Die Stille kehrte nur zögerlich zurück, nachdem die Volturi verschwunden waren. Ich stand noch immer im Zentrum meines unsichtbaren Schutzschildes, meine Sinne geschärft und mein Körper angespannt. Der Wald, der mich sonst umarmte wie ein vertrauter Freund, fühlte sich plötzlich fremd an - als hätte Aro seine kalte Präsenz in den Wurzeln und Blättern zurückgelassen.
Ein leises Knacken ließ mich zusammenzucken. Reflexartig drehte ich mich um, bereit, mich erneut zu verteidigen. Doch es war nur Carlisle, der sich mir vorsichtig näherte. Sein Gesicht war eine Maske aus Sorge und Besorgnis, doch in seinen goldenen Augen loderte ein vertrautes Feuer, das mich sofort beruhigte.
„Fjella," sagte er sanft, als er mich erreichte. Seine Stimme war wie Balsam für meine angespannten Nerven. „Ich habe sie gesehen. Was ist passiert?"
Ich atmete tief durch, ließ die restliche Energie meiner Kräfte verpuffen und spürte, wie der Wind um mich herum sich legte. „Aro weiß es," flüsterte ich, kaum lauter als der Windhauch, der durch die Bäume strich. „Er weiß, dass ich mich verändert habe."
Carlisle legte eine Hand auf meine Schulter, seine Berührung warm und tröstend. „Hat er dir gedroht?" fragte er, seine Stimme nun tiefer, fast gefährlich.
Ich nickte und sah ihm in die Augen. „Er hat nicht direkt gedroht, aber seine Worte... sie waren eindeutig. Sie werden nicht aufgeben, Carlisle. Aro wird zurückkommen - mit einer stärkeren Armee, einem besseren Plan. Ich weiß es."
Carlisle schwieg für einen Moment, seine Stirn in tiefe Falten gelegt. Dann zog er mich in eine Umarmung, seine Arme fest um mich geschlungen. „Wir werden vorbereitet sein," sagte er entschieden. „Was auch immer kommt, Fjella, wir stehen das zusammen durch. Du bist nicht allein."
Seine Worte lösten die Spannung in mir ein wenig, doch ein nagender Zweifel blieb. „Was, wenn ich euch gefährde?" flüsterte ich und vergrub mein Gesicht an seiner Brust. „Was, wenn Aro mich als Schwachstelle sieht und euch wegen mir angreift?"
Carlisle zog mich ein Stück zurück, sodass ich ihm wieder in die Augen sehen konnte. „Du bist keine Schwachstelle," sagte er fest. „Du bist ein Teil dieser Familie, Fjella. Wir schützen einander, und das bedeutet auch, dass wir dich beschützen. Es ist nicht deine Schuld, dass Aro nach Macht strebt. Aber es ist unsere Entscheidung, wie wir darauf reagieren. Und ich werde alles tun, um dich zu schützen."
Ich wollte ihm glauben. Seine Entschlossenheit und die Wärme in seinen Augen gaben mir Halt. Doch tief in meinem Inneren wusste ich, dass der Kampf, der bevorstand, alles verändern würde.
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Zurück im Cullen-Haus erwarteten mich bereits die anderen. Alice und Jasper standen in der Nähe der Treppe, beide mit ernsten Mienen. Lena saß auf der Couch, ihre Arme um ihre Knie geschlungen, während Emmett unruhig auf und ab lief. Rosalie lehnte an der Wand, die Arme vor der Brust verschränkt, doch ihre Augen verrieten, dass sie genauso wachsam war wie der Rest.
„Was ist passiert?" fragte Jasper sofort, als Carlisle und ich eintraten.
„Die Volturi waren hier," erklärte Carlisle knapp. „Aro weiß von Fjellas Veränderung."
Alice keuchte leise, ihre Augen weit vor Schreck. „Das bedeutet...?"
„Das bedeutet, dass wir nicht länger abwarten können," sagte ich, meine Stimme fester, als ich mich fühlte. „Wir müssen einen Plan entwickeln. Einen, der uns schützt - und verhindert, dass Aro bekommt, was er will."
„Wir sollten angreifen, bevor sie es tun!" schlug Emmett vor, seine Hände zu Fäusten geballt. „Zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen."
„Das wäre töricht," warf Rosalie ein, ihre Stimme kühl. „Die Volturi sind vorbereitet, egal was wir tun. Wenn wir sie provozieren, geben wir ihnen nur einen Vorwand."
„Rosalie hat recht," stimmte Carlisle zu. „Aber wir müssen dennoch handeln. Fjella hat sich verändert, und das bedeutet, dass Aro nicht mehr bloß neugierig ist. Er wird handeln, früher oder später."
„Und was ist mit Demetri?" fragte Lena plötzlich, ihre Stimme leise, doch jeder im Raum hörte die Angst darin. „Wenn er Aro verraten hat, dann..."
„Dann ist er in Gefahr," beendete Jasper ihren Satz. „Aber wenn wir klug sind, können wir seine Position nutzen. Aro vertraut ihm - zumindest bis zu einem gewissen Grad."
Ich sah zu Jasper, mein Herz schwer vor der Verantwortung, die auf uns lastete. „Und wenn Aro herausfindet, dass wir planen, ihn zu täuschen?" fragte ich.
„Dann haben wir keine andere Wahl, als ihn direkt zu konfrontieren," sagte Jasper düster.
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Das Treffen dauerte noch Stunden, und am Ende war unser Plan genauso gefährlich wie die Situation selbst. Doch ich wusste, dass wir keine Wahl hatten. Die Volturi waren eine Bedrohung, die wir nicht länger ignorieren konnten.
Als die Nacht über den Wald fiel und ich mich in mein Zimmer zurückzog, spürte ich, wie die Last auf meinen Schultern schwerer wurde. Carlisle kam später zu mir, setzte sich an die Bettkante und nahm meine Hand in seine. Wir saßen lange schweigend da, doch seine Gegenwart war Trost genug.
„Wir schaffen das, Fjella," flüsterte er schließlich. „Ich verspreche es dir."
Ich lehnte mich an ihn und schloss die Augen. Trotz allem, was vor uns lag, spürte ich, dass ich ihm vertrauen konnte - und dass ich alles tun würde, um meine Familie zu schützen.
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Bis(s) in die Ewigkeit
FanfictionFjella Holm gerät in den Bann des mysteriösen Vampirs Carlisle Cullen und entdeckt eine gefährliche, übernatürliche Welt. Ihre aufkeimende Liebe wird von düsteren Visionen und inneren Konflikten bedroht, während sie sich immer tiefer in das Geheimni...