Allein mit Zeke

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Pov Cassy

Es war still im Raum, nur das leise Klicken von Zekes magischem Sand begleitete die Gedanken, die in meinem Kopf wie unaufhörliche Wellen anbrachen. Der Schock hatte sich zwar langsam gelegt, doch er saß noch immer tief in mir. Jeder Moment, jede Entscheidung, die ich getroffen hatte, zog wie ein Film vor meinen Augen vorbei. Was hätte ich anders machen können? Hätte ich Rhun retten können, bevor er von diesen Männern mit den Masken niedergestochen wurde? Die Fragen brannten in mir, doch es gab keine Antwort, keine Lösung. Nur die Leere, die sich in meiner Brust ausbreitete.

Klaus war fest überzeugt, dass wir durch unsere Zeitreise keinen Schaden angerichtet hatten, dass die Männer mit den Masken genauso durch die Zeit gereist waren wie Rhun und ich. Aber die Gewissheit half mir wenig, als ich immer wieder an den Moment dachte, als Rhun zu Boden fiel.

Ich hatte alles erzählt. Jedes Detail. Wie der Fremde uns begegnet war, wie die Männer mit den Masken uns angegriffen hatten, wie Rhun gefallen war. Klaus hatte nach langem Überlegen den Entschluss gefasst, den Fremden zu suchen, von dem wir nicht viel wussten, aber der anscheinend mehr über das Zepter wusste, als wir uns je hätten vorstellen können.

Und hier waren wir nun. In diesem Raum, der sich immer mehr nach einer Zelle anfühlte. Klaus war gegangen, auf der Suche nach Antworten, und Zeke war bei mir geblieben. Nicht aus Sympathie, sondern eher aus dem Gefühl heraus, dass es seine Aufgabe war, mich hier festzuhalten und mich von den drängenden Gedanken abzulenken. 

„Cassy, du musst einfach mal die Dinge lockerer sehen“, hatte er noch gesagt, als er begann, durch das magische Sandglas zu schütteln, um mir das neueste Outfit zu zaubern.  

Ich hatte keine Ahnung, was ihn dazu trieb, mich in immer wieder andere Kleider zu stecken. Ich stand still, während er unaufhörlich mit dem Sand hantierte und die Outfits sich auf meinem Körper veränderten. Mal war es ein kurzes Kleid, dann wieder eine enge Lederjacke mit zerfetzten Jeans. Als wäre mein gesamtes Dasein nichts weiter als eine Auswahl an Kleidungsstücken für ihn. Zeke wirkte wie ein Instagram-Influencer, der gedankenverloren durch Beiträge scrollte und auf der Suche nach dem perfekten Look war. Doch es war kein Spaß für mich. Es fühlte sich an, als würde er mir die Kontrolle über mein Leben und meine Entscheidungen immer mehr entziehen. 

„Meinst du nicht, dass das langsam reicht?“ fragte ich schließlich, genervt, als er zum wiederholten Male mit dem Sand über meine Haut fuhr und ein neues Outfit zauberte. 

„Da war noch nicht das passende bei“, sagte Zeke ungerührt, als wäre es der völlig normale Ablauf des Tages. 

Ich sah an mir herunter. Es war ein heißer, kaum noch als Kleidung zu bezeichnender Satz, den er mir diesmal angelegt hatte. Die Hose war eine Hotpants, das Korsett hatte keine Träger mehr und saß ungemütlich. Was war das nächste? Ein Bikini? Sollte ich mir etwa in die Notizbuch-Seite eines Modeheftes verwandeln?

„Ich hab keine Lust mehr hier zu stehen“, sagte ich, meine Stimme etwas schärfer als beabsichtigt.

Ich konnte einfach nicht mehr. Ich war keine Modepuppe, keine Schaufensterfigur, die man nach Lust und Laune verändern konnte.

Ohne auf Zekes Antwort zu warten, drehte ich mich um und ging aus dem Raum. Der Gang war still, der Raum leer, und für einen Moment fühlte ich mich fast einsam, als könnte ich die Wände hören, die mich umschlossen. 

Ich brauchte frische Luft, Abstand von allem. Was Klaus vorhatte, war mir momentan egal, und was Zeke von mir wollte, war es auch. Ich wollte einfach nur raus. Die Stille des Hauses fühlte sich erdrückend an, und der Gedanke, dass Rhun irgendwo da draußen verletzt lag, ließ mich innerlich ersticken. 

Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt