Kapitel 93: Wieder mal kein Sieg

5 1 0
                                    

Demetris plötzlicher Eingriff sorgte für einen Moment der Stille, in dem sich die Spannung im Wald förmlich verdichtete. Aro ließ seine rubinroten Augen von Demetri zu mir wandern und zurück, seine Miene eine Maske aus höflicher Neugier. Doch ich erkannte die Gefahr in seinem Blick – eine Raubkatze, die darüber nachdachte, ob sie zuschlagen sollte.

„Demetri,“ begann Aro mit seiner seidigen Stimme, „du überraschst mich immer wieder. Wieso, glaubst du, sollte ich eine Verhandlung in Betracht ziehen? Fjella und ihre Kräfte gehören eindeutig zu etwas, das die Volturi... genauer betrachten sollten.“

Demetri wich keinen Millimeter zurück. Seine Haltung strahlte Entschlossenheit aus, aber in seinen Augen flackerte ein innerer Konflikt. „Aro, mit allem Respekt, das hier ist kein Kampf, den wir gewinnen können, ohne erhebliche Verluste hinzunehmen. Und ich denke, wir alle wissen, dass Fjella sich nicht einfach fügen wird.“

Aros Augen verengten sich, und ich konnte die Kälte in seinem Blick spüren, die sich wie eine Welle über uns legte. „Verluste?“ wiederholte er, als ob das Wort einen unangenehmen Geschmack in seinem Mund hinterließ. „Du glaubst also, wir sollten uns zurückziehen?“

Demetri senkte seine Stimme, sodass nur wir in der Nähe ihn hören konnten. „Manchmal ist Geduld der bessere Weg. Fjella ist stark, ja, aber sie ist auch klug. Sie wird früher oder später erkennen, dass es keinen Sinn hat, sich gegen uns zu stellen.“

Ein kalter Schauder lief mir über den Rücken. War das Demetris Art, mich zu schützen, oder hatte er einen Plan, den er nicht mit uns teilte?

Carlisle trat nun einen Schritt nach vorne, seine ruhige Stimme wie immer ein Gegenpol zur wachsenden Anspannung. „Aro, Demetri hat recht. Dies hier ist nicht der Ort, um Konflikte auszutragen. Wir können reden. Doch wenn ihr darauf besteht, Gewalt anzuwenden, werden wir uns verteidigen. Und ihr wisst, dass wir das können.“

Aro schwieg für einen langen Moment. Sein Blick ruhte auf Carlisle, dann auf Demetri und schließlich auf mir. Ich spürte, wie mein Herz – oder das, was davon übrig war – schneller zu schlagen begann, als Aro plötzlich lächelte. Es war ein leeres, kaltes Lächeln, das nur eine oberflächliche Höflichkeit andeutete.

„Vielleicht habt ihr recht,“ sagte er schließlich, wobei jede Silbe sorgfältig gewählt schien. „Es wäre unklug, dieses Gespräch hier und jetzt zu einem Ende zu bringen. Aber seid euch sicher, dass das hier nicht unser letztes Treffen sein wird.“

Er wandte sich an Alec und Jane, die nur widerwillig einen Schritt zurücktraten. Dann drehte er sich zu Marcus und Caius um, die still geblieben waren, doch deren Blicke vor Abscheu sprachen.

„Wir ziehen uns zurück,“ verkündete Aro schließlich. „Für jetzt.“

---

Die Volturi zogen sich in die Schatten des Waldes zurück, und erst als ihre Präsenz vollständig verschwunden war, ließ ich den Wind, der mich wie ein Schutzmantel umgeben hatte, zur Ruhe kommen. Meine Beine fühlten sich schwach an, doch ich hielt mich aufrecht, wissend, dass jeder Moment der Schwäche eine Einladung für zukünftige Angriffe sein könnte.

Carlisle legte mir eine Hand auf die Schulter, seine goldenen Augen suchten meinen Blick. „Du hast dich gut gehalten, Fjella,“ sagte er mit ruhiger Überzeugung.

Ich wollte ihm danken, doch die Worte blieben mir im Hals stecken. Mein Blick wanderte zu Demetri, der stumm abseits stand, die Augen auf den Boden gerichtet. Irgendetwas stimmte nicht – seine Haltung, sein Schweigen.

„Demetri?“ fragte ich schließlich.

Er hob den Kopf, und für einen Moment sah ich etwas in seinem Gesicht, das wie Reue aussah. „Das war alles, was ich tun konnte,“ murmelte er.

„Was meinst du?“ fragte Carlisle, während seine Augen scharf wurden.

Demetri zögerte, bevor er antwortete. „Aro wird nicht aufgeben. Er hat Fjella als... Möglichkeit erkannt. Das heißt, er wird alles tun, um sie früher oder später zu sich zu holen.“

„Das wissen wir,“ sagte ich, meine Stimme härter, als ich es beabsichtigt hatte. „Aber warum hast du ihm nicht deutlicher widersprochen?“

Demetri sah mich direkt an. „Weil ich genau das tun musste, um euch Zeit zu verschaffen. Wenn ich ihn offen herausgefordert hätte, hätte er mich hier und jetzt vernichtet. Und ohne mich hättet ihr keine Möglichkeit, seinen nächsten Schritt vorherzusehen.“

Ich wollte ihm widersprechen, ihm sagen, dass wir auch ohne ihn klargekommen wären, doch tief in meinem Inneren wusste ich, dass er recht hatte.

Carlisle nickte langsam. „Du hast uns geholfen, Demetri. Dafür danken wir dir. Aber wir müssen jetzt noch wachsamer sein. Aro wird nicht lange zögern, um einen neuen Plan zu schmieden.“

Demetri seufzte und sah zu Lena hinüber, die ihn mit einem Blick ansah, der zwischen Misstrauen und Sorge schwankte. „Ich werde tun, was ich kann, um euch zu helfen,“ sagte er schließlich. „Aber ihr müsst bereit sein, wenn die Volturi zurückkommen.“

Ich ballte die Fäuste, spürte, wie sich meine Entschlossenheit wie eine Flamme in mir ausbreitete. „Wir werden bereit sein,“ sagte ich fest. „Was auch immer kommt, wir werden uns verteidigen.“

Carlisle legte mir eine Hand auf den Rücken. „Das werden wir.“

In diesem Moment war der Wald wieder still. Doch diese Stille fühlte sich nicht beruhigend an – sie war das Versprechen eines bevorstehenden Sturms.

Bis(s) in die Ewigkeit Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt