Zekes Regeln

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„Außerdem kann sie mit dem Outfit nicht in die Traumwelt,“ bemerkte Zeke mit abschätzendem Blick und ließ seine Augen kritisch über mich wandern. 

„Es liegt an der roten Strumpfhose, hab ich recht?“ fragte Azhar spitzbübisch von meiner Schulter aus. 

„Wohl eher an der Kleidlänge. Etwas kurz,“ warf Rhun ein, und seine Stimme trug diesen typischen, nachdenklichen Unterton, als ginge es um weit mehr als nur meine Kleidung. 

„Was habt ihr heute alle gegen das, was ich anziehe?“ fragte ich empört, den Blick an mir herabgleitend. Das Kleid ging mir bereits bis zu den Knien, also wirklich! 

Zeke verschränkte die Arme und warf einen Seitenblick auf Rhun. „Wenn sie mitkommt, entscheide ich darüber, was sie trägt.“ 

Bevor ich mich weiter beschweren konnte, trat er vor, griff in den kleinen Beutel an seinem Gürtel und schleuderte eine Handvoll goldenen Sand in meine Richtung. Ich hatte keine Chance, auszuweichen – nicht, dass das etwas geändert hätte. 

Kaum hatte der Sand meine Haut berührt, spürte ich, wie sich das Material meiner Kleidung veränderte. Das Gefühl war merkwürdig: leicht prickelnd, wie ein warmer Windstoß. 

Als ich nach unten sah, um die Veränderungen zu begutachten, fiel mir die Kinnlade herunter. Mein schlichtes Outfit war verschwunden, ersetzt durch eine völlig neue Erscheinung. 

Rotes Leder schlang sich um meinen Körper, das Design erinnerte stark an den Steampunk-Stil, den ich bereits aus der Traumstadt kannte. Schwarze Stiefel reichten mir bis zum Knie, die Sohle klang fest und kraftvoll auf dem Holzboden. Eine rote, eng anliegende Hose mit goldenen Stickereien schmiegte sich an meine Beine, ergänzt durch einen breiten Gürtel mit unzähligen Schnallen und Taschen, der über meine Hüften hing. 

Doch das Korsett war der Höhepunkt – dunkelrot, vorne geschnürt, mit kleinen, goldenen Ketten verziert. Der Ausschnitt war jedoch entschieden zu tief. Ich zog an den Ketten, in der Hoffnung, das Ganze etwas zu schließen, aber das machte es nur schlimmer. Schließlich fiel mein Blick auf den langen roten Ledermantel, der ab der Hüfte in fließenden Stoff überging. 

Zeke trat zurück und betrachtete mich mit einem zufriedenen Nicken. „Ich denke, damit lässt sich arbeiten.“ 

„Fast,“ murmelte Rhun und ließ sein Zepter eine winzige Bewegung ausführen. 

Ich spürte, wie sich etwas auf meinem Kopf materialisierte. Als ich zur Spiegelung im Fenster sah, erkannte ich einen schwarzen Zylinder. Die Krempe war an den Seiten leicht hochgeklappt, drei große, goldene Zahnräder zierten ihn, und in einem der Zahnräder war ein Zahn eingelassen. 

„Joar, das ist was fürs Auge,“ stimmte Zeke seinem Bruder zu, ein seltenes Grinsen huschte über sein Gesicht. 

Ich stemmte die Hände in die Hüften. „Dafür, dass euer Bruder verschwunden ist, haltet ihr euch mit ziemlich merkwürdigen Dingen auf.“ 

Rhun erwiderte meinen Blick mit ruhiger Gelassenheit. „Du wärst in der Traumwelt aufgefallen, Cassy. Das ist der Punkt. Und Kleidung dort ist nicht nur Dekoration.“ 

„Mag sein,“ sagte ich und strich mit den Fingern über den glatten Stoff der Jacke, „aber dieser Ausschnitt ist definitiv mehr Dekoration als alles andere und damit fällt man auf.“ 

Azhar beugte sich auf meiner Schulter nach vorne „Ich glaube, das gehört bei diesem Korsett so. Aber nicht das Cassy sich deswegen erkältet“ 

„Nun,“ entgegnete Zeke mit einem spöttischen Funkeln in den Augen, „es ist an dir Cassy. Mit dem Outfit kommst du mit oder du bleibst hier. Aber jetzt wird es Zeit zu gehen.“ 

Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt