Pov Cassy
Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, seit Klaus gegangen war. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit. Irgendwann hatte ich mich auf die Treppe gesetzt, die Knie angezogen, und starrte unentwegt auf die verschlossene Tür vor mir. Sie blieb stumm, reglos, und doch hoffte ich, dass sie sich jeden Moment öffnen würde. Ich wollte hier sein, wenn Klaus zurückkehrte – wenn er gute Nachrichten mitbringen würde.
Azhar hatte sich irgendwann auf meine Schulter gesetzt, leise wie ein Schatten, und ich wusste nicht, woher er plötzlich aufgetaucht war. Doch seine Anwesenheit tröstete mich, auch wenn ich nicht wusste, ob ich diesen Trost verdient hatte.
„Du solltest dich ausruhen“, sagte er mit sanfter Stimme. Seine kleinen, leuchtenden Augen suchten meinen Blick.
„Das kann ich nicht“, antwortete ich. Meine Worte klangen tonlos, als hätte ich alle Emotionen irgendwo tief in mir vergraben.
Azhar flog vor mein Gesicht, seine Flügel schwirrten in der Luft. Sein tadelnder Blick war unmöglich zu ignorieren. „Und ob du kannst. Du hilfst niemandem, wenn du hier halb schlafend die Treppe hinunterstürzt.“ Er schnaubte leise, so wie nur ein kleiner Drache es konnte. „Auch wenn dein Geist glaubt, dass du keinen Schlaf brauchst, irgendwann wird dein Körper dich eines Besseren belehren. Na los, da oben wartet ein super bequemes Bett auf dich.“
Ich seufzte, zu müde, um mit ihm zu streiten, und stand langsam auf. Jeder Schritt schmerzte, meine Knochen und Muskeln fühlten sich an, als würden sie in Flammen stehen. Die Erinnerungen an den Sandstrudel – an die harten Aufschläge, das brennende Gefühl von Tausenden Sandkörnern auf meiner Haut – ließen meinen Körper protestieren. Jeder Schritt die Treppe hinauf fühlte sich wie eine Prüfung an, aber ich ließ mir Zeit. Ein Teil von mir hoffte immer noch, dass ich Klaus hören würde, dass die Tür endlich aufginge.
Oben ließ ich mich aufs Bett fallen, wie ein Stein, der ins Wasser stürzt. Die Matratze gab unter meinem Gewicht nach, aber an Entspannung war nicht zu denken. Meine Glieder fühlten sich schwer und träge an, doch mein Geist ignorierte die Erschöpfung meines Körpers.
Die Gedanken ließen mich nicht los. Sie kreisten, unaufhörlich, wie ein Sandsturm in meinem Kopf. Bilder von Rhun und Fips tauchten vor meinem inneren Auge auf, ihre Gesichter verschmolzen mit den Fragen, die mich quälten. Was, wenn wir zu spät kamen? Was, wenn Rhun…
Ich drehte mich unruhig von einer Seite zur anderen, suchte eine Position, die mir Ruhe brachte. Doch der Schlaf blieb aus. Schließlich öffnete ich wieder die Augen und starrte in die Dunkelheit.
Die Stille im Raum schien erdrückend. Azhar hockte auf dem Nachttisch und beobachtete mich, ohne ein Wort zu sagen. Sein kleiner Körper war wie ein wärmender Funke in dieser kühlen, schweren Einsamkeit.
„Ich kann nicht schlafen“, flüsterte ich in die Dunkelheit, obwohl ich wusste, dass er es bereits wusste.
Azhar seufzte und legte seinen Kopf schief. „Es wird alles gut, Cassy. Du wirst sehen.“
Aber ich war mir nicht sicher, ob ich ihm glauben konnte.
„Kann Zeke mich nicht einfach in irgendeinen tiefen Schlaf schicken?“ stöhnte ich und hielt mir die Hände vors Gesicht. Mein Kopf fühlte sich schwer an, meine Gedanken wirbelten unkontrolliert, und der Druck auf meiner Brust wollte einfach nicht verschwinden.
„Das könnte Zeke sicherlich“, kam es plötzlich von der Tür her.
Erschrocken schnellte ich hoch und sah Zeke im Türrahmen lehnen. Er wirkte wie immer lässig, doch sein Blick ruhte aufmerksam auf mir.
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Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...