Kapitel 31

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1 Monat später ~

Meine Hände zitterten leicht, als ich meinen Finger auf die Klingel des vertrauten Hauses legte. Die Luft um mich herum schien schwerer zu werden, je länger ich zögerte. Ein tiefer Atemzug entwich mir, und mein Blick fiel auf meine eigene Hand, die sich beinahe verzweifelt an eine andere klammerte.

„Sie wird mich schon mögen,“ flüsterte die Person an meiner Seite mit sanfter, beruhigender Stimme. Ihre Worte klangen hoffnungsvoll, beinahe so, als könnten sie die Anspannung in meiner Brust fortwischen. Ich nickte langsam, mehr für mich selbst als für sie, und versuchte ein Lächeln, das allerdings kaum die Oberhand über meine Nervosität gewann.

Ein leises Summen erklang hinter der Tür, gefolgt von schnellen, entschlossenen Schritten. Ehe ich mich darauf vorbereiten konnte, wurde die Tür aufgerissen, und das bekannte Gesicht meiner Mutter erschien im Rahmen. Ihre Augen strahlten vor Freude, und ihre Arme waren schon auf halbem Weg zu mir, bevor sie überhaupt ein Wort sagte.

„Liebling!“ Ihre Stimme war warm und übersprudelnd vor Zuneigung, bevor sie mich fest in ihre Arme zog. Ihr Griff war vertraut und sicher, wie immer, aber diesmal schien ihr Blick suchend, neugierig, als sie mich schließlich losließ und sich meiner Begleitung zuwandte.

Mona, die an meiner Seite stand, richtete sich etwas auf. Mit einem höflichen Lächeln trat sie einen kleinen Schritt vor und reichte meiner Mutter ihre Hand. „Hallo Miss Jackson, es freut mich—“

Sie kam nicht weiter. Meine Mutter unterbrach sie mit einer überschwänglichen Geste und zog sie unerwartet in eine feste Umarmung. Mona erstarrte für einen Moment, überrascht, bevor sie sich schließlich unsicher entspannte.

„Ach, na na, nicht so förmlich,“ lachte meine Mutter herzlich, während sie Mona einen sanften Klaps auf den Rücken gab. „Nenn mich Kira. Das hier ist schließlich ein Familienessen, keine steife Gala!“

Ich konnte nicht anders, als ein leichtes Lächeln zuzulassen. Mona wirkte einen Moment lang, als hätte sie alle Worte verloren, bevor sie schließlich ein leises Lachen ausstieß und nickte. Es war schwer, nicht von der Wärme und der Energie meiner Mutter mitgerissen zu werden.

...

Das Abendessen hatte sie mit Liebe gekocht – das hatte man geschmeckt. Der Tisch war reich gedeckt gewesen, und selbst Mona, die in den letzten Tagen kaum Appetit gehabt hatte, hatte mit Genuss gegessen. Meine Mutter hatte uns mit ihrer Energie mitgerissen, uns mit Geschichten aus ihrer Jugend unterhalten, uns zum Lachen gebracht. Es war fast so, als wäre alles normal. Fast.

Wir lagen nebeneinander im Gästezimmer meiner Mutter. Das Licht der kleinen Nachttischlampe warf sanfte Schatten an die Wände, während draußen der Wind leise durch die Bäume strich. Die Decke war weich, wärmend, aber es war Monas Nähe, die mir am meisten Geborgenheit schenkte.

Mein Blick wanderte zu ihr. Sie lag auf dem Rücken, den Kopf leicht zur Seite gedreht, sodass ich ihr Profil sehen konnte. Ihr Atem ging ruhig, aber ihre Finger ruhten auf ihrem Bauch, genau dort, wo die Narbe war. Eine stumme Erinnerung an das, was geschehen war. Sie strich mit der Fingerspitze darüber, fast unbewusst, so als wollte sie sich selbst versichern, dass sie noch da war – dass sie es überlebt hatte.
Ich wusste, dass dieser Tag niemals spurlos an ihr vorübergehen würde. Die körperlichen Wunden würden verheilen, doch die Erinnerungen? Die würden bleiben. Genau wie die Narbe, die sich über ihre Haut zog.

Mona bemerkte meinen Blick. Für einen Moment hielt sie inne, dann ließ sie die Hand sinken und drehte sich zu mir. Ihre Augen suchten meine.

„Es ist vorbei“, flüsterte sie.

Ich wollte etwas sagen, wollte ihr sagen, dass ich wusste, dass es nie ganz vorbei sein würde. Dass die Schatten der Vergangenheit uns noch lange begleiten würden. Dass ich nachts aus Angst nicht schlafen konnte.
Aber in diesem Moment, in diesem kleinen Raum, mit Mona an meiner Seite, fühlte es sich nicht so an, als würde die Dunkelheit gewinnen.

Also schob ich meine Hand vorsichtig unter ihre.

„Ja“, sagte ich leise. „Es ist vorbei.“

Und für diesen einen Moment glaubte ich es wirklich.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Feb 16 ⏰

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Die Professorin- Grenze Der MachtWo Geschichten leben. Entdecke jetzt