Pov Cassy
Das Hotel war anders, als ich erwartet hatte – elegant und doch gemütlich, mit weichen Teppichen, die unsere Schritte verschluckten, und einem einladenden Empfangsbereich. Überall standen Sessel in warmen Farben, und hinter dem Tresen aus dunklem Holz leuchteten kleine Lampen mit einem goldenen Schimmer. Die Atmosphäre wirkte fast magisch, aber auf eine heimelige, beruhigende Weise.
„Willkommen im Hotel zum Zahn!“ erklang plötzlich eine freundliche Stimme hinter uns.
Ich fuhr herum und sah eine junge Frau, deren graue Haare zu einem ordentlichen Knoten gebunden waren. Sie trug ein rotes Pagen-Outfit, das ihr überraschend gut stand, und lächelte uns herzlich an.
„Ihr habt ja gar kein Gepäck dabei!“ stellte sie fest und musterte uns neugierig.
„Wir sind auch keine Gäste,“ murmelte Fips und rollte mit den Augen. „Wir suchen meinen Bruder.“
Die Frau riss die Augen auf. „Die Zahnfee?“ Ihre Stimme klang begeistert. „Wie aufregend! Er hat gar nicht gesagt, dass wir jemanden aus der Familie erwarten.“
Fips zog eine Augenbraue hoch. „Hat er nicht,“ sagte er trocken. „Und jetzt sind wir hier. Wo ist er?“
„Er ist aber nicht da,“ fügte sie schnell hinzu, ihre Euphorie schwand, und sie wirkte plötzlich nervös.
„Wie bitte?“ fragte Fips ungeduldig. „Und wo ist er? Wir müssen dringend mit ihm sprechen.“
Die Frau rieb sich die Hände und lachte verlegen. „Nun ja … das ist ein bisschen kompliziert. Er ist seit ein paar Monden verschwunden. Es gab so ein paar … Probleme.“
„Was für Probleme?“ fragte ich, bevor Fips vor Ungeduld explodieren konnte.
„Naja, ähm … wie soll ich das sagen?“ Sie schien nach den richtigen Worten zu suchen, ihre Augen wanderten zwischen uns hin und her. „Er hat … seine dunkle Seite verloren.“
Ich runzelte die Stirn und sah zu Fips, der genauso ratlos wirkte wie ich. „Seine dunkle Seite?“ fragte er schließlich.
Die Frau nickte. „Ja. Ihr wisst schon, die Balance zwischen Licht und Dunkelheit, die notwendig ist, damit er seine Kräfte behält. Ohne seine dunkle Seite kann er … naja, nur noch begrenzt arbeiten. Und das hat ihn geschwächt.“
„Moment, Moment,“ unterbrach Fips sie und hob die Hände. „Ruhn ist die Zahnfee. Er sorgt dafür, dass Zähne magisch verschwinden. Was hat das mit einer dunklen Seite zu tun?“
Die Frau schüttelte den Kopf. „Seine Arbeit ist komplexer, als die meisten denken. Er sorgt nicht nur für das Wohlbefinden der Menschen, er balanciert auch ihre innere Dunkelheit aus. Ohne diese Fähigkeit kann er nicht vollständig arbeiten. Die dunkle Seite ist … ein Teil von ihm. Sie gibt ihm Kraft und Macht.“
Ich sah Fips an. „Wusstest du davon?“
Er schüttelte langsam den Kopf, während er mit offenem Mund starrte. „Das ist das erste Mal, dass ich davon höre. Warum hat er uns das nie erzählt?“
„Wahrscheinlich, weil er es nicht wollte,“ antwortete die Frau leise. „Er ist stolz, weißt du? Ruhn teilt seine Sorgen nicht gern, selbst wenn er Hilfe bräuchte.“
„Und was genau bedeutet das?“ fragte ich.
„Ohne seine dunkle Seite verliert Ruhn nach und nach an Kraft,“ erklärte sie. „Er kann immer weniger Menschen helfen, seine magische Präsenz verblasst. Wir haben ihn gebeten, eine Lösung zu suchen, aber …“ Sie zögerte. „Er hat sich zurückgezogen und gesagt, er müsse sich allein darum kümmern. Und dann … ist er einfach verschwunden.“

DU LIEST GERADE
Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...