Kapitel 104: Der Wandel beginnt

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Der Wald war still. Die Luft schien sich in einem Moment der Erleichterung zu verdichten, als die Volturi sich endlich zurückzogen, und mit ihnen die drückende Last, die sie über die Welt der Vampire gelegt hatten. Doch der Frieden war nicht das, was wir uns vielleicht erhofft hatten, und es dauerte eine Weile, bis wir die Konsequenzen der Entscheidung wirklich begriffen. Die Volturi, so sehr sie auch entmachtet waren, behielten dennoch ihre Rolle als die unumstrittene Macht über die Vampirwelt. Doch ihre Herrschaft war nun eine andere – angepasst, zurückhaltender, weniger brutal.

Die Welt war nicht mehr in ständiger Angst, nicht mehr unterdrückt durch die Überzeugung, dass der kleinste Verstoß gegen ihre Regeln das Leben kosten konnte. Es gab eine neue Art von Ordnung, die durch unsere Hand erzwungen worden war. Doch auch wenn Aro nicht mehr die Zügel in der Hand hielt, wusste jeder von uns, dass sich nichts so schnell ändern würde.

In den folgenden Wochen wurde der Wandel sichtbar. Die Volturi waren gezwungen, sich der neuen Realität zu stellen, und das war ein langsamer, aber kontinuierlicher Prozess. Sie mussten ihre Regeln anpassen. Sie mussten akzeptieren, dass die Zeiten sich verändert hatten und dass ihre Macht nicht mehr unerschütterlich war. Die Gesetze, die sie über Jahrhunderte hinweg mit eiserner Hand durchgesetzt hatten, wurden nun überdacht. Einige ihrer brutalsten Praktiken wurden abgeschafft, und ihre Arroganz war ein wenig gezähmt.

Doch das war nur der Anfang.

Carlisle war an meiner Seite, und obwohl er in den letzten Tagen eine tiefe Erschöpfung in meinen Augen sah, war ich immer noch diejenige, die den Mut in unseren Reihen aufrechterhielt. In den Gesprächen, die wir führten, spürte ich seine Besorgnis. Er wusste, dass der wahre Kampf nicht nur gegen die Volturi geführt worden war – der wahre Kampf war der, der vor uns lag. Der Kampf darum, die Balance in einer Welt zu finden, in der die Schatten der Vergangenheit immer noch ihre Finger ausstreckten.

„Es ist nicht genug, Carlisle“, sagte ich eines Abends, als wir auf der Veranda des Hauses saßen und den Sonnenuntergang betrachteten. „Wir haben den ersten Schritt getan, aber die Vampirwelt wird sich nicht einfach selbst heilen. Die Volturi mögen jetzt anders agieren, aber sie bleiben eine Macht, und es wird immer jemand geben, der nach der alten Ordnung strebt.“

Er sah mich an und legte eine Hand auf meine. „Ich weiß, Fjella. Aber der Unterschied ist, dass wir nicht mehr alleine sind. Du hast das Gleichgewicht wiederhergestellt, und es gibt andere, die bereit sind, diesen Wandel mit uns zu tragen. Du bist nicht mehr allein.“

„Aber was passiert mit denen, die an die alte Ordnung glauben?“, fragte ich leise. „Was passiert mit denen, die noch immer unter Aros Einfluss standen? Die, die nicht verstehen, dass sich alles verändert hat?“

„Sie werden lernen“, sagte er fest. „Die Welt verändert sich, weil wir uns nicht mehr von der Angst leiten lassen. Wir haben die Macht, eine neue Zukunft zu schaffen, Fjella. Eine, in der die Vampire nicht durch Angst, sondern durch Respekt und Verantwortung geführt werden. Aber das wird Zeit brauchen.“

Ich nickte, aber er konnte die Zweifel in meinen Augen sehen. Es war schwer, die Verantwortung für das Schicksal einer ganzen Welt zu tragen. Doch er wusste, dass ich die Stärke hatte, den richtigen Weg zu finden.

Tage vergingen, und wir begannen, die Veränderungen in der Welt der Vampire stärker zu spüren. Einige der älteren Vampire, die einst unter der Herrschaft der Volturi gedient hatten, suchten uns auf, nicht als Feinde, sondern als Verbündete. Sie wollten Teil des Wandels sein, wollten sich an der neuen Ordnung beteiligen, die wir schufen. Doch viele waren auch skeptisch. Einige glaubten nicht, dass es dauerhaft sein würde, dass die Volturi irgendwann zurückkehren und ihren Anspruch auf die Welt erneut durchsetzen würden.

Aber wir blieben standhaft. Und während die Zeit verstrich, hörten wir immer weniger von den ehemaligen Regenten der Vampirwelt, den Volturi. Ihre Präsenz war zwar noch spürbar, doch ihre Kontrolle war nicht mehr so allumfassend wie zuvor. Es gab weniger Grausamkeit in den Schatten, weniger Angst in den dunklen Ecken dieser Welt. Und das war der Anfang eines neuen Kapitels.

Eines Morgens, als der Winter den Wald in einen Mantel aus Schnee hüllte, spürte ich eine Veränderung in der Luft. Es war nicht nur die kalte, frische Luft, die den Tag begleitete – es war das Gefühl, dass etwas Neues begann. Vielleicht war es die Art und Weise, wie die Natur um uns herum aufatmete, als hätte sie den Druck von Jahrhunderten abgeschüttelt.

„Was, wenn wir eines Tages wirklich Frieden finden?“, fragte ich, als Carlisle neben mir stand und den weiten Horizont betrachtete.

Er legte seinen Arm um mich. „Das ist das Ziel. Und ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg, Fjella. Die Welt wird sich immer weiter verändern. Aber solange wir uns gegenseitig stützen, können wir die Veränderung gestalten.“

Meine Augen trafen seine, und ich sah das Licht der Entschlossenheit darin. Es war das Licht der Hoffnung. Wir hatten das Gleichgewicht wiederhergestellt, und es würde eine lange Zeit dauern, bis die Welt wieder in ihren natürlichen Fluss fand. Aber wir waren bereit, diesen Weg gemeinsam zu gehen – mit allen, die an uns glaubten und die bereit waren, für die neue Zukunft zu kämpfen.

Und während Aro und die Volturi sich zurückzogen, um ihre neu definierte Rolle zu spielen, wusste ich, dass die wahre Veränderung nicht von ihnen kommen würde. Sie war bereits im Gange – und sie würde nicht aufgehalten werden.

Bis(s) in die Ewigkeit Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt