56. ein letztes Mal Chaos

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Nachdem ich Ezra versprechen musste, dass ich aufhörte so über ihn zu reden, durfte ich mich wieder an ihn rankuscheln. Was ein riesen Baby...

„Ich möchte mit dir über die Bitte meiner Chefin reden." brach er dann plötzlich die Stille. „Erzählst du mir jetzt endlich worum es geht?" hatte ja garnicht lange gedauert...

„Es ist eigentlich keine große Sache, trotzdem nimmst du ein Risiko auf. Du sollst bei einer Übergabe dabei sein. Die Übergaben sind mit die sensibelsten Stellen unserer Organisation, gerade wenn ich dabei bin." erklärte er mir. „Eigenlob stinkt." lachte ich nur.

„Es ist wirklich so. Solche Übergaben werden immer sehr lange geplant. Es geht nicht um die Ware, sondern die Menschen, den Geheimdienst wird die Ware wohl auch weniger interessieren. Du sollst einfach nur dabei sein und mit aufpassen, mehr ist es nicht. Im Gegenzug bekommst du Schutz von uns, so lange bis einer von uns oder meine Chefin was anderes sagt. Was denkst du?" fragte Ezra mich.

Ich wusste garnicht was ich sagen sollte. Wäre es nicht egoistisch Schutz zu verlangen, schließlich war es meine Entscheidung bei Ezra zu bleiben. Des Weiteren war ich ja überhaupt nicht Teil der Organisation, trotzdem sollte ich ihnen helfen. Das machte mich stutzig.

Bei weiterem Überlegen führte es wahrscheinlich nur darauf hinaus, dass sie testen wollten, ob ich den Geheimdienst mit ins Boot holen würde oder ob ich mich aus ihren Geschäften raushalten würden.

Eine Entscheidung zu treffen war der leichte Part an diesem Deal. Der schwerere Part war es diese Entscheidung zu tragen. Ich würde Ezra niemals verraten, aber ich hatte Angst. Was wenn die Situation aus dem Ruder laufen würde?

„Und du denkst ich sollte es machen?" fragte ich Ezra, woraufhin er nickte. „Ich vertraue dir, aber ich muss dir auch sagen, dass ich Angst habe." erklärte ich mich vorsichtig. Alleine der Gedanke bei so etwas dabei zu sein, bereitete mir Bauchschmerzen.

Ich war nicht mehr bei der Polizei, ich hatte keine Waffe, Weste oder ein Team zur Verstärkung mehr. Ich wusste zwar nicht, was hier der Sicherheitsstandard war, aber alleine durch das unvertraute würde ich mich nicht sicher fühlen.

„Ich werde auf dich aufpassen, ganz egal was passiert. Du bekommst von mir auch eine Waffe, wenn du möchtest." bot Ezra mir großzügiger Weise an. „Ich glaube damit würde ich mich schon was besser fühlen.".

„Aber du musst mir versprechen können, dass du sie verdeckt hältst und nur im aller schlimmsten Notfall rausholst. Wobei ich nicht denke, dass dieser eintreten wird." „Das kriege ich hin, mit Waffen kann ich umgehen." nicht umsonst mussten wir bei der Ausbildung soviel mit ihnen trainieren.

„Das dachte ich mir, alle Einzelheiten werden wir nächste Woche mit meiner Chefin besprechen, okay?" fragte er mich und ich nickte.

„Ich bin jetzt schon aufgeregt. Aber ich vertraue dir, du weißt was du tust." seufzte ich, Ezra hatte mal wieder recht gehabt mit der Entscheidung mich nicht zu früh in diesen Plan mit einzubeziehen, sonst wäre ich die letzten Wochen wahrscheinlich durchgedreht.

„Ich hatte es mir auch anders erhofft, ich will nicht, dass du in unsere Arbeit mit reingezogen wirst. Aber zu noch weniger konnte ich sie echt nicht runterhandeln." „Stimmt, ich darf dir bei der Arbeit zu sehen. Jetzt möchte ich erst recht mitkommen. Wie der Arbeits-Ezra wohl so drauf ist." in meinem Kopf stellte ich mir hundert verschiedene Ezras vor, wobei keiner das Schwarze traf.

Unsere ersten Begegnungen waren während unserer Arbeitszeiten, aber jetzt würde er nicht auf Polizisten treffen, wahrscheinlich würde er sich diesmal also anders verhalten.

„Mir gefällt das nicht." seufzte Ezra. „Wieso nicht?" „Es ist genau das Gegenteil von Schutz geben. Warum musst du dich erst in Gefahr bringen. Außerdem will ich nicht, dass du mir bei meiner Arbeit zusiehst." beschwerte er sich.

„Wieso das denn nicht? Was darf ich denn nicht sehen?" fragte ich ihn skeptisch. Verheimlichte er mir etwas?

„Ich will dich nicht verschrecken, es kann manchmal sehr hässlich werden. Außerdem kann ich nicht zu den einen professionell sein und zu dir dann nicht, sie dürfen nicht wissen, dass du meine Schwachstelle bist." seufzte er und rieb sich die Schläfe.

Ich war also seine Schwachstelle. Irgendwie hätte ich mir das schon denken können, aber es nochmal von Ezra zu hören, das gab mir nochmal ein anderes Gefühl. Er selber nahm es hin, als sei es selbstverständlich.

Im Sinne von: ich mach mich gerne angreifbar, nur um Marlon bei mir zu haben. Er war einfach verdammt mutig.

„Dann behandle mich so, wie du die anderen auch behandelst. Dann würde es vielleicht nicht auffallen, wir müssen ja nicht preisgeben, wer ich bin." schlug ich ihm vor. „Das ist garnicht mal eine so schlechte Idee. Ist das denn okay für dich?" „Sonst hätte ich es wohl nicht vorgeschlagen." „Falls ich etwas grob zu dir werden könnte, dann nimm das bitte nicht persönlich." Ich nickte.

Bei der Polizei hatte ich ständig mit Arschlöchern zutun, ich habe also schnell gelernt mir nicht alles zu nahe kommen zu lassen. Klar, es war was anderes, wenn es jemand tat, der einem nahe stand, aber so empfindlich war ich jetzt auch nicht. Ich glaube manchmal unterschätzte Ezra mich.

Er sollte ein bisschen mehr Vertrauen in mich setzen, aber vielleicht könnte ich ihm das nächste Woche beweisen.

Ich war immerhin kein schlechter Polizist gewesen, es war eher mein Privatleben, was mir Probleme bereitet hatte. Aber jetzt ging es mir besser.

Wie es für uns wohl nach dieser Übergabe weitergehen würde? Wahrscheinlich würde ich mir einen Job suchen und wir würden uns im Alltag verlieren, aber es war ja nicht so, dass man dagegen nichts tun konnte.

Ezra und ich kuschelten uns ins Bett und entschieden uns dazu schlafen zu gehen. Es war schon spät geworden und wir beide waren müde.

Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt