schnaubte. „Vielleicht. Aber das macht es nicht besser. Weißt du, ich kann viel verzeihen. Wirklich. Aber nicht, wenn jemand sich selbst und alle anderen belügt. Und das ist Zeke. Ein wandelnder Haufen Ausreden.“
Wir schwiegen eine Weile. Irgendwie fühlte ich mich schlecht, obwohl ich keine Ahnung hatte, warum.
„Und Ruhn?“ fragte ich schließlich. „Ihr seid euch näher?“
Fips nickte langsam. „Ruhn ist… eigen. Er redet nicht viel und hält sich meistens aus allem raus. Aber wenn’s drauf ankommt, kann man sich auf ihn verlassen. Der ist ruhig, überlegt, und – ganz wichtig – er hat keine Probleme damit, Fehler einzugestehen. Auch wenn er mich manchmal ignoriert, glaube ich, dass er immer ein Auge auf uns hat.“
Ich nickte nachdenklich. „Also Ruhn wäre die bessere Wahl, wenn wir wirklich mehr über Klaus herausfinden wollen?“
„Definitiv,“ sagte Fips mit Nachdruck. „Zeke ist eine tickende Zeitbombe. Zu ihm gehen wir nur, wenn uns gar nichts anderes übrig bleibt.“
„Na gut,“ seufzte ich und brach mir ein weiteres Stück Brot ab. „Dann Ruhn. Aber wenn wir jetzt nochmal so eine wilde Zeitreise machen, könntest du vielleicht vorher eine Warnung geben? Ich brauche wenigstens einen Moment, um mich vorzubereiten.“
Fips grinste schief. „Klar. Ich bin ja kein Unmensch.“
Ich zog eine Augenbraue hoch. „Das beruhigt mich wirklich ungemein.“
„Ruhn wird uns weiterhelfen,“ sagte er zuversichtlich. „Und wenn nicht… tja, dann wird’s bei Zeke halt richtig spannend.“
Ich wusste nicht, ob mich das mehr beruhigte oder beunruhigte. Aber eins war sicher: Einfach zurück in mein altes Leben konnte ich jetzt nicht mehr.
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10 Kapitel und ein ziemlich chaotisches Abenteuer 🙃 naja so ist es eben, wenn man sich traut sich auf Fips einzulassen 😉
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Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...