Cassy lag ruhig auf mir, ihr Atem gleichmäßig und sanft. Ich konnte nicht leugnen, dass ihr Atem, das sanfte Heben und Senken ihres Körpers, etwas Sinnliches hatte.
Mein Blick fiel auf die Traumfäden, die sich wie goldene Schlangen um sie wanden. Sie schimmerten, tanzten mit einer Ruhe, die mich fast hypnotisierte. Nicht, dass ich sie zum ersten Mal sah - ich hatte sie schon unzählige Male beobachtet, bei Menschen, deren Träume ich besucht hatte. Doch diesmal war es anders. Diesmal interessierte es mich wirklich.
Ein Faden griff nach meiner Hand, als wolle er mich einladen, in Cassys Traum einzutauchen. Ich schüttelte ihn ab. „Nicht heute", murmelte ich leise. Die Fäden zogen sich widerwillig zurück. Sie hatten zu respektieren, dass ich nicht eintreten wollte.
Das goldene Licht um Cassy herum verriet mir, dass es gute Träume waren. Ich hoffte, dass nur meine besten Traumgestalten an ihrer Seite waren. Keine Angst, keine Albträume - nur Trost und Frieden.
Ein Faden, feiner und heller als die anderen, schlang sich sanft um ihre Hand, die noch immer auf meinem Bauch ruhte. Es hatte etwas Beruhigendes, dieses Bild. Vielleicht war es das, wovon Azhar gesprochen hatte. Trost.
Meine Gedanken wanderten unweigerlich zurück zu mir selbst. Es ging niemanden etwas an, was ich fühlte - nicht Cassy, nicht Klaus, nicht einmal Azhar. Doch in diesem Moment, als ich Cassys Wärme spürte und die goldenen Traumfäden betrachtete, wurde mir klar, dass ich Angst hatte.
Angst, dass mein Leben sich unaufhaltsam auf einen Abgrund zubewegte. Tief in mir wusste ich, dass ich den Verlust von Eos niemals wirklich überwunden hatte. Diese Wunde war nie geheilt. Und jetzt ... jetzt waren Fips und Rhun verschwunden.
Fips, mein nervigster Bruder, der allein durch seine Anwesenheit jeden Raum zu füllen schien - immer mit seinem aufdringlichen Optimismus. Und Rhun ... Rhun, der mich ständig wie ein Kind behandelt hatte. Der immer wusste, wie er mich reizen konnte.
Doch jetzt, wo ich nicht wusste, ob ich ihn jemals wiedersehen würde, schien ich selbst all seine Erniedrigungen zu vermissen.
Das Gewicht dieser Gedanken lag schwer auf meiner Brust, fast so schwer wie Cassys Körper. Doch ihr Atem und die leuchtenden Fäden beruhigten mich - nur ein wenig. Es war, als hielte dieser Moment mich davon ab, ganz in meinen eigenen Abgrund zu stürzen.
„Bleib einfach hier", murmelte ich mehr zu mir selbst als zu Cassy. „Bleib einfach hier, solange du willst."
Ich spürte etwas Kaltes meine Brust hinaufkriechen. Es war ein Gefühl, das ich nur zu gut kannte. „Ich sagte heute nicht," grinste ich, bereit, den Traumfaden zu ignorieren. Doch als ich an mir heruntersah, gefror mir das Lächeln.
Ein pechschwarzer Traumfaden schlängelte sich langsam an meinem Körper empor. Sein kaltes, giftiges Flüstern schien die Luft zu durchdringen. Grimmig fixierte ich ihn. „Verschwinde," knurrte ich.
Albträume. Das schädlichste Geschenk, das ich den Träumen je gemacht hatte. Manchmal fragte ich mich, ob ich sie erschaffen hatte, um mich selbst zu bestrafen. Mein Blick wanderte zu dem Schatten an der Wand - der Quelle dieses Alptraums. Er war noch nicht vollständig durch Cassy geflossen, aber er hatte sie bereits einmal umschlungen. Jetzt kroch er an meinem Schlüsselbein entlang, als würde er nach einer Gelegenheit suchen, zuzuschlagen.
„Du hast hier nichts zu suchen. Das ist mein Haus," sagte ich streng und richtete mich langsam auf. Cassy rutschte dabei auf meinen Schoß, schlief jedoch weiter.
Der Albtraum lachte kalt. „Und sie ist ein Mensch, Sandmann. Ihr wisst, was mit Menschen geschieht, die herkommen. Es ist eure Regel." Seine Stimme war schneidend, voller dunkler Autorität.

DU LIEST GERADE
Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...