Pov Zeke
Der Wald wirkte bedrückend still, während wir uns tiefer zwischen die Bäume wagten. Nur das Knacken unserer Schritte auf dem trockenen Laub durchbrach die Stille. Kein Vogelgezwitscher, kein Rascheln in den Büschen – nichts. Es war fast, als hätte der Wald selbst die Luft angehalten.
Rhun lief vor mir, seinen knöchernen Zepter in der Hand. Der Stab leuchtete schwach in einem fahlen lila und warf Schatten auf die knorrigen Stämme um uns herum. „Was könnte hinter all dem stecken?" fragte ich schließlich und ließ meinen Blick wachsam über die umliegenden Bäume schweifen.
Rhun hielt kurz inne, ohne sich zu mir umzudrehen. „Ich weiß es nicht," gab er schließlich zu. Es war selten, dass Rhun Unsicherheit zeigte. Sein Ton war ruhig, aber ich konnte die Anspannung in seiner Stimme hören. „Aber es gefällt mir ganz und gar nicht."
Ich verzog das Gesicht. „Kein Tier, kein Märchenwesen, gar nichts. Das hier fühlt sich nicht normal an."
Rhun nickte stumm. Seine Augen musterten jeden Schatten, jede Bewegung. Es war, als erwartete er, dass der Wald jeden Moment selbst zum Angriff überging.
Wir liefen weiter, tiefer in das dichte Gewirr aus Bäumen und Sträuchern. Mit jedem Schritt wurde die Dunkelheit dichter, selbst Rhuns Zepter schien an Leuchtkraft zu verlieren. Die Atmosphäre war schwer, fast erdrückend.
„Wir sollten zurückgehen," sagte Rhun schließlich und blieb stehen.
Ich wollte ihm gerade zustimmen, als etwas am Boden meinen Blick einfing. Es glitzerte, kaum sichtbar im fahlen Licht des Stabs, aber deutlich genug, dass es meine Aufmerksamkeit fesselte.
„Warte," sagte ich und kniete mich hin, um das Objekt aufzuheben. Es war eine Kette, deren Anhänger im schwachen Licht aufblitzte. Ich hielt sie hoch und betrachtete sie nachdenklich.
„Kommt sie dir bekannt vor?" fragte ich an Rhun gewandt.
Er warf der Kette einen flüchtigen Blick zu und schüttelte sofort den Kopf. „Nein."
Ich drehte die Kette in meinen Fingern, ließ das Licht auf den Anhänger fallen. Etwas daran kam mir vertraut vor, doch ich konnte es nicht einordnen. Ein blasser, silberner Anhänger in Form eines Halbmondes, eingerahmt von filigranen Mustern, die wie Runen wirkten.
„Dir etwa?" Rhuns Stimme holte mich aus meinen Gedanken.
Ich zögerte. „In gewisser Weise schon, aber ich weiß nicht, woher."
Rhun ließ das Thema fallen und wandte sich wieder um. Er schien kein Interesse an dem Fund zu haben, zu fokussiert auf die Stille des Waldes.
„Ich stecke sie ein," erklärte ich und ließ die Kette in meine Hosentasche gleiten. „Falls der Besitzer sie abholen möchte."
Rhun antwortete nicht, sondern ging weiter. Ich richtete mich auf und folgte ihm. Die Kette fühlte sich schwerer an, als sie sein sollte, fast als läge etwas an ihr, das ich nicht greifen konnte – im übertragenen und im wörtlichen Sinne.
Auf dem Rückweg schien sich die Stimmung des Waldes nicht zu bessern. Das Gefühl, beobachtet zu werden, wurde immer stärker. Ich sah mich immer wieder um, doch es war niemand zu sehen.
„Rhun," begann ich zögernd, „hast du das Gefühl, dass wir nicht allein sind?"
Er warf mir einen kurzen Blick über die Schulter. „Ja," sagte er knapp.
Das reichte, um meine Alarmbereitschaft zu erhöhen. Rhun war nicht der Typ, der solche Dinge sagte, ohne Grund. Ich ließ meine Hand unauffällig in die Nähe meines Dolches gleiten, bereit, ihn zu ziehen, falls es nötig werden sollte.
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Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...