Fips der kleine Dieb

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Werft sie in den Kerker. Vielleicht hört er dann auf so einen Schwachsinn zu reden" donnerte die Stimme des Königs durch den Saal. Verdammt.
"Aber euer Hoheit" rief ich, als mich bereits zwei Ritter packten.
"Schweigt!" schrie der König.
Von der Seite funkelte mich nun auch Cassy wütend an. Sie wurde ebenfalls von zwei Rittern gepackt und wie ich aus dem Saal geschliffen.
Ich gab alles um die Ritter zu überzeugen uns los zu lassen.

„Wartet, wartet! Ihr macht einen schrecklichen Fehler!“ rief ich, während mich die Ritter unsanft aus dem Saal zerrten. „Ich bin nicht nur ein gewöhnlicher Hase, ich bin der *einzige* Hase, der euch retten kann!“ 

„Schweigt,“ knurrte einer der Ritter, während er mich fester packte. 

„Nein, ihr versteht nicht!“ Ich strampelte ein wenig, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. „Ohne mich ist das Königreich dem Untergang geweiht! Pest, Hunger, Chaos – alles, weil ich hier im Kerker schmoren werde, statt draußen Großes zu vollbringen!“ 

„Fips, halt einfach den Mund,“ murmelte Cassy, die neben mir ebenfalls unsanft in die Gänge geschoben wurde. 

„Du würdest dir wünschen, dass ich den Mund halte, wenn die Apokalypse kommt!“ erwiderte ich dramatisch. „Aber gut, wenn ihr denkt, dass ein verlorener Kohlkopf wichtiger ist als das Schicksal der Welt – bitte! Sperrt den Retter eurer Kinder ein!“ 

„Kinder?“ fragte einer der Ritter skeptisch. 

„Ja! Kinder!“ Ich versuchte, mich aus seinem Griff zu winden, um meine Argumentation mit einer Handbewegung zu untermauern. „Ohne mich wird es keine bunten Eier mehr geben, keine Osternester, keine... ähm... Hoffnung! Ihr wollt doch nicht, dass die Kinder weinen, oder?“ 

„Du bist nicht ganz richtig im Kopf, oder?“ fragte der zweite Ritter und packte mich noch fester. 

„Nicht richtig im Kopf?“ Ich war entrüstet. „Das sagen sie immer über Visionäre! Galilei, Leonardo, ich – wir alle wurden missverstanden!“ 

„Fips!“ zischte Cassy scharf. „Du machst es schlimmer.“ 

„Ich mache es besser!“ entgegnete ich und wandte mich an die Ritter. „Hört zu, ich weiß, wie das hier aussieht. Aber glaubt ihr wirklich, ein Kohlkopf rechtfertigt das alles? Hört ihr euch überhaupt zu? Ein Kohlkopf! Er ist grün, rund und... naja, ehrlich gesagt, ich erinnere mich nicht mal an ihn. Das beweist doch, dass er nicht so wichtig sein kann, oder?“ 

„Ruhe!“ befahl einer der Ritter, aber ich ignorierte ihn. 

„Oder vielleicht war der Kohlkopf verflucht!“ Ich schnappte nach Luft, als mir ein neuer Gedanke kam. „Ja, verflucht! Vielleicht habe ich das Königreich gerade gerettet, indem ich ihn mitgenommen habe. Das ist es! Ihr solltet mir danken, nicht mich einsperren!“ 

Die Ritter wechselten einen vielsagenden Blick, bevor sie beide gleichzeitig seufzten. „Kerker,“ murmelte einer. 

„Ihr werdet es bereuen!“ rief ich, als sie uns die kalten, dunklen Treppen hinunterführten. „Wenn die Welt ohne mich untergeht, kommt nicht weinend zu mir! Cassy, sag ihnen, wie wichtig ich bin!“ 

„Ich sage dir, wie wichtig du bist, wenn wir hier rauskommen,“ fauchte Cassy und funkelte mich an. 

Na großartig. Das war nicht mein Tag.

Wir wurden in zwei gegenüber liegende Zellen geworfen. Ich rappelte mich sofort auf und rüttelte an den Gitterstangen. Wieder versuchte ich die Ritter dazu zu bewegen uns frei zu lassen.

„Ihr begeht einen schrecklichen Fehler!“ rief ich und rüttelte energisch an den Gitterstangen. „Ihr werdet mich vermissen, wenn ich nicht da bin, um das nächste große Königreichsproblem zu lösen!“ 

Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt