Die Definition von Absurdität

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Die Welt verschwamm ein weiteres Mal in einem Strudel aus Farben und Formen, während Fips meine Hand fest hielt und uns durch die Luft zog. Es fühlte sich an, als würde die Schwerkraft ihre Regeln völlig vergessen – oben und unten waren nicht mehr zu unterscheiden, und mein Magen protestierte heftig gegen diese Art der Fortbewegung. 

„Fips!“ rief ich, während mein Griff um seine Hand sich noch verstärkte. „Wohin bringen wir uns diesmal?“ 

„Weg von den Rittern, was sonst?“ rief er über den dröhnenden Klang unseres Dimensionssprungs hinweg. 

Plötzlich riss das bunte Chaos um uns herum auf, und wir landeten – mehr oder weniger unsanft – auf einem weichen, moosigen Boden. Ich stolperte und fiel rücklings in das Gras, während Fips sich elegant abrollte und dann triumphierend in die Höhe sprang. 

„Perfekte Landung!“ verkündete er stolz, während ich mich mühsam wieder aufrichtete. 

„Perfekt?“ keuchte ich und klopfte mir Erde von meinem Kleid. „Du nennst das perfekt? Mein Magen hat das Gefühl, er hätte gerade einen Looping gemacht!“ 

Fips grinste nur. „Gewöhnungssache. Beim nächsten Mal läuft's besser.“ 

Ich sah mich um, während mein Herz noch immer gegen meine Rippen hämmerte. Wir waren in einem Wald gelandet, die dichten Bäume ragten hoch in den Himmel, und das Sonnenlicht brach sich in tanzenden Mustern auf dem Boden. Es war ruhig, fast friedlich – keine Anzeichen von Rittern oder unseren Verfolgern. 

„Wo sind wir?“ fragte ich schließlich. 

„Puh, irgendwo sicher, hoffe ich,“ sagte Fips, während er einen Baumstamm umrundete und die Gegend prüfend musterte. „Ich hab keine exakte Adresse eingegeben, nur 'irgendwo nicht dort'.“ 

Ich hob eine Augenbraue. „Du kannst die Dimensionen und Zeiten durchreisen, aber keine Zielkoordinaten angeben?“ 

„Hey, ich bin ein Osterhase, kein Navi!“ frotzelte er und deutete auf den weichen Moosboden. „Na komm, atme mal tief durch, genieß die Natur. Alles halb so wild.“ 

Ich seufzte und ließ mich auf einen Baumstumpf sinken. Die frische Luft half tatsächlich, mein aufgewühltes Inneres zu beruhigen. Doch die Ruhe hielt nicht lange an. 

Ein Rascheln ertönte in den Büschen, gefolgt von einem tiefen, kehligem Knurren. 

„Was war das?“ flüsterte ich angespannt, während ich aufsprang. 

Fips hielt inne, seine Ohren stellten sich kerzengerade auf, und seine Augen weiteten sich. „Äh … nichts Gutes,“ sagte er leise. 

Das Knurren wurde lauter, und aus den Schatten trat ein riesiger Wolf, seine Augen glühten bedrohlich, und sein Maul war leicht geöffnet, die Zähne blitzten in der Sonne. 

„Zeit zu rennen!“ rief Fips und packte wieder meine Hand.  

Keuchend ließ ich mich auf meine Knie sinken und versuchte, meine Atmung wieder unter Kontrolle zu bringen. Das Adrenalin rauschte noch immer durch meinen Körper, und mein Herz hämmerte wild. Neben mir japste auch Fips nach Luft, während er sich gegen einen Baumstamm lehnte. 

„Jo, was seid ihr denn für ein Karnevalsverein?“ 

Die Stimme ließ mich zusammenzucken. Ich hob den Kopf und blinzelte. Vor uns stand ein Typ, der so gar nicht in den düsteren Märchenwald passen wollte. Er trug eine leuchtend rote Bomberjacke, eine rote Baseballmütze mit der Aufschrift „Supreme“ und weiße Turnschuhe, die definitiv keinen Schritt durch den Matsch dieses Waldes gemacht hatten. 

Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt