Die Nacht war still, fast zu still. Ich lag in meinem Zimmer, den Blick auf die Decke gerichtet, während meine Gedanken wie ein Sturm durch meinen Kopf tobten. Aros Worte hallten immer wieder in mir nach, seine unterschwellige Drohung, die wie ein dunkler Schatten über allem lag.
Ich hatte in den letzten Tagen viel gelernt - über meine Kräfte, über mich selbst - doch ein Gefühl der Unsicherheit ließ mich nicht los. War ich wirklich bereit?
Ein leises Klopfen an meiner Tür riss mich aus meinen Gedanken. „Herein," sagte ich leise.
Die Tür öffnete sich, und Lena trat ein. Ihre Augen wirkten müde, doch sie lächelte mich an. „Ich dachte, du könntest Gesellschaft gebrauchen," sagte sie und setzte sich zu mir aufs Bett.
„Du liest mir wohl meine Gedanken?" fragte ich mit einem schiefen Grinsen.
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, du bist einfach leicht zu durchschauen."
Für einen Moment herrschte Stille zwischen uns, doch es war keine unangenehme Stille. Schließlich sprach Lena, ihre Stimme leise, aber bestimmt: „Ich weiß, dass du dich verantwortlich fühlst, Fjella. Aber du bist nicht allein. Wir alle stehen hinter dir."
Ich nickte langsam. „Das weiß ich. Aber was, wenn ich euch nicht schützen kann? Was, wenn ich versage?"
Lena legte eine Hand auf meine Schulter. „Du wirst nicht versagen. Und selbst wenn du fällst, wirst du nicht alleine fallen. Wir sind eine Familie, Fjella. Das bedeutet, dass wir zusammen kämpfen - und zusammen siegen oder verlieren."
Ihre Worte trafen mich tief. Eine Wärme breitete sich in meiner Brust aus, die die Kälte der Angst für einen Moment vertrieb.
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Am nächsten Morgen versammelten wir uns alle im Wohnzimmer. Die Spannung war greifbar, als Demetri hereinkam. Seine Präsenz war ruhig, aber seine Worte trugen das Gewicht der Dringlichkeit.
„Aro wird nicht lange warten," begann er und ließ seinen Blick über uns gleiten. „Er hat bereits begonnen, Verbündete zu sammeln. Einige alte Clans könnten sich ihm anschließen, wenn wir nicht schnell handeln."
„Was schlagen Sie vor?" fragte Carlisle, seine Stimme wie immer ruhig, aber bestimmt.
Demetri atmete tief ein. „Wir müssen einen Schritt voraus sein. Wenn wir ihn überraschen können, haben wir eine Chance. Aber dazu brauchen wir Informationen - über seine Pläne, seine Bewegungen. Und ich bin der Einzige, der nah genug an ihn herankommt, um das herauszufinden."
„Das ist zu gefährlich," warf Rosalie ein, ihre Stimme hart. „Er wird merken, dass du ihn betrügst."
„Vielleicht," sagte Demetri, „aber es ist ein Risiko, das ich eingehen muss. Für Lena. Und für euch."
Sein Blick ruhte kurz auf Lena, die ihm ausdruckslos gegenüberstand, doch ich konnte das Zittern ihrer Hände sehen.
„Wenn du das tust, brauchst du eine Möglichkeit, uns schnell zu informieren," sagte Alice. „Ich werde sehen, ob ich dir eine Lücke verschaffen kann."
Demetri nickte. „Das wird hilfreich sein. Aber ich werde allein gehen müssen. Niemand darf Verdacht schöpfen."
Die Diskussion ging weiter, Pläne wurden geschmiedet, Szenarien durchgespielt. Doch mein Fokus blieb auf Lena und Demetri. Da war etwas zwischen ihnen, etwas Ungesagtes, das mich beunruhigte.
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Am Abend, als die anderen sich zurückzogen, fand ich Lena auf der Terrasse. Sie stand still da, den Blick in die Dunkelheit gerichtet, die Hände um die Brüstung geklammert.
„Du machst dir Sorgen um ihn," sagte ich leise und trat neben sie.
Sie nickte, ohne mich anzusehen. „Ich weiß, dass er das Richtige tun will. Aber was, wenn er nicht zurückkommt?"
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich kannte diese Angst nur zu gut. Stattdessen legte ich eine Hand auf ihre Schulter.
„Er ist stark," sagte ich schließlich. „Und er hat einen Grund, zurückzukommen. Dich."
Lena sah mich an, ihre Augen glitzerten feucht. „Danke, Fjella. Aber ich habe das Gefühl, dass es mehr braucht als Stärke, um das hier zu überleben."
„Dann werden wir ihm alles geben, was er braucht," antwortete ich.
Wir standen noch lange dort, bis die Nacht schließlich die ersten Sterne freigab. Und tief in meinem Inneren wusste ich, dass der nächste Schritt alles verändern würde - für uns alle.
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Bis(s) in die Ewigkeit
FanfictionFjella Holm gerät in den Bann des mysteriösen Vampirs Carlisle Cullen und entdeckt eine gefährliche, übernatürliche Welt. Ihre aufkeimende Liebe wird von düsteren Visionen und inneren Konflikten bedroht, während sie sich immer tiefer in das Geheimni...