Traumland?

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Zeke hüpfte wie ein kleines Kind neben mir her, als hätte er gerade den besten Tag seines Lebens. Sein Schatten – der offensichtlich mehr Verstand besaß als er – zeigte ihm den Vogel. Doch auch das störte ihn nicht im Geringsten.

„Ach Cassy, entspann dich doch einfach mal ein bisschen!" rief er fröhlich. „Die Sonne scheint, wir haben gute Gesellschaft ... also uns beide und wir haben uns nicht umgebracht, obwohl wir beide neuerdings Messer nach uns werfen!"

Er breitete die Arme aus, als wäre das eine großartige Errungenschaft.

Ich schnaubte. „Oh ja, ein wahres Wunder. Vielleicht sollten wir eine Medaille dafür bekommen."

„Genau das sag ich auch immer!" Zeke schnippte mit den Fingern. „Aber Rhun meint, ich sollte mir keine eigene Medaillensammlung zulegen, nur weil ich mal nicht jemanden abgestochen habe. Spielverderber."

Ich rieb mir die Schläfen. „Weißt du, ich frage mich langsam wirklich, wie du so alt werden konntest."

Zeke grinste. „Pure Anmut und Talent."

„Ich hätte eher auf pures Glück und die Geduld deiner Brüder getippt."

Sein Schatten nickte zustimmend.

„Und du, Bruder?" Zeke warf seinem eigenen Schatten einen empörten Blick zu, doch der zuckte nur mit den Schultern. „Ich dachte, wir sind ein Team."

Ich sah gen Himmel und fragte mich, ob ich es über mich bringen würde, ihn einfach in den Sand zu schubsen und davonzulaufen.

„Weißt du was, Cassy?" Zeke hakte sich plötzlich bei mir ein, sodass ich beinahe stolperte. „Du bist echt der grummeligste Mensch, den ich kenne. Und das soll was heißen, denn ich bin mit Rhun aufgewachsen."

„Schieb mich nicht in die gleiche Schublade wie Rhun."

„Oh, keine Sorge, er hat seine eigene. Die sehr große Schublade für verbitterte ältere Brüder mit einer dramatischen Vergangenheit."

Ich wollte mich losreißen, aber er hielt mich fest.

„Ich bin nicht grummelig."

Zeke zog eine Augenbraue hoch.

„Du bist es jetzt jedenfalls."

Ich atmete tief durch und stieß ihn von mir. Wenn ich jetzt ein Messer nach ihm warf, bestätigte ich nur seine Theorie. Wenn ich es nicht tat, würde er trotzdem weiterreden. Ein echtes Dilemma.

„Also, was machen wir nun?" fragte ich und ignorierte seine ständigen Hüpfbewegungen neben mir.

Zeke grinste breit. „Wir warten, bis das Wüstenland entscheidet, uns einen Hinweis zu geben. Oooder ... wir machen ein Wettrennen bis zur nächsten Düne."

„Wie alt bist du noch mal?"

„Alt genug, um zu wissen, dass du verlieren wirst."

„Zeke, im Ernst. Was machen wir jetzt?"

„Wir warten, bis der Grund zu uns kommt!" rief Zeke über die Schulter, während er grinsend weiterging. 

Das Problem war nur – er sah mich an, anstatt auf den Weg vor sich. 

Und so bemerkte er nicht die plötzlich auftauchende, strahlend weiße Mauer, die sich aus dem Nichts vor ihm aufgetan hatte. 

Mit voller Wucht lief er dagegen. 

Das Plopp seines Aufpralls klang so unpassend komisch, dass ich mir sofort die Hand vor den Mund schlug, um nicht laut loszulachen. Doch es wurde noch besser – er fiel in einer völlig überzogenen Bewegung nach hinten, als wäre er eine Figur in einem dieser alten Slapstick-Filme. 

Seine Beine und Arme klappten weit zur Seite, während er rücklings in den Sand plumpste. 

Er blieb kurz liegen, während ich innerlich kämpfte – zwischen Mitgefühl und einem Lachanfall. 

„Das ist doch scheiße hier," murmelte er schließlich und setzte sich langsam auf. Seine Haare waren zerzaust, seine Wangen leicht gerötet, und er sah die Mauer mit einem Blick an, als hätte sie ihn persönlich beleidigt. 

Ich konnte nicht anders. Ein leises Kichern entkam mir. 

„Hast du dir wehgetan?" fragte ich, als er so ungewohnt still blieb. 

Plötzlich wirbelte er herum, riss die Augen weit auf und legte sich die Finger an die Lippen. 

„Pssst! Sonst hören sie uns." 

Mein Lachen verstarb in meiner Kehle. 

Ich starrte ihn an. „Wer hört uns?" 

Zekes Blick huschte misstrauisch von mir zur Mauer. Dann flüsterte er dramatisch: 

„Die Wächter der unendlichen Wand. Natürlich." 

Ich schloss genervt die Augen und massierte meine Schläfen. „Ich schwöre, Zeke, irgendwann bringt mich dein Wahnsinn noch um." 

„Und genau deshalb solltest du dich entspannen!" flüsterte er verschwörerisch. „Sonst halten sie dich für eine Bedrohung und dann—" 

Er machte eine ausholende Bewegung mit den Händen, als würde er explodieren. 

Ich verdrehte die Augen und seufzte. „Komm, lass uns mal sehen, was das hier überhaupt ist." 

Zeke rappelte sich auf, klopfte sich den Sand von seiner Kleidung und musterte die Mauer, als wäre sie ein Gegner, den er gleich zum Duell herausfordern würde. 

„Gut. Aber falls sie uns angreifen, musst du mir versprechen, dass du mich als erstes retten wirst." 

Ich starrte ihn nur an. 

„Was?" Er zuckte die Schultern. „Ich bin dein einziger Weg hier raus. Prioritäten, Cassy." 

Er stellte sich neben mich und beugte sich zu mir, als würde er mir ein Geheimnis verraten wollen. "Außerdem sind wir nie im Traumland gelandet, also nehme es bitte ernst, wenn ich sage das du still sein sollst"

Erschrocken sah ich ihn an. Wo zum Teufel waren wir dann?

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Liebe Lesemäuse,

Auch wenn es gerade nicht so wirkt, habe ich mich entschieden die Story allmählich zu beenden. Wie immer kann ich nicht genau sagen, wie viele Kapitel noch kommen werden.
Aber ich habe den Eindruck, dass die Story ihr Ende langsam erreicht hat, auch wenn es mir super schwer fällt bei all euren tollen Kommentaren trotz der manchmal echt langen Wartezeit bis es weiter geht 🙈
Doch gerade das bringt mich dazu, der Story ihr verdientes Ende zu schreiben. Denn es fehlt auch ein stückweit die Motivation 😅🥲

Achtsam jammern mit dem Osterhasen | Eine Julien Bam FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt