Haltet euch fest und ja ihr lest richtig. Mein Lieblingsbruder (ich musste das Schreiben, eine seiner zahlreichen Bedingungen damit er dieses Kapitel überhaupt schreibt) lässt euch teilhaben an dieser Blamage seines Lebens. Man sieht nicht alle Tage einen leidenden Zeke. So aber nun Handys weg stecken, man soll leidende Menschen nicht fotografieren.
Pov Zeke
Ich saß da, gefesselt wie ein Lamm vor der Schlachtbank, und beobachtete Cassy. Sie wirkte angespannt, fast ängstlich. Das war kein Wunder – sie wusste, was kommen würde. Aber ich? Ich war erstaunlich ruhig. Vielleicht lag es daran, dass ich mich endlich entschieden hatte, die Sache anzugehen. Oder vielleicht war es die Ablenkung: Cassy sah einfach zu gut aus, um an Schmerz und Wahnsinn zu denken.
Es erinnerte mich an meine Zeit im Heim, wenn ich ehrlich bin. Damals waren es die strengen Aufseherinnen, die mir das Gefühl gaben, ausgeliefert zu sein. Nur war das hier ein völlig anderes Spiel. Diese Frau, die vor mir stand, war weder eine autoritäre Aufpasserin noch eine Gegnerin, sondern jemand, der mir helfen sollte. Und, na ja, die Damen im Heim waren bei weitem nicht so interessant. Cassy war ein Kontrast in jeder Hinsicht: Unsicher und doch mutig, menschlich und trotzdem hier, in unserer chaotischen Welt.
Natürlich war mir klar, dass meine Brüder diesen Part nicht übernehmen konnten. Die waren viel zu weich, viel zu voller Mitleid. Fips? Der hätte es nie übers Herz gebracht. Klaus? Der mag harte Entscheidungen treffen, aber ich wollte diesen Moment nicht mit einem finsteren Blick aus seiner Richtung teilen.
Nein, wenn ich schon durch die Hölle gehen musste, dann bitte mit Stil. Und welcher Stil wäre besser als der hier? Gefesselt auf dem Boden, während die einzige hübsche Frau im Raum mir den Trank einflößt, der alles verändern soll. Dramatisch, aber nicht ohne Klasse.
Ich lächelte sie an – nicht spöttisch, eher ermutigend, zumindest dachte ich das. Ob sie das auch so wahrnahm, war eine andere Frage.
Ich starrte in Cassys Augen, während sie mir die Phiole reichte. „Jetzt ist es an dir,“ sagte ich leise, so leise, dass ich kaum sicher war, ob sie es gehört hatte. Ihre Hände zitterten, als sie das Glas an meine Lippen führte. Ich bewunderte ihren Mut – oder war es Unwissenheit? Es spielte keine Rolle mehr.
Der erste Schluck war wie Feuer. Flüssiges, brennendes Feuer, das sich die Kehle hinunterfraß und in meiner Brust explodierte. Meine Hände krampften, mein Atem stockte. Der Schmerz war augenblicklich, erbarmungslos. Ich wollte mehr trinken, aber mein Körper verweigerte den Gehorsam. Meine Muskeln zogen sich zusammen, als wollte ich die Flüssigkeit aus mir herauspressen, doch sie blieb – und mit ihr das Brennen.
Ich riss den Kopf in den Nacken, keuchte, rang nach Luft. Irgendetwas stammelte ich, Worte, die kaum zusammenhängend klangen, selbst für mich. Doch dann drang ihre Stimme zu mir durch – leise, beruhigend, fast sanft: „Ich weiß, aber du musst es schaffen, Zeke. Du musst.“
Ihre Entschlossenheit war eine Ankerleine in einem Sturm. Die Phiole berührte erneut meine Lippen, und ich zwang mich, einen weiteren Schluck zu nehmen. Doch mein Körper protestierte lautstark. Mein Kopf drehte sich zur Seite, um den Fluss zu stoppen, ein Reflex, den ich nicht kontrollieren konnte. Der Schmerz raste durch mich, wie Klingen, die unter meiner Haut zersprangen.
Ich schrie, trat, wand mich in den Fesseln. Es fühlte sich an, als würde etwas aus mir herausgerissen, als würden Fetzen von mir weggezerrt, unbarmherzig und brutal. Cassy sprach weiter, doch ihre Worte erreichten mich kaum. Alles in mir tobte, als hätte die Dunkelheit selbst die Kontrolle übernommen.
Dann packte sie meinen Kiefer. Ihr Griff war fest, ihre Stimme klar, auch wenn sie aus einer anderen Welt zu kommen schien. „Zeke, öffne deinen Mund!“
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Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...