Das erste Licht der Morgendämmerung durchbrach die Dunkelheit, und die Ruhe des Waldes kehrte zurück. Jasper hatte sich bereits zurückgezogen, doch seine Worte hallten immer noch in meinem Kopf nach. „Du bist nicht allein.“
Ich ließ mich auf einen Baumstumpf sinken, den Blick auf die aufgehenden Sonnenstrahlen gerichtet. Mein Körper war erschöpft, aber in mir tobte ein Sturm. Jaspers Training hatte etwas in mir geweckt – eine Mischung aus Stärke und Zweifel. Ich wusste, dass ich besser wurde, aber war es genug?
„Du bist früh dran.“
Carlisles Stimme war weich wie immer, doch in seinen Augen lag ein Hauch von Sorge, als er aus dem Schatten der Bäume trat. Sein Anblick brachte eine Wärme mit sich, die meine innere Unruhe für einen Moment linderte.
„Ich konnte nicht ruhen“, gab ich zu. „Jasper und ich haben trainiert.“
Carlisle hob eine Augenbraue, ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen. „Ich nehme an, er hat dich ziemlich gefordert.“
Ich nickte und blickte zu Boden. „Es war hart, aber… ich glaube, es hat geholfen.“
Carlisle kam näher und setzte sich neben mich. Sein Blick war sanft, doch durchdringend. „Du machst dir Sorgen.“
Es war keine Frage, sondern eine Feststellung, und ich hatte keine Kraft, es zu leugnen. „Ja“, sagte ich leise. „Ich will stark genug sein, um alle zu beschützen, aber… ich weiß nicht, ob ich das schaffen kann.“
Carlisle legte eine Hand auf meine, und seine Berührung war wie ein Anker, der mich zurück in die Gegenwart zog. „Fjella, Stärke bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Es bedeutet, trotz der Angst weiterzumachen. Und das tust du – jeden Tag.“
Ich sah ihn an, seine goldenen Augen schimmerten im Licht der aufgehenden Sonne. „Aber was, wenn ich scheitere? Was, wenn ich nicht genug bin?“
Er zögerte einen Moment, als suche er nach den richtigen Worten. „Niemand ist allein genug, um alles zu bewältigen. Das ist der Grund, warum wir eine Familie sind. Wir stehen zusammen, und gemeinsam sind wir stärker. Du musst nicht alles alleine tragen.“
Seine Worte trafen etwas in mir, das ich lange verdrängt hatte. Ich hatte so viel versucht, allein zu bewältigen, aus Angst, eine Last für die anderen zu sein. Aber vielleicht… vielleicht war es an der Zeit, loszulassen.
„Danke, Carlisle“, sagte ich schließlich und spürte, wie ein Teil der Last von meinen Schultern fiel.
Er lächelte, stand auf und streckte mir die Hand entgegen. „Komm, ich glaube, die anderen warten schon auf uns. Es wird ein langer Tag.“
Ich nahm seine Hand und ließ mich von ihm hochziehen. Gemeinsam gingen wir zurück zum Haus, wo die anderen bereits auf uns warteten.
Im Wohnzimmer herrschte eine gespannte Atmosphäre. Alice saß auf der Armlehne eines Sessels und wirkte angespannt, während Jasper leise mit Emmett sprach. Rosalie stand an der Fensterfront, den Blick in die Ferne gerichtet, während Lena und Demetri in einer Ecke miteinander flüsterten.
„Gut, dass ihr da seid“, sagte Alice, als Carlisle und ich eintraten. Ihre Stimme war ruhig, doch ich spürte die Dringlichkeit darin.
„Was ist los?“ fragte Carlisle sofort, sein Tonfall ernst.
Alice warf mir einen kurzen Blick zu, bevor sie antwortete. „Die Volturi. Ich hatte eine Vision. Sie planen etwas – etwas Großes.“
Mein Magen zog sich zusammen. „Was genau hast du gesehen?“
Alice schüttelte den Kopf, ihre Augen waren weit geöffnet. „Es war verschwommen, unklar. Aber eines ist sicher: Sie haben nicht aufgegeben. Und sie kommen schneller, als wir erwartet haben.“
Carlisle nickte, seine Miene wurde noch ernster. „Dann haben wir keine Zeit zu verlieren. Wir müssen vorbereitet sein.“
Ich spürte die Blicke aller auf mir, doch es war nicht die Last der Verantwortung, die mich jetzt erfüllte – es war Entschlossenheit.
„Was auch immer kommt“, sagte ich leise, aber bestimmt. „Wir werden uns ihnen stellen. Gemeinsam.“
Ein kurzes Schweigen folgte, doch dann nickten sie, einer nach dem anderen. Wir waren vielleicht keine perfekte Familie, aber wir waren eine Einheit. Und egal, was die Volturi planten, sie würden uns nicht brechen.
Der Tag hatte gerade erst begonnen, doch ich wusste, dass er der Beginn von etwas Größerem war – einer Schlacht, die unser aller Schicksal verändern würde.
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Bis(s) in die Ewigkeit
FanfictionFjella Holm gerät in den Bann des mysteriösen Vampirs Carlisle Cullen und entdeckt eine gefährliche, übernatürliche Welt. Ihre aufkeimende Liebe wird von düsteren Visionen und inneren Konflikten bedroht, während sie sich immer tiefer in das Geheimni...