Macht

133 10 7
                                    

Pov Cassy

Das, was ich gerade gesehen hatte, war … verstörend und faszinierend zugleich. Ich hatte keine Worte dafür, wie Rhun mit einer so mühelosen Autorität auf Zeke eingewirkt hatte. Seine Dominanz war greifbar gewesen, fast wie eine unsichtbare Macht, die den gesamten Raum erfüllt hatte. Und Zeke? Zeke, der sich sonst nichts und niemandem beugte, hatte sich gefügt. Es hatte mich sprachlos gemacht, wie unterwürfig er letztlich reagiert hatte. 

Ich hatte erwartet, dass er zurückschlagen würde – dass er mit einem spöttischen Kommentar oder einer provokanten Geste den Machtkampf wieder an sich reißen würde. Doch nichts dergleichen war passiert. Stattdessen hatte er Rhun gehorcht, wenn auch mit sichtlich widerwilligem Stolz. 

Rhun trat schließlich einen Schritt zurück, was für Zeke offenbar das Signal war, sich aus dieser unangenehmen Situation zu lösen. Seine Schultern sanken leicht, und er ließ den Blick zu Boden gleiten. 

Dann hallte Rhuns Stimme durch den Raum, wieder fest und unnachgiebig, doch diesmal nicht nur auf Zeke gerichtet. 

„Wir brauchen einen Ort, wo sie sich ausruhen kann, bevor wir aufbrechen.“ 

Seine Worte durchbrachen die gespannte Stille, und ich zuckte leicht zusammen. Es war seltsam, nach der geladenen Konfrontation nun plötzlich angesprochen zu werden – oder zumindest indirekt. 

Das Gespräch zuvor hatte fast intim gewirkt, nicht im romantischen Sinne, sondern in der Art, wie es nur zwischen Rhun und Zeke stattgefunden hatte. Es war mehr als Worte gewesen. Es war ein stummer Kampf, in dem Blicke, Gesten und unausgesprochene Regeln die Oberhand behalten hatten. 

Zeke nickte nur, wortlos, und sah dabei weder Rhun noch mich direkt an. Sein Blick huschte stattdessen zwischen seinen beiden Brüdern hin und her, bevor er sich schließlich abwandte. Mit einer für ihn ungewöhnlichen Stille verließ er den Raum, seine Schritte hallten leise auf dem Marmorboden wider. 

Ich wusste nicht, was ich fühlen sollte. Erleichterung darüber, dass der Streit beendet war? Oder etwas, das dem Mitleid nahekam, weil Zeke, der sonst so selbstsicher und überlegen wirkte, plötzlich so klein erschienen war? 

Rhun neben mir schien keine dieser Gedanken zu teilen. Er stand da, die Arme verschränkt, und blickte Zeke hinterher, als wolle er sicherstellen, dass dieser wirklich ging. Erst als die schwere Tür hinter ihm ins Schloss fiel, entspannte sich Rhuns Haltung ein wenig. 

Ich wagte nicht, etwas zu sagen. Was auch immer zwischen den Brüdern vorgefallen war, fühlte sich wie ein heiliger Boden an, auf den ich keinen Fuß setzen durfte. Doch tief in mir wuchs die Erkenntnis, dass Rhun weit mehr Kontrolle und Stärke hatte, als ich ihm bisher zugetraut hatte – und dass ich wahrscheinlich noch längst nicht alles von ihm kannte.


„Dann schauen wir mal, was für ein kuscheliges Bett Zeke für dich bereithält,“ sagte Rhun mit einer Ruhe und Freundlichkeit, die so gar nicht zu der herrischen Art von vorhin passte. 

Ich nickte stumm und folgte ihm gemeinsam mit Klaus in die Richtung, in die Zeke verschwunden war. Noch immer fühlte ich die Anspannung in der Luft, die sich wie ein schwerer Schleier über den Moment gelegt hatte. 

Wir gelangten in einen Vorraum, der durch eine große, vergoldete Tür vom vorherigen Raum abgetrennt war. Der Boden hier war ebenso aus weißem Marmor, doch die Wände waren mit prunkvollen, in Gold und Silber gehaltenen Verzierungen bedeckt. Ein kühler Windhauch streifte meine nackten Füße, und ich spürte plötzlich ein dringendes Bedürfnis, mich wieder in mein gewohntes Outfit zu hüllen. 

„Endlich raus aus diesem grässlichen Gewand,“ murmelte Rhun plötzlich und griff mit einer fast übertriebenen Geste nach seinem Hemd. Mit einem Ruck riss er es sich über den Kopf, und für einen kurzen Moment erwartete ich, dass er gleich nackt vor mir stehen würde. Doch bevor ich auch nur richtig blinzeln konnte, stand er wieder in seinem grauen Mantel da, der ihm bis zu den Knien reichte. 

Die Bewegung war so fließend und mühelos, dass es aussah, als hätte er einfach die Realität umgeschrieben, um seine Kleidung zurückzugewinnen. 

„Das hätte ich auch gern,“ murmelte ich und begann, mich ebenfalls umzuziehen. Das weiße Gewand glitt von meinen Schultern, und ich schlüpfte zurück in mein vertrautes rotes Steampunk-Outfit. Es fühlte sich sofort besser an – als wäre ich wieder ich selbst. Klaus hingegen sah mich mit hochgezogener Augenbraue an.

„Zeke, frag nicht,“ sagte Rhun gelassen, als ein kleiner Traum ihm seinen Hut und sein Zepter brachte. 

Klaus, der das Ganze mit verschränkten Armen beobachtete, lachte leise. „Ich habe auch nicht gedacht, dass dies dein Werk ist,“ kommentierte er mit einem Blick auf das immer noch auf dem Boden liegende weiße Gewand. 

Rhun setzte sich seinen Zylinder auf, zog ihn mit einer geschmeidigen Bewegung zurecht und lächelte kalt. „Gut.“ 

Ich sah ihn an und konnte nicht anders, als mich zu fragen, wie es sein konnte, dass Rhun von einem Moment auf den anderen so völlig anders wirken konnte. Vorhin hatte er mit einer fast erdrückenden Dominanz seinen Bruder in die Schranken gewiesen, und jetzt war er wieder vollkommen entspannt – ja, beinahe amüsiert. Doch etwas an ihm blieb unverändert: diese Aura, die mehr war als bloße Autorität. 

Es war Macht. Grenzenlose Macht. 

Es war nicht nur das Zepter in seiner Hand oder der Zylinder auf seinem Kopf, die das ausmachten. Es war die Art, wie er den Raum beherrschte, ohne sich überhaupt anzustrengen. Wie er in jeder Bewegung, jedem Blick deutlich machte, dass er jemand war, den man besser nicht unterschätzte. 

Und obwohl ich es mir nicht eingestehen wollte, faszinierte mich diese Macht.

______________________________

Heute nur ein kleiner Teil, weil ich lang arbeiten muss :)
Außer ich habe nachher noch gaanz viel Motivation zu schreiben 😅

Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt