Pov Cassy
Der Himmel war grau, und ich war sicher, dass es bald regnen würde. Die Luft war schwer, fast drückend, und passte zu der Anspannung, die ich fühlte. Dort stand ich, nur ein paar Meter von Zeke entfernt, der mit einem breiten, selbstzufriedenen Grinsen sein Messer in der Hand drehte.
„Wir fangen mit etwas Simplen an," verkündete er. „Nimm es mir ab."
Ich starrte ihn an, die Herausforderung lag schwer in der Luft. „Ich soll dir das Messer wegnehmen?" fragte ich skeptisch.
„Genau." Sein Grinsen wurde breiter. „Und keine Sorge, ich bleibe genau hier stehen. Kein Zauber, keine Tricks – nur das, was du auch kannst."
Das klang zu schön, um wahr zu sein, und das sagte ich ihm auch.
„Hab ich dich je belogen?" fragte er mit einer Unschuldsmiene, die ich ihm kein bisschen abnahm.
In dem Moment, in dem er noch so locker dastand, sah ich meine Chance. Ohne weiter nachzudenken, stürzte ich mich auf ihn, meine Hand griff nach dem Messer, bereit, es aus seiner Hand zu reißen. Doch er war schneller. Seine Hand glitt davon, bevor ich sie erreichen konnte.
Im nächsten Moment spürte ich, wie er meinen Arm packte. Ehe ich realisieren konnte, was passierte, zog er mir mit seinem Bein den Boden unter den Füßen weg. Ich landete unsanft auf dem Rasen, und bevor ich mich wehren konnte, war er über mir. Das Messer glitzerte gefährlich nah an meinem Hals.
„Das war erbärmlich," grinste er und zog das Messer zurück. Mein Herz raste, während er aufstand und mir eine Hand hinhielt, um mich wieder hochzuziehen. „Du bist viel zu vorhersehbar."
Ich klopfte mir den Dreck von meiner Hose und funkelte ihn an. „Das ist unfair. Gegen dich hat doch keiner eine Chance."
„Hier." Zeke warf das Messer in die Luft, fing es mit einer fließenden Bewegung an der Klinge und hielt mir den Griff entgegen. „Dann stech mich ab."
Die Aufforderung war so provokant, dass ich kurz davor war, genau das zu tun. Doch ich wusste, dass er nur spielte. Dieses „Training" war albern – wie sollte ich jemals eine Chance gegen ihn haben? Trotzdem nahm ich das Messer und umfasste den Griff fest.
„Weißt du, was ich mich frage?" fragte er plötzlich, seine Augen fixierten meine, als würden sie bis tief in meinen Kopf sehen.
„Nein," antwortete ich und suchte einen Weg, ihn zu überraschen.
„Wenn ich dich jetzt küssen würde, wäre das dann unser erster Kuss? Immerhin gab es dazwischen deinen Tod und deine Wiederbelebung." Sein Lächeln war teuflisch.
Wütend verengte ich die Augen. „Wer sagt, dass ich das nochmal zulassen würde?"
Ohne zu zögern machte ich einen schnellen Satz auf ihn zu, das Messer bereit, auf seinen Hals zuzustechen. Doch er war zu schnell. Seine Hand schoss vor und packte mein Handgelenk mit einer Präzision, die mich vor Wut fast zum Schreien brachte.
Mit einem Schwung drehte er mich herum, und mein Rücken prallte gegen seine Brust. Sein Griff war eisern, und bevor ich mich wehren konnte, hielt er meine eigene Hand – die immer noch das Messer umklammerte – an meinen Hals.
„Wer sagt, dass ich fragen würde?" hauchte er mit einer fast rauchigen Stimme in mein Ohr.
Der Atem, den ich angehalten hatte, entwich in einem einzigen, schnellen Stoß. Ich fühlte, wie mein Herz raste, nicht vor Angst, sondern vor Frust und – wenn ich ehrlich war – einer seltsamen, verdrehten Form von Aufregung.
Dann ließ er mich los. Ich machte sofort einen Schritt nach vorne, weg von ihm, und drehte mich um. Mein Blick war scharf und wütend.
Zeke schüttelte nur den Kopf, als würde ich ein störrisches Kind sein, und klang fast belehrend, als er sprach. „Du darfst nicht genau dahin schauen, wo du zustechen willst. Dein Gegner sieht es jedes Mal kommen."
„Vielleicht will ich einfach nicht mit Messern kämpfen," schoss ich zurück, mein Ton gereizt.
„Vielleicht musst du das lernen." Sein Grinsen war zurück. „Oder willst du, dass der nächste Pfeil dein letzter Moment ist?"
Ich ballte meine Fäuste um den Messergriff und wusste, dass er recht hatte. Doch es machte mich nur noch wütender, dass er es auch so wusste.
Der Regen hatte längst seine eigene Melodie gefunden, ein gleichmäßiges Trommeln auf dem aufgeweichten Boden. Ich wusste nicht, wie oft Zeke mich heute schon zu Boden geworfen hatte, aber mein Körper fühlte sich wie ein einziger großer blauer Fleck an. Die kühle Nässe des Schlamms unter mir war inzwischen fast tröstlich – besser als der Schmerz von jeder weiteren Landung.
„Nimmst du irgendwann meine Tipps auch nochmal an?" rief Zeke und wartete mit verschränkten Armen, bis ich mich wieder hochkämpfte.
Doch diesmal blieb ich einfach liegen. Der Regen wusch mir den Dreck aus dem Gesicht, und ich fühlte mich kurz fast schwerelos.
„Ich glaube, ich kann nicht mehr aufstehen," murmelte ich, meine Arme fielen erschöpft zur Seite.
Zeke lachte – ein hartes, verbittertes Lachen. „Das hätte mal einer von uns sich damals trauen sollen zu sagen beim Training." Ich hörte seine Schritte im nassen Rasen, ein schmatzendes Geräusch, das verriet, wie sehr der Boden nachgab.
Das Messer, das ich zuvor hatte fallen lassen, lag direkt neben meiner Hand. Ein kleines Stück Metall, doch gerade schien es wie der Schlüssel zu meinem Überleben.
Er stellte sich neben mich und streckte seine Hand aus. „Komm schon. Noch einmal."
Ich nahm sie, richtete mich auf und spannte meine Beine an, als würde ich mich hochdrücken. Doch im letzten Moment ließ ich mein gesamtes Gewicht wieder sinken, zog Zeke mit mir zu Boden und nutzte seinen Überraschungsmoment, um nach dem Messer zu greifen. Mit einem Ruck rollte ich uns herum, setzte mich auf seine Brust und hielt ihm die Klinge an die Kehle.
Sein Blick war ein Mix aus Überraschung und Belustigung. „Nicht schlecht," lachte er. „Aber ich dachte, solche Posen sparen wir uns fürs Bett auf."
Ich beugte mich vor, drückte die Klinge fester gegen seine Haut und sah ihm in die Augen. „Hör auf mit diesen Andeutungen," sagte ich scharf, meine Stimme voller Ernst.
Zeke grinste, packte plötzlich meine Schultern und warf mich zur Seite. Der plötzliche Ruck ließ mich das Messer fallen lassen. Bevor ich reagieren konnte, war er über mir, seine Arme rechts und links von meinem Kopf gestützt, sein Gesicht nur Zentimeter von meinem entfernt.
„Wenn ich es mir recht überlege," begann er mit gespielt nachdenklicher Stimme, „bin ich lieber oben."
Ich verdrehte die Augen. „Du gehst mir echt auf die Eier." Und mit diesen Worten zog ich mein Knie nach oben und stieß es direkt zwischen seine Beine.
Ein Fluch entfloh seinen Lippen, und er rollte sich seitlich von mir weg. Ohne Zeit zu verlieren, griff ich nach dem Messer und hielt es ihm vor die Nase.
„Du hast nicht aufgepasst, Zeke. Du hast dich ablenken lassen, Zeke," begann ich, ihm seine eigenen Worte vorzuhalten, die ich mir die letzten Stunden anhören musste.
Ein Lächeln huschte über seine Lippen, während er ergeben die Hände hob. „Du hast gewonnen. Nicht schlecht."
Ich ließ das Messer fallen und richtete mich auf, die Müdigkeit wog schwer auf mir. Zeke rappelte sich ebenfalls hoch, und als er an sich herunterblickte, zog er eine Grimasse.
„Dass es erst so dreckig zwischen uns werden muss, damit du endlich mal das tust, was man dir sagt," schimpfte er.
Ich konnte nicht anders als zu lachen. „Vielleicht musst du einfach härter mit mir sein," sagte ich und deutete auf seinen Zustand. Seine Kleidung war genauso durchnässt und schlammverkrustet wie meine.
„Du bist unmöglich," murmelte er, doch ich sah das kleine Funkeln in seinen Augen.
Das Training war vorbei, zumindest für heute. Aber ich hatte etwas gelernt: Zeke mochte ein arroganter Mistkerl sein, aber er brachte mich dazu, stärker zu werden. Und irgendwie war ich ihm dafür sogar dankbar.
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Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FF
FanfictionKeine Panik, Leute - das hier wird kein Buch über Achtsamkeit. Ich weiß, der Titel klingt, als ob gleich Meditations-Tipps und Rezepte für Smoothies folgen würden. Keine Sorge, hab selbst keine Ahnung von dem Zeug. Aber irgendeinen Titel musste das...