Liebe Leserschaft, verehrte Damenwelt haltet die Schlüppis und die Gebisse fest. Ich darf euch vorstellen meinen Bruder:
Pov RhunZeke war in seinem Element. Ich beobachtete ihn mit Argwohn, wie er Cassy von der Mitte des Kompasses wegzog, ihre Hand noch in seiner, als ob er ihr ein geheimes Schauspiel vorführte. Sie ließ sich bereitwillig mitziehen, unsicher, was sie aus diesem Moment machen sollte. Das Menschenmädchen war zweifellos sein neuestes Spielzeug, ein Ablenkungsmanöver, das Zeke sich gesucht hatte, um nicht über die ernsthafte Lage nachdenken zu müssen.
Das war typisch für meinen Bruder. Wenn er gestresst war, suchte er sich eine sinnlose Herausforderung, etwas oder jemanden, an dem er seinen Spott ausleben konnte. Cassy war ein leichtes Ziel – ein kleines Mädchen mit großen Augen, die nichts von unserer Welt verstand. Ich konnte ihm nicht mal übelnehmen, dass er sie gewählt hatte; sie war hübsch, ihre Augen unschuldig wie das eines Rehkitzes, ihr Erröten war unterhaltsam und ihre Reaktionen naiv genug, um ihn zu amüsieren. Aber ich war genervt. Wir hatten Wichtigeres zu tun, und Zekes Bedürfnis nach Kontrolle in einer Situation, die sich unserer Kontrolle entzog, war nichts, womit ich mich jetzt lange beschäftigen wollte.
Das grelle Licht des Kompasses zog schließlich meine Aufmerksamkeit zurück auf das Wesentliche. Es begann in der Mitte des Kreises zu pulsieren, bis sich langsam eine Gestalt formte. Klaus. Sein Auftreten war wie immer imposant, mit der roten Lederjacke, dem schneeweißen Bart und der stillen Autorität, die den Raum füllte, sobald er erschien. Nur einen Moment später musste auch er sich den lächerlichen weißen Gewändern unterwerfen, die hier anscheinend obligatorisch waren.
„Was habt ihr herausgefunden?“ fragte Klaus direkt, ohne seine Zeit mit Förmlichkeiten zu verschwenden. Sein Blick fiel auf Cassy, seine Stirn legte sich in Falten. „Und was macht sie hier?“
„Rhun wollte sie mitnehmen,“ grinste Zeke, seine Stimme triefend vor falscher Unschuld.
Ich ignorierte ihn und antwortete trocken: „Fips’ Zeiger bewegt sich nicht, und Zeke verheimlicht uns etwas über diese Männer mit Masken.“
Das Grinsen verschwand von Zekes Gesicht, und ich konnte nicht verhindern, dass sich ein Hauch von Genugtuung in mir breit machte. Zeke hielt sich immer für unantastbar, glaubte, die Kontrolle über jede Situation zu haben. Ihn aus dieser Illusion zu reißen, war eine kleine Freude, die ich mir selten verkneifen konnte.
Klaus' Blick wanderte zum Kompass. Er musterte die Symbole und die goldenen Zeiger, seine Augenbrauen zogen sich zusammen. Er dachte nach, das war offensichtlich.
„Was denkst du?“ fragte ich und trat näher an ihn heran.
„Etwas könnte die Verbindung stören,“ sagte er schließlich. Seine Stimme klang angespannt, nachdenklich.
„Was sollte dazu in der Lage sein?“ fragte ich skeptisch. Es gab wenig, das unsere Magie und unsere Verbindung zu den Träumen stören konnte.
„Ich weiß es nicht,“ sagte Klaus leise, sein Blick wanderte kurz zu Cassy und dann zurück zu mir. „Aber das ist es, was wir ab jetzt glauben.“
Ich verstand die unausgesprochene Anweisung. Was er wirklich dachte, war nicht für Zeke oder Cassys Ohren bestimmt. Ich nickte knapp.
„Also, Zeke?“ fragte Klaus und wandte sich unserem Bruder zu.
Zeke ließ Cassy los, hob die Hände in einer abwehrenden Geste und versuchte, so unschuldig wie möglich zu wirken. „Hey, ich habe euch zu dem Kompass geführt. Stellt mich nicht als Feind hin.“
„Deine Aufgabe ist es, das Ding zu bewachen. Wir wissen, dass es hier ist,“ korrigierte ich ihn scharf.
Zekes Augen blitzten vor Ärger auf, und er warf mir einen genervten Blick zu. „Ich habe diese Männer in Fips’ Träumen gesehen, während ihr ihn gesucht habt, damals“ sagte er schließlich, als wäre das irgendein unwichtiger Nebensatz.
„Du hast was?“ Die Worte schossen gleichzeitig aus mir und Klaus heraus, scharf und voller Unglauben. Cassy zuckte bei unserer plötzlichen Lautstärke zusammen und trat instinktiv einen Schritt zurück.
„Du konntest seine Träume sehen und hast nichts gesagt?“ Klaus’ Stimme war eisig, seine Augen bohrten sich in Zeke.
„Woher sollte ich wissen, dass die Träume echt waren?“ verteidigte sich Zeke, seine Haltung blieb herausfordernd, aber seine Stimme klang weniger überzeugt.
„Es sind deine Träume!“ fuhr ich ihn an, meine Geduld riss. „Du wirst ja wohl zwischen ihnen unterscheiden können! Fips war Ewigkeiten auf dieser Insel. Wusstest du das etwa auch?“
Zeke zögerte einen Moment zu lange.
„Ich fasse es nicht,“ stöhnte Klaus, seine Hand fuhr durch seinen Bart.
Ich presste die Zähne zusammen. Zekes Unfähigkeit – oder vielleicht sogar seine Absicht, uns Informationen vorzuenthalten – war nicht nur frustrierend, sie war gefährlich. Und ich konnte mir nicht helfen: ein Teil von mir genoss es, ihm jetzt die Schuld zu geben.
Denn wenn Zeke eines nicht ertragen konnte, dann war es, in den Augen anderer zu scheitern.
Klaus warf mir einen Blick zu, den ich sofort verstand. Es war dieser wortlose Austausch zwischen uns Brüdern, der sich über die Jahre eingespielt hatte. Wir hatten unsere Rollen. Klaus hielt Fips im Zaum, so gut es ging, und ich kümmerte mich um Zeke – ein Job, der oft mehr Nerven kostete, als ich zugeben wollte.
„Kümmer dich drum,“ sagten seine Augen deutlich.
Ich atmete hörbar aus, ließ den Ärger durch die Luft entweichen, bevor ich vor Zeke trat.
„Sieh mich an,“ forderte ich mit fester Stimme.
Zeke hielt kurz inne, bemühte sich, das Grinsen auf seinem Gesicht zu halten, aber es gelang ihm nicht. Er sah mich an, und für einen Augenblick war da diese scheue Unsicherheit, die ich von früher kannte – aus unserer Zeit im Heim, als er als kleiner Junge mit hängenden Schultern vor mir stand, weil er mal wieder irgendeinen Mist gebaut hatte.
„Verschweige uns so etwas nie wieder,“ sagte ich langsam und eindringlich.
Zeke nickte, aber seine Augen wanderten schnell weg, suchten etwas anderes im Raum, als ob er sich hinter einem unsichtbaren Vorhang verstecken wollte.
„Sieh mich an!“ wiederholte ich, dieses Mal schärfer, beinahe herrisch.
Ich wusste, wie unangenehm das für ihn war so direkte befehle zu befolgen, mir in die Augen zu sehen, sich so erniedrigen zu lassen. Aber ich ließ nicht locker, und schließlich trafen sich unsere Blicke wieder.
„Du wirst hierbleiben und Klaus alles erzählen, was du weißt,“ sagte ich langsam, um sicherzugehen, dass er jedes Wort verstand. „Ich werde mich mit dem kleinen Menschenmädchen aufmachen und Fips Spuren verfolgen.“
Zeke öffnete den Mund, wahrscheinlich um zu protestieren, doch ich war schneller.
„Kein aber!“ schnitt ich ihm das Wort ab, meine Stimme hart. „Verstanden?“
Er nickte widerwillig, und für einen Moment sah er aus wie ein geschlagener Welpe. Ich wusste, was ihn am meisten traf: Ich hatte ihm sein neues Spielzeug weggenommen. Cassy war sein Zeitvertreib, seine Ablenkung. Jetzt würde ich sie mitnehmen, und er musste hier bleiben – nicht derjenige, der alles kontrollierte, sondern derjenige, der Bericht erstatten musste.
Das war das Problem mit Zeke. Er war ein Kontrollfreak, aber nur, solange es ihm diente. Und manchmal war der einzige Weg, ihn unter Kontrolle zu halten, ihm genau das zu nehmen, woran er sich festklammerte.

DU LIEST GERADE
Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...