"Alle gestärkt? Dann können wir ja los" grinste Fips und sprang auf. Doch bevor ich auch aufstehen konnte kamen zwei Männer in Rüstung auf uns zu.
"Du" sagte der eine und zeigte auf Fips.
"Ja?" fragte dieser möglichst unschuldig
"Wir haben dich überall gesucht wegen des Diebstahls. Im Namen des Königs..."„Moooment mal,“ unterbrach Fips den Soldaten und hob beide Hände in einer dramatischen Geste. „Von welchem Diebstahl reden wir hier genau? Ich klaue nämlich äußerst selten, und wenn, dann nur Dinge, die niemand vermisst!“
Die beiden Soldaten sahen sich kurz an, dann funkelte der erste ihn an. „Der königliche Schatzmeister meldete, dass aus den königlichen Gärten…“ Er hielt kurz inne, als würde ihm selbst nicht ganz glauben, was er sagen wollte. „…ein goldener Kohlkopf gestohlen wurde.“
Ich blinzelte verwirrt. „Ein… Kohlkopf?“ flüsterte ich zu Fips.
„Das war ein *unfassbar schöner* Kohlkopf!“ protestierte Fips empört. „Er hat so golden im Sonnenlicht geglänzt, dass ich dachte, er sei für alle da!“
„Es ist ein Symbol der königlichen Fruchtbarkeit und des Wohlstands!“ fuhr der zweite Soldat wütend dazwischen. „Und du hast es aus der Mitte des Gartens gestohlen, wo es seit Generationen liegt!“
Fips legte eine Hand aufs Herz. „Also erstens: Wer lässt bitte einen Kohlkopf einfach so rumliegen, wenn er so wichtig ist? Und zweitens: Ich habe ihn nicht gestohlen – ich habe ihn… ähm… bewundert! Mitgenommen, ja, aber nur, weil ich dachte, er braucht frische Luft.“
„Bewundert?“ Ich starrte ihn an. „Du hast einen goldenen Kohlkopf gestohlen und dachtest, das merkt keiner?“
„Ich habe doch vorgehabt, ihn zurückzubringen!“ Fips klang aufrichtig beleidigt. „Ich hatte nur noch keine Gelegenheit, weil ich plötzlich in diese ganze Weihnachtsmann-Sache reingezogen wurde.“
„Das glaubst du doch selbst nicht,“ knurrte der erste Soldat und zog seine Waffe.
„Warte, warte!“ rief Fips und hob beschwichtigend die Hände. „Ich biete euch einen Deal an!“
„Einen Deal?“ Der zweite Soldat zog die Augenbrauen zusammen.
„Ja! Wenn ihr mir erlaubt, den Kohlkopf zurückzubringen und mich dabei nicht weiter verfolgt, verspreche ich…“ Er überlegte einen Moment. „…euch jedem ein Ei zu schenken! Handbemalt, einmalig, Meisterklasse!“
Ich schlug mir die Hand vor die Stirn. „Fips, das ist nicht dein Ernst.“
„Doch, doch!“ Er grinste breit. „Das sind Unikate! Der König wird begeistert sein. Außerdem: Wollt ihr wirklich wegen eines Kohlkopfes ewig Ärger machen? Wir haben doch alle Wichtigeres zu tun!“
Die Soldaten sahen sich unsicher an. Schließlich schnaubte der erste. „Wir nehmen dich trotzdem mit. Du kannst das dem König selbst erklären.“
Fips zuckte mit den Schultern und sah mich an. „Tja, Cassy. Scheint, als müssten wir einen Abstecher zum König machen. Aber hey – ich bin super im Verhandeln!“
„Das wage ich zu bezweifeln,“ murmelte ich, als die Soldaten ihn am Arm packten und uns beide Richtung Schloss zerrten.
Um die ganze Situation nicht all zu schlecht für mich aussehen zu lassen, sollte ich euch das ganze beim König wohl besser erzählen
Pov FipsDiese Dummköpfe trugen mich regelrecht ins innere des Schlosses. Ich musste zugeben, dass ich mich gar nicht wirklich an diesen Kohlkopf erinnerte.
"Zwingt dich dieses Geschöpf mit ihm zu reisen?" hörte ich den Typen hinter mir Cassy fragen.
"So ein Blödsinn" protestierte ich.
"Du hälst die Klappe" fuhr mich der andere an.
"Er zwingt mich zu gar nichts" antwortete nun auch endlich Cassy.
Eine große Tür wurde geöffnet und wir beide regelrecht in den Thronsaal geschmissenIch rappelte mich auf und klopfte den Staub von meinem Fell. Das war ja wohl eine Behandlung, wie sie nicht mal einem gemeinen Dieb zustand – geschweige denn einem weltberühmten, zugegeben *leicht verkannten*, Helden wie mir!
Cassy stand schon und sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Sag mir bitte, dass du jetzt einen genialen Plan hast.“
„Natürlich habe ich einen Plan!“ murmelte ich, während ich mich umsah. Der Thronsaal war beeindruckend, mit hohen Decken, schweren Vorhängen und einem Boden aus Marmor, der bei jedem Schritt hallte. Der König selbst saß auf einem pompösen Thron, die Krone schief auf dem Kopf, und sah aus, als hätte er gerade einen sehr langen und sehr langweiligen Tag hinter sich.
„Euer Majestät!“ rief ich mit einer eleganten Verbeugung, bei der meine Ohren kunstvoll nach hinten wehten. „Es ist mir eine Ehre, vor euch zu stehen!“
„Das ist er, Majestät!“ plärrte einer der Soldaten hinter mir. „Der Dieb des königlichen Kohlkopfes!“
„Ach, das ist also der Übeltäter?“ Der König lehnte sich vor, wobei er skeptisch auf mich herabblickte. „Ein… Hase?“
„Mit Verlaub, Majestät,“ begann ich und legte eine Hand aufs Herz. „Ich bin nicht nur ein Hase – ich bin *der* Hase! Fips, der Osterhase, Retter verlorener Kinderträume, Verteidiger des Frühjahrs und – wie ich sehe – euer größter Fan!“
Cassy stöhnte leise und murmelte: „Das wird ja immer schlimmer.“
Der König hob eine Augenbraue. „Du wagst es, hier aufzutauchen, nachdem du meinen Kohlkopf gestohlen hast?“
„Gestohlen?“ rief ich entrüstet. „Majestät, wie könnt ihr so etwas von mir denken? Ich habe euren edlen Kohlkopf lediglich geliehen! Ich wollte ihn studieren, um die einzigartige Kunstfertigkeit zu würdigen, mit der er geschaffen wurde. Es war reine… Wertschätzung!“
„Wertschätzung?“ donnerte der König, während sein Gesicht eine alarmierende Rottönung annahm. „Du hast ein Symbol meines Königreichs entwendet!“
„Ich habe es entführt, nicht entwendet,“ korrigierte ich. „Es war ein emotionaler Moment, Majestät. Aber ich wollte ihn zurückbringen! Wirklich!“
„Wann?“ fragte der König kalt.
„Ähm… irgendwann? Bald?“ Ich wich seinem stechenden Blick aus.
„Fips,“ flüsterte Cassy neben mir. „Du machst es schlimmer.“
„Hast du vielleicht eine bessere Idee?“ zischte ich zurück.
Bevor sie antworten konnte, donnerte der König: „Hase, ich sollte dich in den Kerker werfen!“
„Oh, das wäre ein Fehler, Majestät!“ Ich hielt dramatisch beide Hände in die Luft. „Denn ich bin auf einer heiligen Mission, die das Schicksal aller Wesen betrifft – selbst eures geliebten Kohlkopfes!“
„Das Schicksal… des Kohlkopfes?“ Der König klang jetzt eher verwirrt als wütend.
„Genau!“ Ich nickte eifrig. „Euer Symbol des Wohlstands war in Gefahr, deshalb habe ich es in Sicherheit gebracht! Und wenn ihr mich jetzt einsperrt, wird es nie wieder an seinen rechtmäßigen Platz zurückkehren.“
Der König starrte mich an, als könne er nicht glauben, was er da hörte. „Du hast meinen Kohlkopf also nicht einfach gestohlen, sondern *gerettet*?“
„Ganz genau, Majestät! Ich bin euer Held!“
Die Spannung im Raum war spürbar, während der König überlegte. Cassy legte eine Hand auf meine Schulter. „Wenn wir hier lebend rauskommen,“ flüsterte sie, „schulde ich dir trotzdem noch eine Standpauke.“
„Das nehme ich in Kauf,“ flüsterte ich zurück, grinsend.
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Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...