Pov Cassy
Ich folgte Azhar durch die endlose Wüste. Der kleine goldene Drache flatterte aufgeregt vor mir her, seine Schuppen funkelten wie die Sonne, die sich langsam dem Horizont näherte. Dafür, dass es schon Abend wurde, war es immer noch viel zu heiß, und der Sand unter meinen Füßen fühlte sich an, als würde er glühen.
„Es ist nur noch durch diese Düne“, rief Azhar, seine Stimme ein Hauch von Euphorie.
„Das ist gut“, keuchte ich und kämpfte mich weiter durch den endlosen Sand. Ich war müde, völlig durchgeschwitzt, und meine Geduld war schon vor Stunden irgendwo im Sand begraben worden.
Mein Blick fiel auf meine Füße. Barfuß. Ich blieb stehen, meine Gedanken stockten. Hatte ich nicht vorhin noch Schuhe getragen? Aber bevor ich überhaupt Zeit hatte, mich weiter zu wundern, trug ich sie wieder – meine braunen Lederschuhe, als wäre nichts gewesen.
„Bestimmt nur die Hitze“, murmelte ich und setzte mich wieder in Bewegung. Vielleicht war mein Körper einfach am Ende.
Ich wollte das Tuch von meinem Gesicht ziehen, um besser Luft zu bekommen, doch als ich auf meine Hand blickte, erstarrte ich. Eine Bronüle. Ein langer Schlauch hing daran und führte irgendwohin, wo ich ihn nicht sehen konnte.
„Was ist das?!“ schrie ich panisch, meine Stimme überschlug sich.
Doch noch bevor Azhar reagieren konnte, war es weg. Die Bronüle, der Schlauch – einfach verschwunden. Ich starrte auf meine Hand, die jetzt völlig normal aussah, und atmete schwer.
„Das ist die Düne“, sagte Azhar schließlich mit einem ernsten Blick. „Sie konfrontiert dich mit deinen tiefsten Gefühlen und Erinnerungen. Es ist ein Schutz, den der Sandmann errichtet hat, um ungebetene Gäste fernzuhalten.“
„Der Typ wird mir ja immer sympathischer“, knurrte ich und schüttelte den Kopf. Trotzdem ging ich weiter, auch wenn mein Herz noch immer schneller schlug.
Plötzlich tauchte direkt neben mir ein Krankenhausbett auf. Mein Atem stockte. Ich wusste, dass ich es ignorieren sollte, aber mein Blick wanderte automatisch zu dem kleinen Schild daran. Da stand mein Name.
„Nein.“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Nein, nein, nein.“
Das Bett verschwand so schnell, wie es aufgetaucht war, doch stattdessen segelte eine Kinderzeichnung im Wind auf mich zu. Ich versuchte, wegzusehen, doch meine Augen fanden das Bild trotzdem. Ein krakeliger Weihnachtsbaum, daneben die vertraute Handschrift meiner Mutter: *„Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir nichts anderes, als dieses Jahr endlich nach Hause zu können.“*
„Sehr lustig, du scheiß Düne!“ Meine Stimme bebte, während ich auf das Papier trat, als könnte ich es so aus meinem Kopf löschen.
Und dann war es wieder da. Das Gefühl, barfuß zu sein. Um meine Beine wehte das hässliche, viel zu dünne Krankenhaushemd. Ich konnte die sterile Luft riechen, obwohl ich wusste, dass das unmöglich war.
„Komm, Cassy. Wir haben es gleich geschafft“, sagte Azhar, seine Stimme sanft, aber eindringlich. Er zog leicht an meiner Hand, als wolle er mich zurückholen, doch ich konnte nicht aufhören, zu starren.
„Das soll aufhören“, murmelte ich, meine Hände zitterten. „*Hör auf!*“ schrie ich schließlich und schloss die Augen.
Als ich sie wieder öffnete, war das Krankenhaushemd verschwunden. Stattdessen trug ich wieder mein weißes Outfit, das allerdings mittlerweile so dreckig war, dass es kaum noch als weiß durchgehen konnte.
Ich atmete tief durch und ging weiter. Egal, was diese verdammte Düne mir zeigen wollte, ich würde es nicht zulassen. Es war nicht echt. Es war nicht echt. ES. WAR. NICHT. ECHT.
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Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...