Die kühle Luft des verlassenen Fabrikgeländes schien immer dichter zu werden, je weiter wir uns voranbewegten. Jeder unserer Schritte hallte auf dem bröckelnden Asphalt wider, und das leise Knirschen von Glasscherben unter unseren Füßen schien unnatürlich laut in der bedrückenden Stille. Zwischen den Ruinen ragten die Skelette alter Maschinen und verrosteter Tanks auf, die im fahlen Licht der untergehenden Sonne wie deformierte Kreaturen wirkten.
Die Fensterscheiben der umliegenden Gebäude waren längst zerborsten, und die Rahmen, die sie einst hielten, klafften wie leere Augenhöhlen aus den dunklen Mauern. Der Wind, der durch die offenen Fenster und Risse in den Wänden pfiff, erzeugte unheimliche, flüsternde Geräusche. Es fühlte sich fast so an, als würden die Schatten, die sich in den Ecken der Ruinen sammelten, uns beobachten.
Wir schlichen an einem alten Kran vorbei, dessen Metallseil rostig und zerrissen wie eine zerfetzte Spinnwebe herabhing. Unter unseren Füßen knirschten kleine Steine und Sandkörner, und jedes Geräusch ließ mich unwillkürlich zusammenzucken. Cassy ging dicht neben mir, ihre Augen scannten die Umgebung, während sie nervös ihre Hände um ihre Jacke legte.
„Das hier gefällt mir überhaupt nicht," flüsterte sie, und ihre Stimme klang kaum lauter als ein Hauch.
Zeke, der uns vorausging, blieb plötzlich stehen und warf einen langen Blick über die Schulter zurück. Ohne ein Wort bog er in eine halb eingestürzte Halle ab, deren riesige Metalltüren schief in den Angeln hingen. Ein lautes Knarren hallte, als er eine davon mit einem Schubs weiter aufdrückte.
Cassy und ich sahen uns an. Ihre Augen spiegelten das, was ich fühlte: eine Mischung aus Unbehagen und Nervosität. Aber wir folgten ihm trotzdem, weil es keine Alternative gab.
Das Innere des Gebäudes war noch bedrückender. Der Boden war übersät mit Schutt, verrotteten Holzbalken und Metallteilen, die wie die Überreste eines lang vergangenen Krieges wirkten. Die dicken Schatten zwischen den zerfallenen Wänden schienen lebendig zu sein, und jeder Windstoß ließ etwas knarren oder bewegen.
Ich fühlte, wie meine Nackenhaare sich aufstellten, und ließ meine Magie in meine Fingerspitzen fließen. Das Leuchten, das von meinen Händen ausging, war warm und beruhigend, aber ich wusste, dass es auch ein Signal war: Ich war bereit.
Zeke schritt weiter voran, sein Blick wachsam, und seine eigene Magie pulsierte in seinen Händen wie ein leuchtender Funke, der jederzeit entfacht werden konnte.
Plötzlich blieb er wieder stehen, und seine Haltung spannte sich an. Ich hielt unwillkürlich den Atem an, und Cassy tat dasselbe. Irgendetwas lauerte hier.
Die Halle war riesig, ein unheimliches Echo begleitete jedes Wort und jeden Schritt. Das fahle Licht von irgendwo weit oben ließ Schatten über die Wände tanzen, als wären wir von Geistern umgeben. Doch die eigentlichen Geister dieser Begegnung standen mitten im Raum, in Form von Erinnerungen, Schuld und einer tiefen, uralten Wut.
Mein Blick wurde sofort von dem Anblick vor uns eingefangen: Rhun hing reglos an einem Berg aus Trümmern. Seine Arme waren weit ausgebreitet und mit schweren, schimmernden Ketten an Metallstangen gebunden. Blut sickerte aus Wunden, die sein Hemd befleckten, und seine blasse Haut machte ihn noch zerbrechlicher, als ich ihn je gesehen hatte. Langsam hob er seinen Kopf, der Zylinder saß immer noch auf seinem verwuschelten Haar. Doch es war sein Blick, der mich innehalten ließ—erschöpft, doch wachsam.
Neben ihm lag Klaus, völlig still. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. War er ...? Nein, das durfte nicht sein.
Ohne zu zögern rannte ich los. Doch bevor ich die beiden erreichen konnte, hielt ich abrupt an. Etwas aus den Schatten hatte sich bewegt.
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Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...