63. ankommen

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Ich schaute ihn panisch an. „Bitte nicht, bring mich lieber direkt um, ich halte das alles nicht mehr aus, bitte. Erschieß mich einfach." ich brach unter meinen Schmerzen zusammen. Ezra hockte sich zu mir runter.

„Das ging wohl alles ein wenig zu schnell. Es tut mir leid, es tut mir so unglaublich leid. Kommst du bitte mit mir mit? Ich glaube dir, ich glaube alles was du sagst. Du bist nicht schuld an dem was passiert ist. Es war einfach ein verdammt beschissener Zufall." irgendwo her kannte ich seine letzten Worte, aber mir fiel nicht mehr ein woher.

„Du musst es mir versprechen, mit allem was dir wichtig ist." weinte ich.
„Marlon, du bist das einzige was mir wichtig ist. Ich verspreche dir, dass ich dir helfen möchte." was blieb mir anderes übrig? Ich nickte vorsichtig. War das wieder ein Fehler?

Ich war zu schwach um darüber nachdenken zu können.  Ezra hob mich ein weiteres Mal hoch und wir gingen zurück ins Auto. Er schnallte mich an und wir fuhren schweigend zurück.

Ezra trug mich ins Haus und legte mich aufs Sofa. Er setzte sich neben mich und ich konnte meinen Kopf auf seinen Schoß legen. Vorsichtig streichelte er meinen Kopf.

„Ruh dich was aus." flüsterte er und ich schloss meine Augen. Es fühlte sich an, als würde ich das erste Mal in meinem Leben eine sanfte Berührung spüren. Ich war immer noch auf Drogen, wodurch ich wahrscheinlich aber schnell eingeschlafen bin und nicht mehr viel darüber nachdenken konnte.

Als ich das nächste Mal aufwachte war Ezra immer noch da, nur schien auch er eingeschlafen zu sein. Ich fühlte mich so wach, als sei ich nüchtern? Konnte das sein? Wahrscheinlich nicht komplett, aber so gut wie.

War das hier wirklich das echte Leben? War es vorbei? Ich konnte es kaum fassen. Es fühlte sich so surreal an. Danke Ezra.

Ich sah meine bekannte Umgebung nach einer gefühlten Ewigkeit wieder, wow. Ezra schnarchte leise vor sich hin, aber diese vertrauten Eindrücke ließen meine Tränen laufen. Ich setzte mich vorsichtig auf, woraufhin Ezra allerdings wach wurde.

„Was ist los? Warum weinst du?" fragte er mich direkt besorgt. „Ich bin wieder Zuhause." flüsterte ich und fing nun wie aus Reflex das richtige weinen an. Ezra nahm mich wieder einmal in den Arm.

„Das ist richtig. Du kannst dich wieder frei bewegen, du bist frei." flüsterte er mir zu. „Wie bist du eigentlich frei gekommen?" fragte ich ihn. Schließlich hatte man ihn auch gefangen gehalten.

„Mach dir um mich keine Sorgen, das ist ein Standard Procedere, wenn der Handel nicht so läuft, wie geplant. Sie nehmen den Leader mit und behalten ihn so lange bei sich, bis wir quit sind. Sie haben mir nichts getan oder so. Der Kunde muss sich nun eben auch irgendwie absichern." erklärte er mir.

Mir fiel ein Stein vom Herzen, ihm war also nichts passiert und das wichtigste, er war wieder hier. „Aber darum soll es jetzt auch nicht gehen. Ich mache uns erst mal was zu essen." schlug Ezra vor und ich nickte.

Er konnte sich bestimmt schon denken, dass ich Hunger hatte. Er war schließlich mit den Methoden seiner Organisation nicht unbekannt. Der Gedanke beunruhigte mich allerdings auch.

Wenig später saß ich mit Ezra am Esstisch. Eine Weile starrte ich schon auf mein Essen und auf das Glas Wasser, welches vor mir stand. „Was ist los?" fragte Ezra mich besorgt.

Ich wollte ihn nicht verletzen, aber ich konnte mich nicht dazu bringen, dieses Glas zu trinken. Die Erinnerungen sprudelten dann wieder ein und ich bekam Angst. Ezra verfolgte meinen Blick und starrte eine Weile mit mir auf das Glas Wasser.

„Das hätte ich wissen müssen, tut mir leid. Möchtest du dir lieber selber etwas zu trinken holen?" Fragte er mich und stand auf, um das Glas wegzubringen. Ich stand mit auf und folgte ihm.

„Tut mir leid." seufzte ich. „Marlon du brauchst dich für nichts entschuldigen, hörst du? Das was passiert ist, ist schrecklich, sei ein wenig nachsichtiger mit dir." sagte Ezra. Ich nahm mir ein neues Glas und wir gingen zurück an den Esstisch.

Endlich konnte ich wieder etwas essen, es tat verdammt gut und ich musste aufpassen, dass ich nicht zu schnell aß.

Nach dem Essen hatte Ezra mich ins Bad gebracht. Er hatte die Badewanne voll laufen lassen und mir sogar beim ausziehen geholfen. Ich hockte in dem warmen Wasser und starrte es an.

Es hätte sich gut anfühlen müssen, aber irgendwie tat es das nicht. Ich starrte auf all meine Verletzungen und die hunderte von blauen Flecken. Ich konnte mich an die meisten nicht erinnern, ich spürte dennoch jeden einzelnen.

Ezra wusch mich sanft mit einem Lappen, ein wenig wusch es auch die Angst von mir. Dennoch war ich verzweifelt und aufgelöst.

„Magst du mir erzählen was alles passiert ist?" fragte er mich nach einer Weile. Ich nickte vorsichtig. Vielleicht würde er mich besser verstehen, wenn ich es ihm erzählte.

„Als die Rauchbombe gezündet wurde, da bin ich panisch zum Auto gelaufen, aber du warst nicht da. Ich hab den anderen gesagt, dass sie auf dich warten sollen, aber stattdessen haben sie auf mich eingeschlagen, sagten es wäre meine Schuld." eine Träne lief mir die Wange herunter.

„Danach haben sie mich mit Chloroform bewusstlos gemacht und mich in diese verdammte Zelle eingesperrt. Sie haben mich verprügelt und dann kam irgendwann Evelin und entschuldigte sich bei mir für alles und sie hat mir ein Glas Wasser gegeben und kurz darauf bin ich wieder bewusstlos geworden." die Bilder kamen wieder. Die Angst und die Wehrlosigkeit.

Ich erzählte ihm alles an was ich mich erinnern konnte. „Als ich ihr gesagt habe, dass ich nichts damit zutun hatte, da haben sie mir was gespritzt, es hat so verdammt wehgetan." Ich weinte und als ich auf meinen Oberarm schaute, sah ich klar und deutlich die Einstichstellen, sie waren blau geworden.

„Das haben sie zweimal mit mir gemacht, ich glaube manchmal haben sie mich auch während ich bewusstlos war verprügelt." flüsterte ich. Ich fing wieder an zu weinen und zu zittern.

Der psychische Schmerz war viel schlimmer, als der körperliche. Die Momente spielten sich immer und immer wieder in meinem Kopf ab. Ich konnte es nicht abstellen.

„Darf ich fragen, warum hast du sie nicht angelogen und gesagt, dass es deine Schuld war?" „Ich- ich dachte ich würde dich nie wieder sehen... So solltest du nicht von mir denken..." Ezra nahm mich in den Arm.

„Du bist so unglaublich stark Marlon, der stärkste Mensch den ich kenne. Dazu hast du ein verdammt großes Herz, ich bin so froh, dass ich dich wieder bei mir habe." flüsterte Ezra mir ins Ohr.

War ich stark? Mein Wille war es, sonst hätte ich niemals überlebt...

Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt