64. unsere ersten Begegnungen

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Eine ganze Weile noch saß ich in der Badewanne, während Ezra über meinen Rücken strich. Ich hatte meinen Kopf an ihn angelehnt und genoß seine Nähe, etwas von dem ich dachte, dass ich es verloren hätte.

„Ich dachte wirklich, dass ich dich nie wieder sehen würde." erzählte ich ihm. „Das dachte ich auch, aber dich so zu finden, es hat mir noch mehr das Herz gebrochen. Ich weiß nicht, wie ich das jemals wieder gut machen kann." er seufzte und schüttelte verzweifelt mit dem Kopf.

„Du machst etwas wieder gut, was du nicht verursacht hast. Ich brauche nicht mehr, als dich an meiner Seite." Ezra streichelte mir über die Wange und gab mir den sanftesten Kuss, denn ich in meinem ganzen Leben jemals bekommen hatte. Ich spürte ein kribbeln in meinem Bauch.

Ich war ein wenig überrascht, dass er mich überhaupt küssen wollte, meine Lippen waren schließlich aufgeplatzt und bestanden zu achtzig Prozent wahrscheinlich nur noch aus Kruste.

Ezra half mir aus der Wanne und wickelte mich in einem Handtuch ein. Nervös trat ich vor seinen Spiegel. Mir rutschte fast das Herz in die Hose, welche ich nicht anhatte.

Meine Augen waren dunkel blau unterlaufen. Das gleiche galt für meine Wangen und mein Kinn. Ich sah schrecklich aus. Unter meine Nase hatte sich, wie auf meinen Lippen eine große Kruste gebildet. Ich hatte blaue Flecken am Hals, meiner Brust, meinen Armen und eigentlich über all.

Verzweifelt drehte ich mich zu Ezra, schon wieder fing ich an zu weinen. Was ist wenn ich nicht sicher war? Würden sie es nochmal machen, wenn sie die Chance dazu hätten?

„Du musst mich vor ihnen beschützen." weinte ich. Er legte seine Hände in meine „Ich werde nichts anderes machen, versprochen. Ich bin jetzt hier und ab jetzt lass ich niemanden auch nur noch in deine Nähe." versprach er mir und ich nickte verzweifelt. Ich fiel ihm in den Arm, er war wirklich mein Ein und Alles.

Ezra half mir beim anziehen und wir legten uns zusammen in sein Bett, es war schon spät geworden. Ich kuschelte mich so nah an ihn heran, wie nur möglich. Er gab mir Sicherheit.

„Wäre es für dich okay, wenn ich Bruno in den nächsten Tagen hier her hole? Jemand sollte sich deine Verletzungen einmal genauer anschauen. Ich bin natürlich dabei." fragte er mich vorsichtig.

„Ich denke schon, ja. Solang du bei mir bist kriege ich das hin." antwortete ich und Ezra nickte. Er wünschte mir eine gute Nacht und wir legten uns schlafen.

Eine Weile lag ich jetzt schon hier, aber ich konnte einfach nicht einschlafen. Sobald ich die Augen schloss kamen die Bilder wieder, eine Zeit lang starrte ich an die Decke.

Ezra hatte sein Nachtlicht noch an, ich streckte mich über ihn und knipste es aus. Plötzlich war ich wieder in diesem Dunkeln Raum, ich sah mich selber, wie ich zugedröhnt in der Ecke lag und mich nicht bewegen konnte. Und nach einer langen Zeit überkam mich plötzlich wieder der Drang zu trinken.

Panisch knipste ich sein Licht wieder an. Was waren das nur für Gedanken? Das wollte ich doch hinter mir lassen... Aber da wusste ich ja auch noch nicht, dass mir so etwas passieren würde.

Hatte Ezra das Licht eigentlich extra angelassen? Ich hatte ihn vorher nie gesehen, wie er es überhaupt benutzt hatte. Irgendwie wusste er genau, was mir helfen würde.

Ich klammerte mich fest an ihn. Solang ich bei ihm war, war alles gut, dachte ich mir. Es verwirrte mich, ich war nach Tagen endlich wieder nüchtern und jetzt wollte ich mich betrinken? Das machte doch überhaupt keinen Sinn. Ich seufzte.

Mein Kopf konnte an nichts anderes mehr denken, aber um ehrlich zu sein hatte ich keine Lust dazu. Ich ließ die Gedanken zu und versuchte endlich zu schlafen.

Ein Leben ohne Gesetze (BoyxBoy)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt