Kapitel 105: Veränderungen kommen und bleiben

6 1 0
                                    

Die Monate nach der Konfrontation fühlten sich seltsam still an – fast zu still. Es war, als würde die Welt nach einem Sturm den Atem anhalten, und ich fragte mich oft, wie lange diese Ruhe anhalten würde. Doch eines war klar: Die Volturi hielten ihr Versprechen. Seit dem Tag, an dem sie uns verließen, hatte keiner von ihnen versucht, mich oder meine Familie erneut zu kontaktieren.

Unser Zuhause war dennoch nicht zur Ruhe gekommen. Es war seltsam, wie viele Vampire plötzlich den Weg zu uns fanden. Manche suchten Rat, andere nur eine Pause von ihrem alten Leben. Emmett hatte das Ganze schnell „die Cullen-Klinik“ genannt, und obwohl er es mit einem Grinsen sagte, war in seinen Worten auch eine gewisse Ernsthaftigkeit. Jeder, der hier auftauchte, brachte eine Geschichte mit – Geschichten von Unterdrückung, von Angst, und von der Hoffnung auf etwas Neues.

Eines Nachmittags saßen wir zusammen im Wohnzimmer, als eine Nachricht aus Italien eintraf. Carlisle öffnete das Schreiben und las es still für sich, bevor er den Blick hob. Seine goldenen Augen wirkten nachdenklich, fast besorgt.

„Marcus hat sich aus dem Rat der Volturi zurückgezogen,“ sagte er leise.

Die Worte ließen die Luft im Raum schwerer werden. Ich spürte, wie sich mein Herz zusammenzog. Marcus. Der ruhigste und scheinbar emotionsloseste der drei Anführer. Sein Rückzug war keine Kleinigkeit.

„Das wird das Gleichgewicht verändern,“ flüsterte ich, ohne wirklich zu wissen, ob ich zu den anderen oder zu mir selbst sprach.

Alice nickte langsam. „Er hat Aros Methoden nie wirklich unterstützt. Vielleicht ist das sein Weg, Frieden zu finden.“

Ich lehnte mich zurück und starrte aus dem Fenster. Die Bäume wiegten sich sanft im Wind, so ruhig, als hätte sich die Welt endgültig beruhigt. Aber ich wusste, dass das nicht stimmte. Die Volturi waren geschwächt, das war sicher. Doch Marcus’ Rückzug konnte entweder eine Chance oder eine Bedrohung sein.

„Vielleicht“, sagte ich schließlich, „ist das der Anfang von etwas Neuem. Vielleicht müssen wir nicht länger in Angst vor ihnen leben.“

Carlisle sah mich an, ein warmes, nachdenkliches Lächeln auf den Lippen. „Es liegt an uns, Fjella, diese Welt zu einer besseren zu machen. Das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, ohne in dieselben Fehler zu verfallen.“

Ich nickte, auch wenn mich die Verantwortung schwerer traf, als ich zugeben wollte. Die Welt hatte sich verändert, und wir waren jetzt ein Teil davon – vielleicht sogar ein Vorbild. Und auch wenn ich nicht wusste, was die Zukunft bringen würde, fühlte ich mich das erste Mal bereit, sie anzunehmen.

Bis(s) in die Ewigkeit Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt