Kapitel 86: Der Wind des Widerstandes

7 1 0
                                    

Der Wald empfing mich wie immer mit seiner beruhigenden Stille, doch heute war sie trügerisch. Die Luft um mich herum schien kälter und dichter als sonst, und bald erkannte ich den Grund - ich war nicht allein. Die Gestalten, die sich mir näherten, waren nur zu vertraut: Aro, Caius, Marcus und Alec, alle mit diesem kühlen, distanzierten Blick, der nur eines bedeutete - Gefahr.

Meine Gedanken rasten. Es war zu spät, die anderen zu alarmieren. Ich zog meine Kapuze tiefer ins Gesicht, um Aro zu täuschen, in der Hoffnung, er würde nicht sofort erkennen, dass ich mich verändert hatte. Mein Herz, das früher menschlich geschlagen hatte, war nun genauso still wie das der Vampire, die mir gegenüberstanden.

Aro trat vor, ein scheinbar freundliches Lächeln auf den Lippen, doch in seinen Augen loderte Neugier. Er hob die Hand, als wolle er mich wie immer begrüßen, doch im nächsten Moment hielt er inne. Ich spürte seinen prüfenden Blick auf mir und sah, wie sich das Lächeln in seinen Augen veränderte, als er den Unterschied bemerkte. Den fehlenden menschlichen Geruch.

„Ah, Fjella," sagte er langsam, seine Stimme glatt wie Seide, doch ein gefährliches Funkeln lag darin. „Es scheint, dass du eine... Entwicklung durchgemacht hast."

Ich spürte die Kälte seiner Worte wie ein drohendes Versprechen. Aro wollte näherkommen, doch ich hob eine Hand und spürte, wie meine Macht über die Luft wie ein unsichtbarer Schutzschild um mich herum wuchs. Ein leichter Wind erhob sich, stärker als gewöhnlich, und schuf eine Barriere zwischen uns. Es war, als würde die Luft selbst auf meinen Befehl hören und mich beschützen.

„Aro," sagte ich ruhig und entschlossen. „Ich habe mich tatsächlich verändert. Doch diese Veränderung geht euch nichts an."

Aro hob eine Augenbraue und betrachtete mich mit einem herausfordernden Ausdruck, fast amüsiert. „Fjella, mein Kind," begann er in seinem üblich schmeichelhaften Ton, „du hast etwas Besonderes erreicht. Etwas, das dich von den anderen abhebt. Wäre es nicht viel sinnvoller, deine Talente an meiner Seite zu entfalten? Die Volturi würden dir eine... bedeutendere Rolle bieten."

Ich hielt dem intensiven Blick seiner rubinroten Augen stand. „Ich brauche keine Rolle bei den Volturi," sagte ich kühl. „Ich habe meinen Platz gefunden, und es ist nicht bei euch."

Ein Hauch von Frustration schlich sich in Aros Gesicht, doch er verbarg es geschickt hinter einem höflichen Lächeln. „Du bist wirklich zu einer bemerkenswerten Persönlichkeit geworden, Fjella. Deine Kräfte..." Seine Hand bewegte sich, als wolle er die Luft um mich herum greifen, den Wind, den ich unter meiner Kontrolle hielt. „Sie sind außergewöhnlich. Glaubst du nicht, dass du noch mehr erreichen könntest, wenn du dich den richtigen Lehrern und Mentoren anschließt?"

Ich spürte, wie mein Schutzschild - die Barriere aus Luft - stärker wurde, als ob es meinen Willen spiegelte. Aro ließ sich davon nicht einschüchtern. Er trat einen Schritt näher, während Alec einen kaum merklichen Impuls aussandte, der meine Sinne benebeln sollte. Doch ich fokussierte mich auf die Luft, verstärkte die Strömung um mich herum, sodass Alecs Macht mich nicht erreichte. Ein kalter Wind wirbelte um mich und schirmte mich ab.

„Aro," sagte ich mit fester Stimme. „Du kannst mir nichts bieten, was ich nicht schon habe. Meine Loyalität gehört meiner Familie, und ich werde sie nicht verraten."

Aro schwieg für einen Moment, dann trat er noch näher, bis er nur eine Handbreit von meinem Schild entfernt war. Sein Lächeln war nun eisig. „Fjella, sei dir sicher - die Volturi vergessen nicht. Wenn du dich wirklich uns widersetzen willst, dann sei bereit für die Konsequenzen."

„Ich bin bereit," antwortete ich ohne Zögern und spürte, wie der Wind um mich herumschwirrte, stärker und bestimmter als je zuvor. Die Blätter an den Bäumen raschelten lauter, als wollten sie sich meinem Willen anschließen. „Und ich werde mein Zuhause und die, die ich liebe, mit allem verteidigen, was ich habe."

Aro musterte mich lange, und ich sah in seinen Augen das Aufblitzen von Respekt und Zorn. Doch dann lächelte er, ein kaltes, berechnendes Lächeln. „Nun gut, Fjella. Du magst heute gewonnen haben. Aber eines Tages, wenn du deine Macht in ihrer vollen Pracht erleben willst... dann weißt du, wo du mich findest."

Mit diesen Worten drehte er sich langsam um, und Caius, Marcus und Alec folgten ihm, ihre Blicke finster und warnend. Ich ließ den Wind nach, fühlte, wie meine Kräfte wieder zur Ruhe kamen, doch mein Herz blieb wachsam. Die Volturi hatten mich nicht aufgegeben - sie hatten nur einen neuen Plan.

Bis(s) in die Ewigkeit Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt