Ezra hatte noch irgendwas davon geredet, dass das kein Problem für ihn darstellen würde und ich schon sehen würde, wie leicht ich zu überreden bin. Aber mal ehrlich sind drei Jahre nicht ein wenig kurz?Überhaupt, ich hatte mir über das Thema bis zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Gedanken gemacht. Wieso sollte ich auch? Wir lernten uns gerade erstmal richtig kennen.
Vielleicht kannte Ezra es aber auch nicht anders, schließlich ist er nicht in der ‚normalen Welt' aufgewachsen, so wie jeder andere. Er war eben auch nicht normal. Aber das mochte ich an ihm. Er war eher pragmatisch und wenn er etwas wollte, dann verbrachte er wenig Zeit damit, darüber nachzudenken was die Norm vorschrieb oder was andere dazu sagen könnten.
Wir beide waren zurück gegangen, Ezra wollte mir nämlich etwas zeigen. Wir gingen nebeneinander, während ich ihn mal wieder mit sinnlosem Zeug volllaberte und er mir nur zuhörte. Im Gegensatz zu mir, war er eben einfach kein großer Redner. Zumindest wenn er nicht mit etwas prahlen konnte oder zeigen wollte, dass er die Oberhand hatte.
Aber er hatte bis jetzt noch nie etwas dazu gesagt, dass ich manchmal viel redete.„Woher hast du den denn plötzlich?" fragte ich ein wenig erschrocken, als wir wieder bei dem Häuschen waren. Vor dem stand nämlich ein Whirlpool, damit hatte ich jetzt mal garnicht gerechnet.
„Eine kleine Entschädigung für gestern." sagte er nur, aber man sah, dass er sich freute, dass ich mich freute. „Das ist ja der Hammer, aber ich hab garkeine Badesachen dabei." stellte ich enttäuscht fest.
„Brauchst du auch nicht, hier ist doch niemand. Also hast du Lust?" „Auf jeden Fall." rief ich, ich zog mich schneller aus, als Ezra überhaupt gucken konnte und sprang in den Pool.
Ezra tat es mir in einem normalen Tempo nach und schaltete das Ding an. „Das tut gut." seufzte ich zufrieden, als ich mich ins heiße Wasser gelegt hatte. Ezra setzte sich direkt neben mich. Er grinste mich an.
„Was denn?" fragte ich ihn, woraufhin er auf meine Brust zeigte, welche übersät mit Knutschflecken war. Ich merkte, wie ich rot wurde, das hatte ich ja total vergessen. Ich sah aus, als wäre ich seine Bitch. Auch wenn das ein wenig unschön formuliert war, aber irgendwie fühlte ich mich ein wenig so.
Aber außer ihm war niemand da, der es sehen könnte, also war ich fein damit. Es war ja nicht so, als hätte es mir gestern nicht gefallen. Von daher konnte und wollte ich dagegen auch nichts sagen.
Viel lieber genoss ich unsere Zweisamkeit. Ezra zog mich auf seinen Schoß und ich lehnte mich an seine Schulter. Wir schwiegen uns an, beide nutzten wir den Moment um den anderen zu spüren. Er strahlte so viel Wärme aus, ich wollte am liebsten mit ihm verschmelzen.
Ich realisierte wie gut dieser Mann mir in den letzten Monaten getan hatte und wie sehr ich an ihm gewachsen war. Ich fühlte mich wie ein anderer Mensch, ich war glücklich. Das fühlte sich verdammt gut an.
In genau diesem Moment war ich frei von allen Sorgen. Ich dachte nicht mehr an Vincent, an meine Sucht oder an die bevorstehende Aufgabe von Evelin. In diesem Moment gab es einfach nur uns zwei.
Ezra streichelte mir sanft über den Rücken. „Geht es gerade mit den Schmerzen?" fragte er, seine Stimme klang so liebevoll, ich wünschte er würde nicht mehr aufhören zu sprechen. „Ja, es geht mir gut. Und wie geht es dir? Lässt der Stress langsam nach?" „Den habe ich heute auf der Arbeit gelassen." erklärte er mir und daraufhin schwiegen wir uns wieder an.
„Du machst mich zu einem besseren Menschen, Marlon." „Dasselbe habe ich vorhin auch gedacht." lachte ich ein wenig verlegen. „Mache ich nicht eher das Gegenteil, ich meine du warst, bevor du mich kanntest Polizist." „Ja, aber jetzt bin ich glücklich." seufzte ich zufrieden.
Ezra streichelte mir über den Kopf. „Ich auch. Wahrscheinlich bin ich deswegen manchmal ein wenig zu schnell. Ich will nur nicht, dass es vorbei geht." „Wieso sollte es das? Warum denkst du so?" fragte ich ihn ein wenig beunruhigt. Hatte er uns ein Zeitlimit gesetzt oder was?
„Du hast vorhin gesagt, dass du gehen wirst, wenn ich es vermassle und auch wenn es kaum zu glauben ist, irgendwann werde ich das. Mit großer Sicherheit... Alles hat ein Ende, ich wünschte nur wir hätten keins." sprach Ezra nun seine Gedanken offen mit mir aus.
„So meinte ich das nicht, du hast mich nur total überrumpelt mit dem Thema Hochzeit!" verteidigte ich mich. „Ach, also willst du mich doch heiraten?" grinste er mich jetzt an. Na super, ich war schon wieder auf seinen Trick reingefallen. Ich sollte mal wieder nur sagen, was er hören wollte.
„Ezra erschreck mich nicht so! Ich dachte schon du willst mich abservieren oder sowas." „Red doch nicht so einen Scheiß, das würde ich niemals in meinem Leben tun." motzte er mich jetzt zurück an.
„Aber weißt du was ich gerne tun würde?" fragte er mich jetzt und ich drehte mich skeptisch zu ihm um. „Nein, was denn?" „Ich würde hier drin gerne Sex mit dir haben." flüsterte er. „Na und ich dachte schon du sagst jetzt was romantisches." gab ich enttäuscht zu.
„Ist das nicht romantisch?" „Nicht ganz." „Ich fühle so viel seitdem ich dich kenne, da kann ich ja nicht immer wissen, was was ist." wollte Ezra sich verteidigen, wodurch sich ein kleines Lächeln auf meine Lippen legte.
„Ist das so?" „Du glaubst es kaum, letztens da hatte ich sowas wie Mittleid mit jemandem." Ich lachte daraufhin. Der Stein begann zu bröckeln und es schien ihm nicht ganz zu gefallen. Er schaute mich ein wenig verärgert an.
Ich hob meine Hände. „Das ist nicht meine Schuld, das du jetzt so emotional wirst. Ich meine du und Mittleid, die Wahrscheinlichkeit ist ja so gering, wie ein Sechser im Lotto." Ich machte mich ein wenig über ihn lustig, ja. Gefallen tat ihm das natürlich nicht, aber er sollte das ganze auch nicht zu ernst nehmen.
Er schaute mir eine Weile verärgert zu, wie ich lachte. „Haben wir's bald?" fragte er mich. „Entschuldigung, ich wusste nur nicht das du so ein emotionaler Stein bist. Soll ich jetzt deswegen eifersüchtig sein, weil du für eine andere Person Mittleid empfunden hast?" prustete ich wieder los.
Ezra war mittlerweile so gekränkt, dass er mich einfach mit aus dem Whirlpool zog und mit mir rein ging, er warf mir ein Handtuch ins Gesicht und widmete sich dann sich selbst.
„Sei nicht so eingeschnappt, nur weil du jetzt Gefühle hast, jetzt versteh ich endlich was die anderen immer meinten." schmunzelte ich.
Aber Ezra war garnicht deswegen sauer, verärgert deutete er auf sein Genital, welches hart geworden war. Verdutzt schaute ich ihn an.
„Entweder du hörst jetzt auf mit was auch immer du da tust oder ich muss es aus dir rausvögeln, du lässt mir keine Wahl." drohte er mir und ich musste wieder ein wenig lachen.
„Der Herr ist aber wirklich empfindlich geworden." lachte ich und verschwand im Schlafzimmer, um mich anzuziehen. „Marlon, du hörst jetzt besser auf damit!" rief Ezra mir wütend hinterher.
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Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)
Short StoryMarlon ist Polizist und gerät eines Tages zufällig in eine Geiselübergabe. Dort trifft er auf einen gesuchten Schwerverbrecher, welcher ein gewisses Interesse an ihm pflegt. Gleichzeitig ist er einer der wenigen Menschen, die ihn selber nicht nur al...